Radegunde, die Heilige

[336] Radegunde, die Heilige, deren Gebeine zu Poitiers begraben liegen liegen, war die Tochter des Königs Berthar von Thüringen und erlebte als Kind schon den Todihres Vaters und den Sturz des Reichs, als die Frankenkönige Theoderich I. und Clothar I. um's Jahr 530 mit Feuer und Schwert in Thüringen einfielen. [336] R. ward eine Beute der Sieger und ihre außerordentliche Schönheit gab unter diesen selbst Veranlassung zum Streite, da sie jeder besitzen wollte. Endlich entschied das Loos für Clotharn, der die noch zarte Jungfrau erziehen ließ und sie später ehelichte. Aber frühzeitig schon hatte sich in dem Herzen R's der Sinn für das Ueberirdische entwickelt. Das Leben am Hofe hatte für die demüthige, gottesfürchtige Frau keine Reize, um so mehr, da keine Neigung sie an den Gatten, der ihren Vater des Reichs beraubt und den Bruder getödtet hatte, fesselte. Eine Wohlthäterin der Armen, verbrachte sie ihre meiste Zeit in strengen Bußübungen, stiftete in Poitiers ein Mönchs- und ein Nonnenkloster, nahm endlich selbst den Schleier und erwarb sich bereits im Leben den Ruf der Heiligkeit. Sie starb 587 und ihr Freund, der Dichter Venantius Fortunatus, schrieb ihren Lebenslauf.

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 8. [o.O.] 1837, S. 336-337.
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