Fliegender Holländer [1]

[694] Fliegender Holländer, nach einer weitverbreiteten, anscheinend nicht über das 17. Jahrh. zurückreichenden Schiffersage, die jedoch vielleicht in Vorstellungen der altnordischen und-germanischen Götter- und Heldensage wurzelt, ein holländischer Kapitän van Straaten, der zur Strafe für sein gottloses Leben verdammt ist, ruhelos (als »Ahasver des Meeres«) auf dem Meere herumzusegeln, ohne je einen Hafen zu erreichen. Ursprünglich war die Sage auf die Gegend um das Kap der Guten Hoffnung (»Kap der Stürme«) lokalisiert. Später wurde sie auch auf englische und deutsche Meere und endlich auf alle Meere übertragen. In der deutschen Fassung der Sage heißt der fliegende Holländer Herr von Falkenberg, der bis zum Tage des Jüngsten Gerichts verurteilt ist, auf dem Ozean umherzufahren, in der englischen Fassung van der Decken. Das Erscheinen des sich völlig geräuschlos bewegenden Gespensterschiffes bedeutet nach dem Glauben der Seeleute für jedes ihm begegnende Schiff dessen sichern Untergang. Die Sage wurde in Romanen von Kapitän MarryatThe flying Dutchman«) und A. E. Brachvogel (»Der fliegende Holländer«) behandelt. Sie erhielt von H. Heine in der Schrift »Aus den Memoiren des Herrn von Schnabelewopski« eine neue, überaus poetische Schlußwendung, wonach der fliegende Holländer durch das Opfer eines liebenden Weibes erlöst wird. Unter engster Anlehnung an Heines Erfindung schrieb R. Wagner seine berühmte Oper. Vgl. Fletcher-Basset, Legends and superstitions of the sea and the sailors (Chicago 1885); Sébillot, Légendes, croyances et superstitions de la mer (Par. 1887); W. Irving, Chronicles of Wolferts Roost (Lond. 1855); H. Smidt, Seemannssagen und Schiffermärchen (Berl. 1849).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 6. Leipzig 1906, S. 694.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien: