Bodenkunde

[276] Bodenkunde oder Agronomie. Bei der Landwirthschaft versteht man unter Boden die zum Anbau der Gewächse benutzte obere Erdschicht, welche nach Art derselben in Acker- oder Gartenboden, in Wiesen-, Weide- und Holzboden eingetheilt zu werden pflegt. Die Natur der Landwirthschaft bringt es mit sich, daß dem Landwirthe daran gelegen sein muß, die Eigenschaften jedes gegebenen Bodens gründlich beurtheilen zu können, und dazu verhilft ihm die Bodenkunde. Sie lehrt die verschiedenen Bestandtheile des Bodens nach ihren Mengverhältnissen und Beziehungen zueinander, seine natürlichen Eigenschaften, d.h. sein Verhalten gegen Wasser und Wärme, seine Zähigkeit, die Tiefe der fruchtbaren Erdschicht oder Ackerkrume, den sehr zu berücksichtigenden Untergrund desselben u.s.w. kennen, und beabsichtigt überhaupt, darzuthun, wie der Boden im Ganzen und jeder von seinen. Bestandtheilen für sich auf das Wachsthum der Pflanzen wirken und wie der etwa unvortheilhaften Mischung desselben abzuhelfen sei. Die Bestandtheile des Bodens sind zunächst unveränderliche, zu welchen Kiesel-, Thon-, Kalk-, Bittererde, Eisenoxyd u.s.w. gehören, welche jedoch nicht im reinen Zustande, sondern nur in mannichfachen Verbindungen als Thon, Sand, kohlensaurer Kalk, kohlensaure Bittererde u.s.w. vorkommen, und [276] veränderliche, d.h. solche, deren Menge durch Pflanzenwachsthum und die auflösende Kraft des Wassers sich ändert. Letztere bestehen in den Überresten verwester Stoffe des Thier- und Pflanzenreichs und bilden die sogenannte Dammerde oder den Humus, dem zuweilen in geringer Menge einige Salze beigemischt sind. Diese veränderlichen Theile sind es, die nebst dem Wasser alle Nahrung enthalten, welche die Pflanzen aus dem Boden ziehen, und es kommt also wesentlich darauf an, ihre Menge je nach den Umständen zu vermehren, den Abgang derselben zu ersetzen, ihre Mischung zu verbessern, was sowol durch organische als mineralische Düngmittel (s.d.) und durch Bewässerung (s.d.) geschieht, oder wenn der sie umhüllende Boden ihrer Wirksamkeit z.B. durch zu viel Thon hinderlich ist, denselben durch Beimischung eines angemessenen Theiles Sand aufzulockern u.s.w. Anleitung zur Beurtheilung der chemischen Bestandtheile des Bodens gibt unter Anderm Hermbstädt in seinen »Grundsätzen der theoretischen und experimentellen Cameralchemie« (3. Aufl., Berl. 1833).

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1837., S. 276-277.
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