Katechū

[743] Katechū, gerbstoffhaltige Extrakte von verschiedener Abstammung. Pegukatechu (Bombaykatechu, bengalisches K., Catechu nigrum, Cutch, Japanische Erde, Terra japonica, Kachu, Cachou), das wässerige Extrakt aus dem dunkelroten Kernholz von Acacia Catechu, wird in Hinterindien, besonders in Pegu, aber auch an der Küste von Koromandel, in Bengalen und auf Ceylon dargestellt und aus Rangun ausgeführt. Es bildet eine dunkel braune, etwas blasige, spröde, im Innern großer Blöcke oft weiche, nur in dünnen Splittern durchscheinende Masse, beklebt und durchsetzt mit Blättern und Spänen, und schmeckt bitter zusammenziehend, hinterher süßlich. In kaltem Wasser zerfällt es langsam zu einem weißlichen Haufwerk mikroskopischer Nadeln von Katechin, in dem auch Kristalle von oxalsaurem Kalk auftreten, durchtränkt von einer dunkelbraunen Lösung, die Katechugerbsäure und wenig Quercetin enthält. Mit 2 Teilen kochendem Wasser erfolgt vollständige Lösung, die sich aber beim Erkalten sehr stark trübt. Alkohol löst den größten Teil des K. Man benutzt K. in der Färberei, zum Gerben schweren Leders, auch werden damit Geflechte (Fischernetze) und Gewebe behandelt, die beim Gebrauch der Nässe ausgesetzt sind (Kofferbezüge, Zeltstoffe). Auch gegen Kesselstein ist es empfohlen worden. K. wurde 1514 von Barbosa als Handelsartikel erwähnt; eine Beschreibung der Stammpflanze und der Darstellung des K. gab 1586 Sassetti, und bald darauf gelangte K. auch nach Europa. Um die Mitte des 17. Jahrh. erscheint es als sehr teure Droge in deutschen Apothekertaxen. Clayer schilderte 1680 den ungeheuern Verbrauch von Pegukatechu zum Betelkauen in Ostasien. Im 19. Jahrh. kam K. in größerer Menge nach Europa und wurde nun auch im Zeugdruck und gegen Kesselstein benutzt. Das Gambir (Gutta Gambir, Catechu pallidum, Katagamba, Cunao, Terra japonica), das Extrakt aus den jungen Trieben von Nauclea Gambir, einer Rubiazee, die besonders auf Malakka, Singapur, Rhio und am meisten auf Biniang kultiviert wird, bildet würfelförmige, 3 cm große, poröse, leicht zerreibliche, äußerlich matt rotbraune, innen gelbliche erdige Stücke und besteht bis auf 14 oder 15 Proz. Unreinigkeiten fast ganz aus Katechin mit etwas Katechugerbsäure. Es ist fast geruchlos, schmeckt zusammenziehend bitterlich, hintennach süßlich. Gambir wurde in Europa gegen Ende des 18. Jahrh. bekannt, seit den 30er Jahren des 19. Jahrh. aber hat es ungemein an Bedeutung gewonnen und wird jetzt in sehr großen Mengen über Singapur nach Europa gebracht und wie K. benutzt. Eine dritte Sorte, das Palmenkatechu (Kassu, Coury, Khadirasara), wird aus den Samen der Katechupalme (Areca Catechu) gewonnen, kommt aber nicht in den europäischen Handel. Neukatechu ist ein europäisches gerbsäurehaltiges Extrakt aus Nadelhölzern.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 10. Leipzig 1907, S. 743.
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