Chemnitz [3]

[922] Chemnitz, 1) Martin, der bedeutendste lutherische Theolog aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrh., geb. 9. Nov. 1522 zu Treuenbrietzen in der Mittelmark, gest. 8. April 1586 in Braunschweig, studierte Mathematik, seit 1549 in Königsberg Theologie, siedelte, da er wegen Parteinahme für Osiander (s.d.) Königsberg hatte verlassen müssen, 1553 nach Wittenberg über und wurde 1554 Pfarrer und 1567 Superintendent in Braunschweig. Sein theologischer Ruhm gründet sich auf sein Hauptwerk: »Examen concilii Tridentini« (1565–73, 4 Bde.; neu hrsg. von C. Preuß, Berl. 1862; deutsch von Bendixen u. Luthardt, Leipz. 1884). Einflußreich war seine Tätigkeit bei der Feststellung des lutherischen Lehrbegriffs in der Konkordienformel. Vgl. Lentz, Dr. Martin C. (Gotha 1866); Hachfeld, Martit: C. nach seinem Leben und Wirken (Leipz. 1867).

2) Philipp Bogislaw von, Geschichtschreiber, Enkel des vorigen, geb. 9. Mai 1605 in Stettin, gest. im Februar 1678 auf seinem Gut Hallstad in Schweden, trat 1627, nachdem er die Rechte studiert, in holländische, dann in schwedische Kriegsdienste, ward von Königin Christine 1644 zum deutschen Reichshistoriographen ernannt, 1648 geadelt und 1675 Hofrat. In der »Dissertatio de ratione status in im perio nostro romano-germanico« (Freist. 1640, 2. Aufl. 1647) bekämpft er unter dem Pseudonym Hippolytus a Lapide die kaiserliche Macht des Hauses Habsburg und versicht die Selbständigkeit der Territorien. Sein Geschichtswerk »Der königlich schwedische in Deutschland geführte Krieg« (neu hrsg. Stockh. 1855–59,6 Bde.) ist eine wichtige Quelle zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges bis 1636; dazu kommt eine erst nach seinem Tode veröffentlichte Darstellung der Feldzüge Torstenssons 1641–46. Vgl. Gallati, Der königlich schwedische, in Deutschland geführte Krieg des Bogislaw Philipp von C. und seine Quellen (Frauens. 1902).

3) Johann Hieronymus, Theolog und Naturforscher, geb. 10. Okt. 1730 in Magdeburg, gest. 18. Okt. 1800 als Prediger in Kopenhagen, schrieb die Fortsetzung von Martinis »Konchylienkabinett« (Nürnb. 1769–95, 11 Bde.).

4) Matthäus Friedrich, der Dichter des Liedes »Schleswig-Holstein meerumschlungen«, geb. 10. Juni 1815 in Barmstedt, gest. 14. April 1870 in Altona, war Advokat in Schleswig und führte später eine Zeitlang die Redaktion der »Hamburger Nachrichten«. Das oben genannte, in den Jahren 1848–49 und wieder 1863–64 in ganz Deutschland gesungene Lied wurde 1844 in den »Itzehoer Nachrichten« veröffentlicht, von dem Organisten C. G. Bellmann komponiert und auf dem Sängerfest zu Schleswig 24. Juli 1844 zum erstenmal vorgetragen.[922]

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1906, S. 1.
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