Püsterich (Mythologie)

[312] Püsterich (Mythologie). In den Trümmern des Schlosses Rothenburg unweit des Kyffhäusers in Thüringen wurde ein beschädigtes Erzbild gefunden, von der Gestalt eines nackten Knaben, mit einigen Oeffnungen versehen, und geeignet, durch diese Feuer und Dampf mit pusterndem Geräusch auszustoßen, wenn das Bild mit brennbaren Stoffen gefüllt war und auf glühende Kohlen gesetzt wurde. Ein Experiment, durch welches einmal beinahe das sondershäuser Schloß, wo man den P. aufbewahrt, in Brand gesteckt worden wäre. Dieses eigenthümliche Bild nun ist für einen thüringischen Götzen, einen Feuer-, Donner- und Zorngott, und was sonst alles die Hypothesensucht der Archäologen aus ihm machen wollen, erklärt und gehalten worden. Man hat ausführlich die Procedur erzählt, welche die Heidenpriester mit diesem Bilde vorgenommen hätten, um das Volk zu schrecken und zu Opfergaben zu bewegen, allein alles ohne den mindesten geschichtlichen Beweis. Der P. bleibt ein höchst interessantes Raritätenstück der Vorzeit; allein seine Evidenz als Gott oder Götze ist sehr bedenklich.

–ch–

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 8. [o.O.] 1837, S. 312.
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