Ferienkurse

[430] Ferienkurse (Cours de vacances, Summer-meetings), besonders an Hochschulen oder unter Mitwirkung akademischer Lehrer, sind in den letzten Jahrzehnten ein beliebtes Mittel geworden zur wissenschaftlichen Fortbildung und Anregung, zur gemeinnützigen Verwertung von Sammlungen, Ausbreitung neuer Methoden etc. Einzelne derartige Veranstaltungen in und außer den akademischen Ferien, z. B. für Mediziner, fanden an deutschen Universitäten schon früher statt; in Schwang kam aber die Bewegung besonders durch die von England und Nordamerika ausgehende University-Extension. Zuerst in Oxford (1888), bald auch in Cambridge richtete man sogen. Summer-meetings ein, deren reichhaltiges Programm alljährlich im voraus durch das University-Extension-Journal veröffentlicht wird. Die Teilnahme, auch vom Auslande, stieg rasch bis auf 1000 (Oxford 1900). Auf dem Festlande beschränkt man die F. meist auf einzelne Wissenschaften oder beruflich zusammengehörige Studiengebiete. Von derartigen ausländischen Kursen sind in Deutschland besonders bekannt und beliebt geworden die Cours de vacances de français moderne der Universität Genf (seit 1892), die der Alliance française pour la propagation de la langue française dans les colonies et à l'étranger zu Paris (seit 1894), die F. zu Grenoble etc. An deutschen und deutsch-österreichischen Universitäten breitet sich das Institut der F. von Jahr zu Jahr mehr aus. Besonders zahlreich besucht pflegen die für Lehrer und Lehrerinnen bestimmten (Jena, Greifswald, Marburg etc.)[430] zu sein. Nach Dauer (1–4 Wochen) und ganzem Zuschnitt sind die F. sehr verschieden, je nach ihrem besondern Zweck; und gerade in der Dehnbarkeit und Mannigfaltigkeit darf man einen besondern Vorzug dieses modernen Bildungsmittels sehen.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 6. Leipzig 1906, S. 430-431.
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