Streu [1]

[923] Streu, 1) die Vegetabilien od. Mineralien, welche in den Viehställen dem Vieh untergestreut werden, um ihm ein weiches u. trockenes Lager zu bereiten, um die flüssigen u. festen Excremente desselben aufzufangen u. letztere zur bessern Gährung, Ladung u. Vertheilung auf dem Felde zu mengen. Die Beschaffenheit der S. ist von großem Einfluß auf die Güte des Mistes. Ihre Menge hängt ab theils von der Menge u. Beschaffenheit des Futters, theils von Beschaffenheit der Ställe, theils von der Benutzung des Harns, theils von der Zeit des Ausmistens. Je stärker gefüttert wird, je saftiger das Futter ist, je weniger der Harn abzulaufen vermag, je seltener ausgemistet wird, desto stärker muß eingestreut werden. Man verwendet dazu: a) Stroh, das beste aller S., da es die Flüssigkeiten begierig in seine hohlen Halme einsaugt u. lange behält; b) Farrnkräuter, wegen ihres reichlichen Kaligehaltes sehr geschätzt; c) Blätter der Obst- u. Laubholzbäume, wenn sie im Herbst abgefallen, sind zwar schwer zersetzbar, geben aber einen nachhaltigen, bes. für leichten Boden passenden Dünger; d) Kartoffelkraut, wenn es anfängt gelb zu werden, abgeschnitten u. getrocknet; e) Schilf; f) Sägespäne, von geringem Werth; g) Plaggen, s.d.; h) Waldstreu (Holzmist), dazu gehören: die abgefallenen Nadeln des Schwarzholzes, die Schneidel, junge Zweige u. Äste der Nadelholzbäume, Moos, Haidekraut. Alle sind gute S., doch dürfen sie dem Wald nur in einer solchen Quantität entnommen werden (Streurechen), als es diesem dienlich ist, sie müssen trocken eingebracht u. an einem trockenen u. lustigen Ort aufbewahrt werden; i) Mineralien, als Erde, Sand, Torf, Moder, Mergel müssen in der Nähe u. leicht zu gewinnen u. die Ställe so eingerichtet sein, daß die S. ohne Unbequemlichkeit längere[923] Zeit unter den Thieren bleiben kann; auch muß der Mist unmittelbar aus den Ställen auf die Felder gefahren werden. Durch die Mineralstreu wird nicht nur viel Stroh erspart, sondern auch das Ammoniak der thierischen Excremente besser fixirt. Für 1 Stück Rindvieh rechnet man täglich 6, für 1 Schwein 5, für 1 Schaf 2 u. für 1 Pferd 4 Pfd. S. 2) Ein von solchen Materien bereitetes Lager; 3) der Boden im Pferdestalle, auf den sich das Pferd legt; 4) bes. auch für Menschen ein Lager von Stroh, höchstens mit einem Betttuch u. Kopfkissen.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 16. Altenburg 1863, S. 923-924.
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