Scala [3]

[32] Scala (della S., lat. Scaligeri), altes oberitalienisches Dynastengeschlecht, welches bereits 1035 vorkommt u. 1260–1387 in Verona herrschte; berühmt sind aus demselben: 1) Mastino I., wurde 1259 Podesta von Verona, machte diese Stadt zum Asyl für die Ghibellinen gegen die damals herrschenden Guelfen, unterdrückte 1262 als Capitano einen Volksaufstand gegen sich mit blutiger Gewalt u. wurde 1277 in seinem Palaste ermordet. 2) Alberto I., Bruder des Vorigen, war erst Podesta von Mantua, behauptete nach seines Bruders Tode die Signoria von Verona mit Glück u.st. 1201. Sein Nachfolger war sein Sohn 3) Bartolommeo, welcher sich nur mit Mühe als Podesta behauptete u. 1304 starb. 4) Alboin I., Bruder des Vor., folgte diesem u. erhielt 1310 vom Kaiser Heinrich VII. die Belehnung mit Verona u.a. Städten u. den Titel eines kaiserlichen Vicarius in Verona u. starb in demselben Jahre. 5) Cane I. Grande, geb. 1292, eroberte u. unterwarf sich 1311 Vicenza, schlug 1312 die Paduaner, belagerte 1315 Cremona u. nahm Casal maggiore, wurde 1318 Generalcapitän der ghibellinischen Liga, 1320 vom Papst excommunicirt, unterwarf sich 1328 Padua u.st. 1329 in Treviso vier Tage nachdem er diese Stadt erobert hatte. An seinem Hofe lebte Dante eine Zeitlang. Da er keinen legitimen Sohn hinterließ, so folgten ihm seine beiden Neffen, 6) Mastino II. (st. 1351) u. 7) Alberto II., gemeinschaftlich, u. auf diese folgten Cane II. Grande (Sohn Mastino's II.), Paolo Alboino, Cane Signorio u. Bartolommeo II., deren Geschichte nur ein Gewebe tyrannischer Intriguen bildet, bis Antonio (regierte seit 1381) 1387 durch das Mailändische Geschlecht Visconti aus Verona verdrängt wurde. Nachdem dieses letztere Haus 1408 Verona an Venedig abgetreten hatte, erbaten die zwei noch lebenden Söhne Antonio's vergeblich vom Senate die Rückgabe Veronas, wurden dann geächtet u. starben in der Verbannung. Der letzte Sprosse der Familie st. 1598 in baierischen Diensten zu Neufrankenhof in Baiern. In weiblicher Linie stammen die Familien Dietrichstein u. Lamberg von S. ab. Einige Bastarde dieses Namens kommen noch in den Parteikriegen jener Zeit vor; die Familie des Echelles in Frankreich führt ihren Ursprung auf die della S. zurück; auch der Philolog J. C. Scaliger prätendirte fälschlicherweise eine Abstammung von dieser Familie, Vgl. Litta, Scaligeri di Verona (in dem Famiglie ital.) u. Leßmann, Mastino II. delle S., Berl. 1829.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 15. Altenburg 1862, S. 32.
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