Zeus, römisch Jupiter

[485] Zeus, römisch Jupiter, der Gott der Götter, ein Sohn der Rhea und des Kronos, und der jüngste seiner Geschwister. Während der grausame Vater diese Alle verschlungen hatte, wurde er nur durch Rhea's List gerettet. In einer Felshöhle des Ida nährte ihn Amalthea mit der Milch einer unsterblichen Ziege, und bald erkräftigt gelang es dem Göttersohne, den Vater zu überwältigen, und dessen Geschlecht, die Titanen, zu bekämpfen. Zugleich wurde Kronos gezwungen, mehrere seiner verschlungenen Kinder wieder von sich zu geben, und mit seinen Brüdern Poseidon und Pluto theilte Z. die neuerrungene Weltherrschaft, so daß einer die Unterwelt, der andere die Gewässer, er aber Oberwelt und Himmel erhielt. Grausame Kämpfe hatte Z. und das neue Göttergeschlecht mit den Giganten zu bestehen, aus denen er jedoch endlich als Sieger hervorging. Liebend und zürnend wandte der Vater der Götter und Menschen sich der Erde nun zu, strafte die Götterverächter und die Kühnen, welche es wagten, in jener Macht einzugreifen wie Prometheus es that und Asklepios, Lykaon und seine Söhne Salmonens und die Kureten. Ost auch stieg Z. zur Erde nieder,[485] belohnte die Guten und liebte die Schönen. Seine erste Gemahlin war Methis, von der ein Orakelspruch verkündete, es werde ihr Kind ihn aus dem Himmel treiben, worauf er sie verschlang sammt dem Kinde, und aus seinem Haupte die Minerva hervortreten ließ. Auch Themis war Z's Gattin, und gebar ihm die Horen und Parzen. Juno, Z's Schwester, war ihm ebenfalls vermählt, die stolze, zornige, eifersüchtige Herrscherin im Olymp, die ihn zum Vater des Mars, des Vulkan, der Hebe und Ilythyia machte. Neben diesen Gemahlinnen hatte der Allliebende noch unter Sterblichen und Unsterblichen vertraute Freundinnen, die oft Juno's Eifersuchtsflammen erregten, und ihre Gottliebe mit dem Leben büßten. Dione ward durch Zeus Mutter der Venus, Mnemosyne der Musen, Ceres der Persephone, Eurynome der Grazien, Latona des Phöbus und der Artemis. Semele gebar ihm den Dionysos, Maja den Merkur etc. Zahllos fast sind die Mythen von Zeus Verwandlungen, und höchst unterhaltend. Er liebte es, sinnlich-thierischen Trieb in Thiergestalt zu befriedigen, und die Mythe weiß von ihm als Stier mit Europa, als Schwan mit Leda, als Wolke mit Io, als Bockmensch (Satyr) mit Antilope, als Schlange mit Proserpina, seiner Tochter, etc. artige Metamorphosen zu erzählen, der Verwandlungen in Feuer; goldenen Regen u. dergl. nicht zu gedenken. Eine besondere Zärtlichkeit auch ließ ihn in Adlergestalt den schönen Knaben Ganymed zum Olymp tragen. So umkleidet die Mythe mit menschlichen Leidenschaften, Begierden und Fehlern den erhabensten der Götter, den Ordner der Welt, den Regierer und Lenker aller Ereignisse, während die Kunst dahin strebte, ihn erhaben und würdig darzustellen; als Musterbild eines körperlich makellosen gereiften Mannes erscheint Z. auf unzähligen Werken der Plastik, in der Hand den Donnerkeil, sein Attribut, neben sich den Adler, seinen Lieblingsvogel und Boten. Eine große Menge von Namen waren ihm zugelegt, seine erhabenen allwaltenden Eigenschaften auszudrücken, und seine Verehrung war, als höchstes Wesen, allgemein. Dennoch war auch Z. dem Verhängniß unterworfen, und über dieses erstreckte sich seine ausgedehnte Macht nicht. – ch –

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 10. [o.O.] 1838, S. 485-486.
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