Kaffern

[217] Kaffern, die große Völkerfamilie Südafrikas, welche hauptsächlich die Ostküste zwischen der Capcolonie im Süden u. dem Cap Delgado im Norden bewohnt, doch auch über einen großen Theil des Innern, selbst bis zur Westküste sich verbreitet hat. Außer den eigentlichen K. sind auch die sprachlich verwandten Betschuanen u. die Ovaherero zu ihnen zu zählen. Viele der Kaffernstämme sind freilich in Folge jener großen Völkerbewegung, welche Süd- wie auch Nordafrika gehabt hat, u. der daraus hervorgegangenen zahlreichen politischen Umwälzungen, nicht mehr unvermischt geblieben, sondern haben sich, namentlich im Norden u. im Innern, so vielfach mit Negerstämmen vermengt, daß der Typus beider Völker in einander verschwimmt u. eine genaue Abgrenzung zur Unmöglichkeit wird. Der Name K. ist dem Volke erst seit Ankunft der Portugiesen nach dem arabischen Worte Kafara, d.h. läugne, zum Unterschiede von den rechtgläubigen Muhammedanern, beigelegt worden. Mit wenigen Ausnahmen sind die Männer der K. groß, kräftig u. gewandt; der Kopf schön geformt, die Stirn hoch, die Augen groß, u. ungeachtet des oft wolligen Negerhaares, der vorstehenden Backenknochen u. der dicken Lippen haben ihre Gesichtszüge im Wesentlichen den Charakter der asiatischen Racen. Vorzugsweise von schönem Körper sind die Amakosa u. Zulukaffern. Die Frauen der K. dagegen sind meist dürftig u. klein, u. nur die De Lagoanerinnen u. die Amatembaweiber machen davon eine Ausnahme, sind daher wegen ihrer Schönheit auch berühmt. Die Hautfarbe ist bei den südlichsten K., den Amakosa u. Amatemba, lichtbraun, gegen Norden zu wird sie allmälig dunkler u. zuletzt tiefschwarz, wie schon bei den Fingo u. Zulu. Die Makua auf der Küste von Mozambique u. einige andere Stämme des Nordens tätowiren ihre Haut u. entstellen ihre Gesichtszüge durch Schnitte über die Stirn, Nase, Kinn u. Ohren, die Makua u. die De Lagoaner feilen auch die vordern Zähne spitz, die Amakosa färben sich mit rothem Thon. Der Charakter der K. gilt im Allgemeinen als träg, rachsüchtig, verrätherisch u. grausam im Kriege, dabei sind sie jedoch heiter, tapfer u. ausdauernd u. sehr abgehärtet gegen Schmerzen, so namentlich die Zulu u. Amakosa, während die Amatemba friedlich u. furchtsam sind. Von der Sprache der K. s. Kafferische Sprache; ihre Religion ist zumeist ein Heidenthum ohne Götzendienst u. ohne Kenntniß od. Namen eines höchsten Wesens; es gibt weder Idole, noch Opfer, noch Priester, nur Zauberbeschwörer u. Regenmacher sind vorhanden. Dabei gibt es im Norden auch Muhammedaner, u. im Süden hat in neuerer Zeit auch das Christenthum, namentlich durch methodistische Missionäre, Eingang gefunden. Was die Verfassung der unabhängigen K. anlangt, so zerfallen die einzelnen Stämme meist in kleine Gemeinschaften (Kraals) mit Häuptlingen an der Spitze, von denen eine Anzahl sich wieder unter einem Oberhaupt vereinigen. Die Häuptlinge herrschen unumschränkt, u. nur bei Berufungen an das Oberhaupt schreitet dieses ein. Bei den Zulu dagegen herrscht das Oberhaupt vollkommen despotisch, so zwar, daß alle Glieder des Volkes nur als Sklaven angesehen werden u. aller Grund u. Boden dem Oberhaupte gehört. Ackerbau treiben die K. wenig, da derselbe fast lediglich den Weibern überlassen bleibt, während der Mann sich nur um die Heerden u. um die Jagd bekümmert, doch ist dies bei den südlichen Stämmen durch den Einfluß der Europäer zum Theil anders geworden, indem hier auch die Männer Feldarbeit treiben. Auch die technische Geschicklichkeit der K. steht auf niedriger Stufe der Entwickelung, u. nur sehr vereinzelt werden von ihnen Erze geschmolzen u. Metalle verarbeitet. Handel treiben nur die südlichen K. u. die an der De Lagoabai. Die hauptsächlichsten Stämme der K. sind: a) die Amakosa, Amaponda u. Amatomba, unter denen man die K. im engern Sinne begreift; sie haben ihre Wohnplätze ganz im Süden zwischen Natalien u. dem Caplande; b) die Fingo, welche meist an der Westgrenze Nataliens, doch auch im Innern des unabhängigen Kaffernlandes wohnen u. wieder in die Amafengu, Amabaca, Amawazi u.a. zerfallen; c) die Zulu (od. Sulu, sonst auch wohl Hollontontes), welche zu einem geringen Theile in Natalien, meist aber zwischen dieser Colonie u. der De Lagoabai wohnen; d) die Schembi, Batonga, Amasuasi, Amahuta, Baraputsa, Maputa, Inyaka, Makazana u. Knoxneuzea auf der Sofalaküste; e) die Matebele, welche unter Mosciakatse ein großes Reich zwischen dem obern Länpopo u. Zambese bilden, u. mit denen andere Kaffern-, aber auch Negerstämme vermischt leben, wie die Makalaka, Bakurutse, Maschona, Bakuabi, Masuase, Batonga u.a.; f) die Makololo, welche ihre Sitze in der Orangefluß-Republik verlassen u. im Norden unter Sebiluana zwischen dem Tschobe u. dem 14° südlicher Breite zu beiden Seiten des Liambye ein Reich gegründe haben; g) die Makua u. Kissungo auf der Küste Mozambique, u. tiefer nach dem Innern die Magandja, Maravi, Basunga, Scheva, Moviza u.a.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 9. Altenburg 1860, S. 217.
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