Propädeutik

[382] Propädeutik (griech.), Vorbelehrung oder Vorübung, Inbegriff derjenigen Kenntnisse und geistigen Fertigkeiten, die das tiefere Eindringen in eine Wissenschaft oder Kunst voraussetzt. Besonders (philosophische P.) vorbereitender philosophischer Unterricht (Logik und Psychologie) in den ersten Universitätssemestern oder in der Oberklasse höherer Lehranstalten. Gegenwärtig gilt an höhern Schulen (Mittelschulen) die philosophische P. in Deutschland kaum noch als besonderer obligatorischer Lehrgegenstand. Das hierfür Erforderliche pflegt bei der klassischen Lektüre (Platon, Cicero) und im deutschen Unterricht (Lessing, Schiller etc.) gegeben zu werden. Doch bleibt es zweifellos dringend wünschenswert, daß der Student auf die Universität und noch mehr der unmittelbar ins praktische Berufsleben übertretende Jüngling von der Schule die Fähigkeit mitbringe, auch philosophischen Gedankenreihen mit leidlichem Verständnis zu folgen. Die Frage der Wiederherstellung der philosophischen P. im Lehrplan der höhern Schulen ist daher in den letzten Jahren mit Recht vielfach erörtert und eine ganze Reihe von Hilfsbüchern für den Unterricht erschienen. An dieser Literatur ist besonders auch Österreich beteiligt, wo der propädeutische Unterricht noch in alter Weise besteht. Vgl. Trendelenburg, Elementa Logices Aristoteleae (9. Aufl., Berl. 1892) und Erläuterungen zu den Elementen der Aristotelischen Logik (3. Aufl., das. 1876); Dittes, Praktische Logik und Psychologie (6. Aufl., Leipz. 1901); Paulsen, Einleitung in die Philosophie (16. Aufl., Berl. 1906); Külpe, Einleitung in die Philosophie (3. Aufl., Leipz. 1903); Jerusalem, Einleitung in die Philosophie (3. Aufl., Wien 1906); Höfler, Grundlehren der Logik und Psychologie (Leipz. 1903); R. Lehmann, Wege und Ziele der philosophischen P. und Lehrbuch der philosophischen P. (beides Berl. 1905); Wendt, Didaktik und Methodik des deutschen Unterrichts und der philosophischen P. (Münch. 1905); Rausch, Philosophische P. (im »Handbuch für Lehrer höherer Schulen«, Leipz. 1905); Dessoir und Menzer, Philosophisches Lesebuch (2. Aufl., Berl. 1905); Rabier, Leçons de philosophie (Bd. 1: Psychologie, 7. Aufl., Par. 1903; Bd. 2: Logique, 5. Aufl., 1903); Ziegler, Die Philosophie in der Schule (in den Verhandlungen der 43. Versammlung deutscher Philologen etc., Leipz. 1896).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 16. Leipzig 1908, S. 382.
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