Tunĭca [1]

[930] Tunĭca (lat.), 1) das ärmellose Unterkleid der Römer, welches auf dem bloßen Leibe unter der Toga getragen wurde. Eigentlich war die T. von Wolle, doch trug man zur Kaiserzeit auch leinene Tuniken; die Farbe war gewöhnlich weiß, bei Kindern. u. Soldaten aber hochroth (T. russa), bei Sklaven u. gemeinen Leuten dunkelfarbig. Die T. reichte bei den Männern bis an die Knie, war eng u. wurde mit einem Gürtel unter der Brust zusammengehalten; die der Weiber war länger u. weiter u. in der Folge mit Ärmeln versehen (T. manicata), od. dieselbe noch mit langen Franzen geschmückt. Anfangs trug man nur eine T., später, bes. im Winter, zwei; die untere hieß Subulca (T. interior), bei den Frauen Indusium (Intusium, T. indusiata); nach Andern war das Indusium die obere T. Man hatte auch Abzeichnungen an der T., welche in einem Purpurstreifen (Clavus), welcher von oben bis unten an das Ende der T. reichte u. beim Zusammenschlagen an der Außenseite war, bestanden (T. clavata); an den Tuniken der Senatoren u. Patricier war er breit (T. laticlavĭa), an denen der Ritter waren zwei schmälere (T. angusticlavĭa), doch trugen auch die Ritter zur Kaiserzeit die erstere Art. Die Triumphatoren trugen eine mit Palmblättern gestickte T (T. palmata). Im Gegensatz zu der T. clavata stand die T. pura (T. recta), die einfarbige, unverzierte T., dieselbe erhielten Jünglinge, wenn sie die Toga virilis annahmen, u. heirathende Jungfrauen von ihren Eltern. Während vornehme Römer nie in der bloßen T., sondern stets mit übergeworfener Toga ausgingen, sah man Sklaven u. gemeine Leute nur mit der T. bekleidet auf den Straßen. Dagegen erschienen die Vornehmen zu Haus nur in der T. 2) T. sacerdotalis, s. Rochet. 3) Haut, Membran; so im Allgemeinen Tunicae arteriarum, T. gangliorum, T. intestinorum, T. oculorum, T. renum, T. venarum, T. veutriculi, Arterien-, Ganglien-, Darm-, Augen-, Nieren-, Venen- u. Magenhäute, s.d. a.; insbesondere T. acinalis, so v.w. Traubenhaut, s.u. Auge 1) A) e) u. f). T. conjunctiva adnata, Bindehaut, s. ebd. a). T. cornea, Hornhaut, s. ebd. c). T. allantois, s. Allantois. T. arachnoidea, s. Arachnoidea u. Gehirnhäute b). T. cellulosa propria, die äußere od. eigene Arterienzellhaut. T. cerebri, Hirnhaut, s.u. Gehirnhäute. T. fibrosa, s.u. Darm. T. Innominata Columbi, der von Realdus Colombo als eigene Haut angesehene, aponeurotische Überzug der Augenmuskeln über die Sclerotica. T. Jacobi, nach Jakob eine sehr dünne u. zarte, mit der Netzhaut des Auges durch Gefäße u. Nerven verbundene, zwischen ihr u. der Gefäßhaut od. der Membrana pigmenti (s.u. Auge 1) A) e) gelegene, nach Einigen aus Wärzchen, nach Andern aus runden Kügelchen od. aus seinen, neben einander stehenden Cylindern bestehende Membran. T. pituitaria nasi, so v.w. Schneidersche Haut, s.u. Nase 1) B) c), T. musculares (T. musculosae), die Muskelhäute, Häute, deren Gewebe aus Muskelfasern besteht, insbesondere solche, welche höhlenartige Organe bilden helfen. T. nervorum, Nervenscheiden. T. ovi, Eihäute, s. Ei. u. Embryo etc.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 17. Altenburg 1863, S. 930.
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