Boucher

[136] Boucher (spr. Buscheh), 1) Jean, geb. um 1551 in Paris, war Rector der Universität u. Pfarrer zu St. Benoit daselbst. Als Anhänger der Ligue, welche die erste Versammlung in seiner Kammer, im Collegio zu Fortet, 1585 hielt, schrieb er u.a.: De justa Henrici III. abdicatione e Francorum regno, Par. 1589, u. soll an Heinrichs III. Ermordung durch Clement Antheil gehabt haben. Auch gegen Heinrich IV. gab er 9 Predigten heraus, die durch den Scharfrichter verbrannt wurden. Vor der Strafe floh er nach Flandern, fuhr da zu schmähen fort u. st. 1644 (1646) als Canonicus u. Archidiakonus in Tournay. 2) Frauçois, geb. in Paris 1704, bildete sich, nachdem er 3 Monate bei Le Moine Unterricht genossen hatte, ganz selbständig zum Maler, erhielt schon 1723 für sein Bild Evil-Merodach den ersten Preis der Akademie, bereiste Italien, wurde 1734 Mitglied der Pariser Akademie. dann 1737 Professor u. 1765 Director derselben, dann Hofmaler des Königs, u. st. 1770. Er zeichnete sich aus durch die Wahl lüsterner u. unzüchtiger Gegenstände, durch Oberflächlichkeit in Zeichnung u. Colorin u. unglaubliche Schnelligkeit der Production. Den[136] noch gab man ihm den Ramen Maler der Grazien u. seine Bilder fanden ungeheueren Beifall Man zählt 10,000 Zeichnungen von ihm u. eine große Menge Bilder in Öl, Miniatur u. Pastell. Werke namentlich im Louvre. 3) Bouger d'Argis, Antoine Gaspard, geb. 1708 in Paris, Parlamentsadvocat u. königl. Rath beim Chatelet daselbst; von ihm u.a.: Code rural, Par. 1774, 3 Bde. 4) Alex. Jean, geb. 1778 in Paris; war schon als Kind geschickter Violinspieler, spielte während der Revolution auf Tanzböden, ward später im Orchester des Theater Faydeau angestellt, ging 1796 nach Spanien, wo er 1. Solospieler der Capelle König Karls IV. wurde, kehrte 1809 zurück, heirathete die Harfenspielerin Celeste u. gab Concerte; 1821 machte er eine Kunstreise durch Europa u. wendete sich 1831 wieder nach Spanien. Hier lebte er ganz vergessen u. man hörte seinen Namen erst 1850 wieder, wo er seine Violine zu einem enormen Preise ausbot.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 3. Altenburg 1857, S. 136-137.
Lizenz:
Faksimiles:
136 | 137
Kategorien: