Berner-Oberland-Bahnen

[250] Berner-Oberland-Bahnen (Schweiz) (24∙4 km). Schmalspurbahnen (1 m Spurweite) mit eingelegten Zahnschienenrampen. Sie verbinden Interlaken mit den Seitentälern von Lauterbrunnen und Grindelwald und bestehen aus folgenden Linien: a) Interlaken (Oststation)-Zweilütschinen, 8∙2 km lang; b) Zweilütschinen-Lauterbrunnen, 4∙1 km lang, und c) Zweilütschinen-Grindelwald, 11∙1 km lang. Betriebseröffnung erfolgte am 1. Juli 1890. Die Ausgangsstation Interlaken Oststation ist von Interlaken 1∙9 km entfernt und gemeinschaftlich mit der ehemaligen Bödelibahn jetzt Thunerseebahn. Die Höchststeigung der Reibungsbahn beträgt 25‰.

Auf der Linie Zweilütschinen-Grindelwald sind zwei Steilrampen mit Zahnschienen vorhanden. Die eine, 2∙3 km lang, überwindet die 180 m hohe Talstufe »am Stalden« mit 120 Höchststeigung; die zweite 2∙5 km lang hat annähernd 60 Steigung. Der kleinste Krümmungshalbmesser beträgt 100 m auf den Reibungsstrecken und 120 m für die Zahnstangenstrecken.

Die Schienen sind aus Stahl von 23 kg/m Gewicht, im übrigen so wie die Befestigungsmittel, entsprechend den Normen der früheren Brünigbahn. Auf eine Schienenlänge von 9∙6 m kommen 11 eichene Schwellen, jede 1∙8 m lang, 0∙13 m dick, 0∙18 m breit, mit vollkantigem Querschnitt.

Das Rollmaterial der Bahn besteht aus 11 Zahnradlokomotiven, 35 Personenwagen, 25 Gepäck- und Güterwagen. Ende 1910 waren verwendet: auf Bahnanlage und feste Einrichtungen 3,001.085 Fr., auf Rollmaterial 961.266 Fr., auf Mobiliar und Gerätschaften 126.198 Fr., zusammen 4,088,549 Fr. Im Jahre 1895 (1. Januar) wurde auch die Schynige-Platte-Bahn durch freihändigen Kauf zum Preise von 1,699.381 Fr. erworben. Diese 7∙4 km lange Zahnbahn führt von der Station Wilderswil der B. nach der 1970∙2 m ü. M. gelegenen Gipfelstation. Spurweite 0∙8 m. Eröffnung am 14. Juni 1893. Anlagekapital Ende 1910 für die Bahn und die festen Einrichtungen 1,508.601 Fr., d.i. 55% des anfänglichen Wertes, für Rollmaterial 239.846 Fr. oder 90% des anfänglichen Wertes, für Mobiliar und Gerätschaften 33.463 Fr. oder 56% des anfänglichen Wertes, im ganzen 1,781.910 Fr. Sie besitzt 6 Lokomotiven, Bauart Riggenbach, 7 Personenwagen mit zusammen 316 Sitzplätzen und 1 Güterwagen.

Die B. besorgen auch den gesamten Betrieb der Lauterbrunnen-Mürren-Bahn. Diese zerfällt in zwei Teile, nämlich in die am 14. August 1891 eröffnete 1∙26 km lange Seilbahn Lauterbrunnen-Grütschalp und in die gleichzeitig eröffnete Reibungsbahn Grütschalp-Mürren von 4∙3 km Länge. Beide mit 1 m Spur und elektrisch betrieben.

Die B. lieferten im Jahre 1910 einen Gesamtertrag von 905.847 Fr., einen Überschuß der Einnahmen über die Ausgaben von 334.713 Fr., womit auf das Aktienkapital von 3 Mill. Fr. eine Dividende von 5% ausbezahlt wurde.

Die B. samt Schynige-Platte-Bahn werden voraussichtlich Anfang 1914 elektrisiert. Als Betriebsstrom ist gepufferter Gleichstrom, 1500–1600 Volt am Kontaktdraht, in Aussicht genommen. Die Berechnung hat einen jährlichen Primärstromverbrauch von 1,000.000 KW. St. ergeben, der vom Elektrizitätswerk Lütschenthal der Jungfraubahn in Form von Dreiphasenstrom zu 7000 Volt geliefert werden soll. Für den Fahrdienst werden für die sog. Talbahnen 8 kombinierte Reibungs-Zahnradlokomotiven und für die Schynige-Platte-Bahn 4 reine Zahnradlokomotiven vorgesehen. Mit den letzteren werden 2 statt nur 1 Wagen geschoben werden können.[250]

Die B. haben Anschluß an die Bödelibahn, jetzt Thunerseebahn, und mittels dieser an die Dampfschiffkurse auf dem Thuner und Brienzer See und an die Brünigbahn.

S. Zahnbahnen und Seilbahnen.

Dietler.

Quelle:
Röll, Freiherr von: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, Band 2. Berlin, Wien 1912, S. 250-251.
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