Kater

1. Auch der Kater lebt nicht immer in der Butterwoche, sondern bisweilen in den grossen Fasten.Kiesewetter, 27.


2. Der Kater freit allezeit um die Maus, aber sie will nicht seine Braut sein.


3. Ein Kater schnurrt so wie der andere.


4. Hast 'n Kater bi'n Swanz, denn hol'n wiss (halt' ihn fest). (Oldenburg.) – Weserzeitung, 4097.

Empfiehlt, das Erworbene festzuhalten, gut zu verwalten.


5. Ist der Kater aus der Thür, so kommen die Mäuse herfür.


6. Je älter der Kater, je steifer der Schwanz.

Böhm.: Čím kocour starší, tím ocas neohebnĕjši. (Čelakovsky, 407.)

Poln.: Jim kot starszy, tym ogon twardszy. (Čelakovsky, 407.)


7. Jeder Kater schnurrt zu seiner Zeit.


8. Kann der alte Kater auch nicht mehr mausen, so liegt er doch noch gern vorm Loche.


9. Kater, die nicht viel miauen, sind die besten, sagen (wissen) die Frauen.


10. Lassen wir den Kater Heu fressen!

Ein schlesisches Sprichwort, das in den dreissiger Jahren in Bunzlau sehr häufig gehört wurde. Man gebrauchte es, um zu bezeichnen, dass man irgendeine Sache fallen lassen, sie nicht weiter untersuchen, vertheidigen, besprechen, sich überhaupt den Kopf über etwas nicht weiter zerbrechen, sich weiter keine völlig unnütze Sorge machen wolle, da der Kater ja doch kein Heu frisst.

Engl.: Tittle-tattle, give the goose more hay. (Bohn II, 60.)


11. Lat den Kater Heu trecken.Dähnert, 221a.


12. Strakt sik der Kater den Bard, so bedüdet dat Freud.Globus, VIII.


13. Wären alle Kater, Hund' und Ketzer todt, so hätten Hasen, Mäus' und Mönche kein Brot.


14. Wenn der freiende Kater die Maus nicht am Altar frisst, so frisst er sie in der Braut nacht.


15. Wenn der Kater fehlt (im Haus), gebären drei Katzen nicht eine Maus.

Die Russen versichern: Es kommt keine zum Kinde ohne gewissen Grund. Sie bezeichnen eine unerfüllbare Hoffnung mit der Redensart: Sich seine Frau ansehen und Kinder erwarten. Um den Weg anzudeuten, der zum Himmel führt, haben sie das apologische Sprichwort: Rund ist der Himmel und rund die Erde und rund sollen wir alle sein, sagte der feiste Mönch, und machte die Nonne rund. Durch ein anderes sprechen sie das nicht zu umgehende Naturgesetz aus: Es hat seinen Grund, dass der Mann nicht den Mann heirathet, sondern das Weib. Der Lette sagt spottend: [1165] Wenn der Schwachkopf nur den Gurt seines Weibes gelöst hat, harrt er bereits des Erben. Und der Neugrieche klagt: Ich sage ihm, dass ich Eunuch bin, und er fragt mich, wie viel Kinder ich habe. (Reinsberg VII, 9.) In demselben Sinne sagt ein kabylisches Sprichwort: Wer keinen Dokhar hat, bekommt keine Feigen. Dokhar heisst die kleine, saftlose Frucht des wilden Feigenbaums, die viel früher als die andern Feigen reift. In ihr nun erzeugen sich unzählige kleine geflügelte Insekten, Gallwespen, welche für die künstliche Befruchtung (Caprification) von höchster Wichtigkeit sind. (Vgl. Globus, XIII, 293.)


16. Wenn der Kater hinaus, kommt's Mäuschen heraus.Reinsberg III, 33.


17. Wenn man den Kater streichelt, so reckt er den Schwanz aus.Eiselein, 363; Simrock, 5457.


18. Zwei Kater haben in Einem Sacke nicht Platz.


*19. De soll der Kater ok noch näjen. (Deutz.)

Wenn jemand zur Unzeit etwas thun will oder zu faul ist, etwas zu thun.


*20. Den Kater im Sack kaufen.Reinsberg III, 31.


*21. Er macht den Kater in der Klemme.


*22. Er meinte einen fetten Kater zu fangen.

Einen bedeutenden Gewinn zu machen.


[1166]

23. An den Kater muss auch ein Freigeist glauben.


24. Dem alten Kater vor allen die jungen Mäuse gefallen.Schuller, 38.


25. Der jüngste Kater ist schlimmer als der älteste Drache.


26. Der Kater hat mich, ich habe nicht den Kater, sagte der Bursch.


27. Ein alter Kater leckt auch noch gern Milch.


28. Ein Kater fürchtet sich vor vielen Mäusen nicht.


29. Ein schlechter Kater, der nur vor einem Loche maust. (Eger.)

Sagt man zur Entschuldigung eines untreuen Ehemanns.


30. Ist der Kater in uns, so sind wir ausser uns.


31. Wenn sich ein Kater entwickelt, sind die Katzen unbetheiligt.

Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 5. Leipzig 1880, Sp. 1486.
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