Diebitsch

[127] Diebitsch, Hans Karl Friedrich Anton v. D. u. Narden, später Graf D. Sabalkanski, geb. 1785 in Großleippe unweit Breslau in Schlesien, wurde seit 1796 im Cadettenhaus zu Berlin erzogen, trat aber 1801, als sein Vater, Hans Ehrenfried, als Generalmajor in die Suite Kaiser Pauls getreten war, in russische Dienste als Secondelieutenant, kam in die russische Garde, machte die Schlacht bei Austerlitz, Eylau u. Friedland mit, wurde 1812 Oberst u. nach der Einnahme von Polozk Generalmajor. Am 30. Dec. schloß er in der Mühle von Poscherau die Capitulation mit dem preußischen General York, machte nun die Schlacht bei Lützen u. Bautzen, wo er einen Theil des russischen Gardecorps dem linken preußischen Flügel zu Hülfe führte, als Generalquartiermeister Witgensteins mit u. wurde zu den Reichenbacher Verhandlungen im Juli 1813 gezogen. Nach der Schlacht bei Dresden zum Generallieutenant ernannt, war er es hauptsächlich, der im März 1814 auf den Marsch nach Paris drang. 1820 wurde er kaiserlicher Generaladjutant u. 1822 Chef des Generalstabes; er eilte, als Alexander 1825 starb, von Taganrog, wo er sich damals aufhielt, nach Petersburg, u. hier stand er auf der Liste der von den Verschworenen zum Tode Bestimmten. Bei Unterdrückung der Revolution verfuhr er mit großer Umsicht u. Energie u. wurde General der Infanterie. 1828 commandirte er Anfangs unter dem Kaiser an der Donau, als aber unter dessen Befehl die Angelegenheiten nicht vorwärts gehen wollten, allein, überschritt den Balkan, besetzte Adrianopel, rückte gegen Constantinopel vor u. zwang die Türken zum Frieden. Er wurde nun zum Feldmarschall u. Grafen, mit dem Beinamen Sabalkanski, d.h. der Balkanüberschreiter, ernannt. 1830 auf einer Reise begriffen, ereilte ihn in Berlin die Nachricht von der Revolution in Warschau. Er kehrte sofort zurück, erhielt den Oberbefehl über das gegen Polen bestimmte russische Heer, rückte im Febr. 1831 in Polen ein, siegte zwar bei Grochow, vermochte aber nicht den Weichselübergang oberhalb Warschau zu forciren u. war genöthigt, sich erst nach Siedlce, dann nördlich des Bug zu ziehen u. lieferte hier die Schlacht von Ostrolenka. Er st. am 10. Juni 1831 in Klezewo an der Cholera.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 5. Altenburg 1858, S. 127.
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