Brückenpfeiler

[485] Brückenpfeiler, der unterstützende Teil einer Brücke. Man unterscheidet dem Baustoff nach hölzerne, steinerne und eiserne, der Stellung nach End- und Mittelpfeiler, und zwar Land- oder Flußpfeiler, je nach ihrer Stellung auf dem Land oder im Fluß; erstere, insofern sie aus Mauerwerk, erhalten rechteckige, letztere, soweit sie im Wasser befindlich, halbkreis-elliptische oder spitzbogenförmige Vorköpfe (s. Tafel »Brücken III«, Fig. 3,4 u. 7). Bei Brückenpfeilern mit besonders starkem Eisgang (sibirische Bahn) sind die Vorderköpfe eisbrecherartig mit stark geneigter, über Hochwasserhöhe endigender Vorderkante ausgebildet. Die Mittelpfeiler gewölbter Brücken sind je nach dem Grad ihrer Standfähigkeit entweder gewöhnliche Mittelpfeiler oder Gruppenpfeiler. Bei den alten Brückenbauten ist jeder Mittelpfeiler Gruppenpfeiler und imstande, bei Einsturz der einen Seite des Gewölbes dem Schub der andern Seite zu widerstehen.[485] In neuerer Zeit bildet man, um Kosten zu ersparen, nur den vierten oder fünften Pfeiler einer gewölbten Brücke als Gruppenpfeiler oder alle als Mittelpfeiler aus. In alter Zeit baute man Pfeiler nur aus Holz, später kam Holz mit Steinfundamenten und endlich der Steinpfeiler in Gebrauch. Erst in neuerer Zeit benutzte man Eisen, und zwar zuerst Gußeisen, das aber heute auch für Brückenstützen fast ganz durch das Flußeisen verdrängt ist und nur noch für Säulenpfeiler Anwendung findet. Zu den ersten schmiedeeisernen Stützen gehören die Säulenpfeiler der 1876 erbauten Hochbahn in New York. Eiserne Pfeiler werden 1) als Säulenpfeiler hauptsächlich bei Hochbahnen ausgeführt; sie fanden 2) als Röhrenpfeiler zuerst 1849 in England, meist aus zwei, höchstens drei mittels Luftdruckgründung versenkter, oberhalb der Flußsohle gekuppelter Röhren, später noch beim Bau der neuen Taybrücke, sonst selten mehr Anwendung; 3) sie heißen Piloten- oder Jochpfeiler, wenn man sie aus in den Boden eingerammten schmiedeeisernen, oder eingeschraubten guß- oder schweißeisernen Pfählen bildet (nur für kleinere Stützweiten; für Landebrücken umfangreiche Anwendung). 4) Sie finden in der Neuzeit besonders bei hohen Talbrücken als eiserne Fachwerksbauten auf gemauertem Sockel vielfache Anwendung, wobei man unterscheidet: a) Turm- oder Fachwerk pfeiler (Tafel »Brücken I«, Fig. 8, und Tafel »Brücken IV«, Fig. 5 u. 14); b) Gerüstpfeiler, aus den in den Vereinigten Staaten sehr zahlreich ausgeführten trestle works hervorgegangen (A-B und C- D auf Tafel »Brücken II«, Fig. 6), und c) Wand- oder Pendelpfeiler, meist gebildet aus lotrecht oder nach außen geneigt stehenden, durch Ausfachung verbundenen, in einer Ebene senkrecht zur Brückenlängsachse stehenden (Tafel »Brücken I«, Fig. 4) Stützen, die unfähig sind, wagerecht in der Brückenlängsebene wirkende Kräfte (Bremswirkung bei Bahnen) aufzunehmen.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 3. Leipzig 1905, S. 485-486.
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