Rheinhessische Weine

[866] Rheinhessische Weine, die in der hess. Provinz Rheinhessen auf ca. 14,000 Hektar gezogenen Weine (jährlich etwa 450,000 hl), meist Weißweine. Man baut Österreicher (Sylvaner) und Riesling, gemischter Rebsatz ist vorherrschend, während die besten Lagen fast ausschließlich Riesling tragen. Rheinhessen liefert sehr gesuchte Konsum- und Mittelweine, die in der Hauptsache nach Norddeutschland, England und Amerika gehen, aber auch edelste Hochgewächse, köstliche Beerenauslesen von seiner Rasse und wunderbarem Bukett. Die hervorragendsten Weine liefern Oppenheim, Nierstein, Nackenheim, Bodenheim, Laubenheim und Bingen mit dem Rochus- und Scharlachberg. Ein Wein ersten Ranges ist die Liebfrauenmilch, der bei Worms auf den Ruinen eines Klosters und in dem daranstoßenden Kapuzinergarten, auf einem Terrain von nur 3,5 Hektar wächst, ein Wein voll seiner Würze, Blume, Lieblichkeit und Wohlgeschmack, dem es jedoch an Mark fehlt. Andre Wormser Gewächse müssen die Liebfrauenmilch im Handel vertreten. Rotweine werden aus den vorzüglichen Spät- und Frühburgundertrauben gewonnen. Hervorragende Weinorte sind Ingelheim, Büdesheim und Gundersheim. Der Oberingelheimer ist der zweitbeste Rotwein in Deutschland, mild, feurig, den Mund füllend und würzhaft-süß. Viel davon wird zu rotem Champagner verarbeitet.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 16. Leipzig 1908, S. 866.
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