Zitronensäure

[963] Zitronensäure (Oxytrikarballylsäure) C6H8O7 oder COOH.CH2.C(OH).COOH.CH2. COOH findet sich teils frei, teils an Basen gebunden, meist begleitet von Äpfelsäure, Weinsäure etc., in Johannisbeeren, Preißelbeeren, Stachelbeeren, Erdbeeren, Tamarinden, Runkelrüben, Kartoffeln, Zwiebeln, in der Krappwurzel, am reichlichsten in Zitronen, vielfach auch in andern Pflanzenteilen. Man gewinnt sie aus Zitronensaft, der 6–7 Proz. Z. enthält. Synthetisch erhält man Z. aus Dichloraceton und aus Acetondikarbonsäure. In Zuckerlösungen entsteht Z. unter dem Einfluß von Schimmelpilzen (Citromycetes pfefferianus und C. glaber). Z. bildet farb- und geruchlose Kristalle mit 1 Molekül Kristallwasser, schmeckt stark und angenehm sauer, zerfließt in feuchter Luft, löst sich in 4 Teilen Wasser von 20°, auch in Alkohol, kaum in Äther, schmilzt bei 100°, wird bei 130° wasserfrei, schmilzt dann wieder bei 153° und gibt bei 175° Akonitsäure, dann Itacon- und Citraconsäureanhydrid. Ihre Lösung wird durch Kalkmilch in der Kälte nicht gefällt, beim Kochen scheidet sich das Tricalciumsalz aus. Die wässerige Lösung schimmelt leicht unter Bildung von Essigsäure. Z. ist dreibasisch und bildet mit Basen Salze (Zitrate), von denen die der Alkalien in Wasser löslich, die übrigen mehr oder weniger schwer löslich sind. Die Lösung von Eisenhydroxyd in Z. gibt beim Verdampfen zitronensaures Eisenoxyd als amorphe, rotbraune, in Wasser lösliche Masse von mildem Eisengeschmack, die wie das zitronensaure Eisenoxydammoniak und das zitronensaure Eisenchinin arzneilich benutzt werden. Zitronensäure Magnesia, durch Neutralisation von Z. mit kohlensaurer Magnesia und Verdampfen oder Fällen mit Alkohol erhalten, ist geschmacklos und dient als gelindes Abführmittel (vgl. Brausepulver). Zitronensaures Silber (Itrol) ist schwerlöslich, wird als Wundstreupulver, als Desinfektionsmittel, bei Gonorrhöe, weichem Schanker, Augenentzündung der Neugebornen etc. benutzt. In der Kattundruckerei benutzt man Z., um die Farben zu erhöhen, und als Reservage. Sie dient in Form von Limonaden als kühlendes, erfrischendes Mittel, als Vorbeugungsmittel gegen Skorbut, in Italien gegen Malaria, als einzustäubendes Pulver bei Ozäna. Übermäßiger Gebrauch von Z. erregt Verdauungsstörungen, Schwäche, Anämie. Äußerlich benutzt man Z. gegen Krebsgeschwüre, Diphtheritis, Skorbut, Sommersprossen. In der Küche kann Z. den Zitronensaft zur Bereitung saurer Speisen oder Getränke vollständig ersetzen, namentlich wenn man mit gutem Zitronenöl ein Minimum von Aroma hinzufügt.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 20. Leipzig 1909, S. 963.
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