Bausteine

[629] Bausteine werden geschieden in natürliche und künstliche; beide dienen im Mörtelverbande zur Herstellung von Mauern.

Natürliche Bausteine sind hauptsächlich Sandsteine, Kalksteine (mit Einschluß der kristallinischen Kalke), vulkanische Gesteine (Granite, Syenite, Basalte u.s.w.), kristallinische und Ton-Schiefer-Konglomerate u. dergl. Die Bausteine kommen entweder in den nach außen sichtbaren. Flächen des Mauerwerks zur Verwendung, wobei bestimmte Ansprüche in bezug auf Wetterbeständigkeit, Größe, Struktur, Farbe und Korn gestellt werden, oder sie werden in das Innere der Mauer versetzt, in welchem Falle dann hauptsächlich ihre Lagerhaftigkeit und leichte Bearbeitung in Betracht zu ziehen sind. Die Sandsteine werden unter den natürlichen Bausteinen am häufigsten verwendet und zeigen in den Brüchen stets geschichtete Struktur; sie sind daselbst in Bänke mittels deutlicher Fugen getrennt, durch die auch erkenntlich wird, in welcher Größe man die Schichtenhöhe einer aus solchen Steinen gefertigten Mauer halten kann. Man trifft saß bei allen Sandsteinarten in einzelnen Brüchen Blöcke von 1–2 m Schichtenhöhe und bis zu 10 m Länge. Die Größe des Korns ist sehr verschieden, ebenso die Härte des Gesteins, je nach dem kieseligen, kalkigen oder tonigen Bindemittel. Harte, kieselige Sandsteine gestatten keine seine Bearbeitung; bei der Sprödigkeit des Materiales sind nur derbe Glieder und Vorsprünge von Bestand. weichere Sandsteine mit kalkigem oder tonigem Bindemittel dagegen kann man zu allen, auch den feinst profilierten Gliedern einer Fassade verwenden, wofür die verschiedenen Kathedralen in Deutschland, Oesterreich, Frankreich, Belgien u.s.w. Beispiele geben. Je kleiner und je weniger rundlich die Körner eines Sandsteines sind, desto seiner läßt er sich bearbeiten, desto geringer ist die an der bearbeiteten Fläche zurückbleibende Rauhigkeit und umgekehrt. Auf diese Weise kommt jeder Verschiedenheit im Korne der Sandsteine eine besondere Behandlungsart für die in die Sichtflächen bestimmten Werkstücke zu: der zarte, weiche Sandstein eignet sich zum Scharrieren und Schleifen, der gröbere Buntsandstein zum Stocken, die ganz grobkörnige Grauwacke zum Rauhspitzen und Bossieren. Sandsteine mit tonigem Bindemittel haben die Eigenschaft der Spaltbarkeit, parallel zu den offenen Lagerebenen im Bruch; diese, für Gewinnung von Platten und lagerhaften Bruchsteinen so vortreffliche Struktur hat aber auch ihre Kehrseite, weil die Zwischenlager leicht durch den Frost aufgehen. In bezug auf Farbe gibt es eine reiche Auswahl: rot, gelb, weiß, grünlich bis blau (Molasse) in allen Nuancen. Die gewöhnlichen Kalksteine treten ebenfalls größtenteils als lagerhafte Gesteine auf, jedoch mit außerordentlich verschiedenem Maße der Schichtendicke. Stiche, Kreuz- und Querrisse, manchmal durch Kalkspat und Kalksinter wieder verwachsen, sind häufig. Als Bausteine sind sie deshalb im allgemeinen weniger gesucht. Man gewinnt kolossale Blöcke von Kalkstein, bis zu Hausgröße; sehr viele Formationen haben anderseits Bruchschichten von sehr geringer Höhe, bis zu Schiefern herab. Kalksteine mit kristallinisch körniger Textur (karrarischer Marmor u.s.w.) gestatten beliebige Feinheit in der Bearbeitung, auch Schleifen und Polieren, und sind sehr haltbar; solche mit dichter Struktur eignen sich für seine Bearbeitung weniger. Der Stein zeigt sich unter dem Meisel spröde und splitterig; auch unterliegt er mehr oder weniger rasch der Verwitterung. Gewisse Sorten von Kreide, Korallenkalken, Tuffen, Grobkalken u.s.w. sind für alle Profile, bei denen Genauigkeit der Form gewünscht wird, nicht zu gebrauchen. Die Kalksteine zeigen unter allen Bausteinen den größten Farbenreichtum, besonders die Marmorarten; für den inneren Ausbau der Häuser werden deshalb die letzteren überaus häufig verwendet. – Die vulkanischen Gesteine (Basalte, Granite, Syenite, Porphyre u.s.w.) mit ihrer größtenteils massigen Struktur kommen ebenfalls in großen Blöcken vor. Die Bearbeitung der Steine mit dichter Textur verursacht zwar große Schwierigkeiten und Kosten, ist aber bis zu den feinsten Profilierungen durchführbar; weniger eignen sich für letztere die blasigen Basalte und Laven. Zu Mauersteinen werden vielfach die plattigen Porphyre und Basalte verwendet; auch die großen Blöcke von Granit u.s.w. sind bei dicken Mauern (z.B. Talsperren u.s.w.) im sogenannten Cyklopenverband gut brauchbar, nicht dagegen bei Stockwerksmauern. Die Dauerhaftigkeit dieser Steine ist meist sehr groß; auch ist ein großer Farbenreichtum vorhanden. – Die kristallinischen Schiefer eignen sich zu Werksteinen in Sichtflächen meistens nicht, sind jedoch in der Regel gute Mauersteine. Tonschiefer sind die am wenigsten zu Mauerwerk geeigneten Steine, während es unter den Konglomeraten sehr brauchbare, teilweise (in Tirol u.a.a.O.) in den Fassaden verwendete Bausteine gibt. Zu erwähnen sind noch die Findlinge (Feldsteine, Rollsteine, Lesesteine): dadurch, daß sie seit Jahrhunderten den Einflüssen der Witterung widerstanden haben, empfehlen sie sich zur Verwendung in Außenflächen, sind aber meist sehr hart und deshalb in der Bearbeitung kostspielig. Vgl. a. die Artikel aus der Mineralogie und Geologie, ferner Werksteinbearbeitung.

Künstliche Bausteine sind vor allem die Backsteine (s.d.), sodann die Betonklötze, Zementsteine, Schamottesteine, Schlackenziegel u.s.w. Sie werden in bestimmten Formen[629] gemodelt und ist Herstellungsweise u.s.w. unter Kunststeine nachzusehen. – Ueber die Prüfung der Bausteine auf Festigkeit, Frost- und Wetterbeständigkeit u.s.w. s. Steinprüfung, woselbst auch Literaturangabe.

Lueger.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 1 Stuttgart, Leipzig 1904., S. 629-630.
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