Var [1]

[360] Var (spr. Wahr, ital. Varo, im Alterthum Varus), 1) Küstenfluß des Mittelmeeres, entspringt auf den Seealpen unweit des Col de St. Delmas an der Grenze der Departements Niederalpen u. Unter-Savoyen, nimmt die Tinea u. den Esteron auf, bildete sonst (vor der Annectirung Nizza's) auf eine Strecke die Grenze zwischen Frankreich (Departement Var) u. Piemont (Grafschaft Nizza); ist reißend, fällt nach einem Laufe von 14 Meilen, ohne schiffbar zu sein, zwischen Antibes u. Nizza ins Mittelmeer; 2) Departement im südöstlichen Frankreich, sonst Theil der Provence, grenzt im Süden an das Mittelmeer, nach den andern Seiten an die Departements Unter-Savoyen, Rhône-Mündungen u. Nieder-Alpen; 108,17 QM., gebirgig durch Zweige der Seealpen (Montagnes d'Esterel u. Montagnes de Maures, das Kalkgebirge Vaux d'Ollioules), deren höchste Spitze hier der St. Baume ist (10,500 Fuß); mit fruchtbaren Ebnen; Bewässerung: V., Esteron, Argens u. mehre Küstenflüsse; einige Seen od. Etangs Villepoy, Napoule, Pesquier; Meerbusen: de Juan, Frejus, Grimaud, Hyères, Toulon; Vorgebirge: Gros, Roux, de Camarat, de Port, Mouret; viele Inseln (Hyères, die Lerinischen u.a.); Klima angenehm, Frost selten; der Frühling tritt sehr frühzeitig ein. Producte: Steinkohlen, Marmor, Seesalz, Serpentin, edle Thonarten; viel Wald, zum Theil verwüstet, viel Obst, Südfrüchte, Wein, Korkeichen, selbst Datteln, Baumwolle; Zucht- u. Hausthiere, Wild u. Geflügel, Fische, Spanische Fliegen«. Nie Einwohner (1861) 315,530 sind meist Katholiken u. sprechen provençalisch; treiben Ackerbau (nicht begünstigt), Viehzucht (Schafe, Ziegen), Obst- u. Weinbau, fertigen wohlriechendes Wasser u. eingemachtes Obst, treiben Seidenbau, schlämmen Salz u. haben etwas Handel. Die Eisenbahn von Marseille nach Toulon durchschneidet den südwestlichen Theil des Departements. Eintheilung in die vier Arrondissements: Draguignan, Toulon, Grasse u. Brignolles, mit 34 Cantonen; Hauptstadt: Draguignan. Das Departement gehört zur neunten Militärdivision u. zum vierten Militärobercommando (Lyon).

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 18. Altenburg 1864, S. 360.
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