Saigern

[760] Saigern (Saigerarbeit), eine leichtflüssige Substanz von einer schwerer flüssigen dadurch trennen, daß man das Gemenge vorsichtig bis zum Schmelzen des leichter flüssigen Theiles erhitzt, welcher dann aus dem ungeschmolzenen herausläuft. So scheidet man Wismuth u. Schwefelantimon von Gangart, Zinn von beigemengten Unreinigkeiten, Schwefel aus Schwefelkies, besonders trennt man (doch neuerdings immer seltener) vom Kupfer das Silber dadurch, daß man letzteres durch Zusammenschmelzen der Masse mit Blei in eine leichtflüssige Legirung verwandelt, die sich aus dem Kupfer aussaigern läßt. Das angewendete Saigerblei darf wenig od. kein Silber enthalten. Das S. geschieht in den Saigerhütten auf dem Saigerherde, od. in einem Windofen, beide heißen Saigerofen. Zu dem viereckigen Saigerherde wird ein Grund von Steinen gemauert u. in demselben kreuzweis ein Abzugskanal angebracht, durch welchen alle Feuchtigkeit abgeleitet wird. Auf dem Grunde wird eine, nach vorn abhängige Gosse gemacht, welche vorn u. hinten mit einem schmalen Gewölbe bedeckt, in der Mitte aber offen ist. Auf den vier Seiten des Grundes werden 21/2–3 Fuß hohe Mauern errichtet. An diese Mauern u. auf die Gosse werden die Saigerscharten, große Eisenplatten, gelegt, welche sich über der Gosse (Saigergasse) nicht ganz berühren dürfen. Auf die Mauern werden die Saigerwände gestellt. Da der Herd an einer Wand der Saigerhütte angebracht ist, so sind nur drei Saigerwände nöthig; verbindet man zwei Herde noch an einer Seite zu einem Doppelherde, so lassen sich noch zwei Saigerwände ersparen, deren Stelle dann eine Mauer vertritt. Die Saigerwände bestehen aus eisernen Rahmen, die mit einem starken Bleche ausgefüllt sind, welches auf der innern Seite mit Lehm belegt ist. Die Saigerwände werden mit Haken u. Klammern an einander u. an der Rückwand befestigt, häufig sind sie auch so eingerichtet, daß sie mit Kloben u. Ketten nach Beendigung des S-s in die Höhe gezogen werden können. Vor der Gosse ist von Lehm ein Tiegel (Saigertiegel, Bleigrube) gemacht, in welchen das Silber u. Blei abfließt. Auf die Saigerscharten werden beim Beginnen der Arbeit Saigerstücke, d.h. Kupfer in Gestalt einer Scheibe od. eines Bretes, auf die hohe Kante gesetzt. Der Zwischenraum zwischen den Saigerstücken, ungefähr 2–3 Zoll betragend, wird mit Brennmaterial ausgefüllt u. ebenso auch auf dieselben Brennmaterial gelegt. Das Feuer wird von oben im Herde angezündet; auch in der Gosse ein Feuer unterhalten, damit das aus den Saigerstücken u. von den Saigerscharten in die Gosse tröpfelnde Blei u. Silber schnell in den Saigertiegel ablaufe. Das Feuer wird durch die Saigerbleche, zwei starke, mit Schienen versehene u. zu beiden Seiten des Saigerstücks gestellte Bleche, zusammengehalten. Bei der Arbeit ist darauf zu sehen, daß die Hitze stark genug sei, um das Blei zu schmelzen, aber nicht so stark werde, daß auch das Kupfer schmilzt, welches sich nur etwas zusammensetzen darf. Das erste S. dauert 5–6 Stunden, doch saigert man gewöhnlich 5–6 Mal, ehe man den Herd wieder kalt werden läßt, u. bei diesem wiederholten S. geht die Arbeit schneller von Statten. Der Windofen zum S. ist so groß, daß 12 Saigerstücke auf ein Mal eingesetzt werden können. Er hat ebenfalls eine Gosse, vor welcher der Saigertiegel angebracht u. über welcher die Saigerscharten liegen. An der einen Seite ist der Ofen zu Einsetzung der Saigerstücke offen u. kann daselbst mit einer beweglichen Saigerwand verschlossen werden, welche bei der Arbeit nur nach u. nach abgelassen wird. Das zurückbleibende, schwammige Kupfer (Kienstöcke) wird dann auf dem Darrofen noch stärker erhitzt, dabei läuft noch etwas Blei als Glätte (Darrrost) ab, das zurückbleibende Kupfer, nun Darrlinge genannt, wird von dem gebildeten Kupferoxyd (Saigerschiefer, Pickschiefer) getrennt u. wieder geschmolzen. Das gewonnene Werkblei wird, wenn es silberarm ist, von Neuem mit zu saigerndem Kupfer zusammengeschmolzen (Reichfrischen), wenn es aber schon reich genug ist, von dem Saigerabtreiber abgetrieben (Saigerabtreiben). Der das S. verrichtende Arbeiter heißt Saigeranrichter, die die andern, kleineren Arbeiten verrichtenden, Saigerbösler (Saigerbätzler).

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 14. Altenburg 1862, S. 760.
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