Maria Luise, Königin von Spanien

[91] Maria Luise, Königin von Spanien, Königin von Spanien, die Tochter des Herzogs Philipp von Parma, geb. 1757, eine Frau, deren politisches Leben noch in die jüngste Vergangenheit fällt und deren Charakter die unparteiische Geschichte mit manchem wohlverdienten Tadel belasten muß. Begabt mit südlicher Lebhaftigkeit, dabei klug, [91] voll Talent zur Intrigue, wußte sie bald ihren Gemahl, König Karl IV.. der sie nur mit Widerstreben geehelicht hatte und sie sogar einmal thätlich beleidigt haben soll, völlig zu unterjochen. Sie leitete mit überlegener Geisteskraft seine Handlungen an so unsichtbaren Fäden, daß er glauben mußte, sie folge nur seinen Plänen. Um stets in seiner Nähe sein zu können, milderte sie die steife spanische Etiquette des Hofes, folgte ihm selbst in die Geheimrathssitzungen, und warf oft durch eine, wie absichtslos hingeworfene Bemerkung, welcher der König alsbald beistimmte, die Beschlüsse des ganzen Ministeriums um. So kam es, daß ihr Günstling, Don Manuel Godoy, bekannt in der Zeitgeschichte unter dem Namen des »Friedensfürsten,« des Königs Günstling wurde, ohne daß dieser selbst wußte, wie es geschah. Ueber das Liebesverhältniß der Königin mit Jenem haben die indiscretesten Gerüchte circulirt und Godoy selbst hat in seinen kürzlich erschienenen Denkwürdigkeiten über diesen Punkt geschwiegen. Dem sei, wie ihm wolle: der Liebling der Königin, der Vertraute des Königs, wurde nach und nach Minister, Großadmiral, Generalissimus, Ritter der höchsten Orden, ja sogar der Gatte einer Nichte des Königs, er, der schlichte Edelmann, der Gemahl einer Tochter der Bourbonen, und dieß Alles in einem Alter von 26 Jahren! Die franz. Revolution brach aus – Spanien wollte zu Gunsten der alten Bourbonen die Glut des feurigen Kraters löschen, es ließ sich – das war Godoy's Werk, – in einen Krieg mit der Republik ein. Frankreich siegte, Karl mußte einen unvortheilhaften Frieden schließen und Manuel erhielt als Lohn dafür den Titel eines »Friedensfürsten.« Ferdinand, Mariens Sohn, der Thronerbe, nahm Aergerniß an dem Stand der Dinge, er folgte den Einflüsterungen seiner Camarilla, die den Günstling längst haßte, und ließ sich in eine Empörung gegen seinen Vater ein. Die Revolution von Aranjuez zwang Karl IV. abzudanken, und Ferdinand bestieg den Thron. Der Friedensfürst wurde verhaftet. Weniger an dem Verlust des Thrones, als an dem [92] Schicksale Don Manuel's schien der Königin gelegen zu sein. Sie bewog ihren Gemahl, sich Napoleon in die Arme zu werfen. Karl gab vor, er habe nur gezwungen abgedankt. Des Kaisers schlaue Politik wußte den Stand der Dinge zu benutzen. Er sandte ein Heer nach Spanien, Mürat rückte vor Madrid. Mit diesem führte Maria einen lebhaften Briefwechsel, worin sie, wie aus Toreno's Geschichte hervorgeht, ihren Sohn der Blutdürstigkeit und Hartherzigkeit beschuldigte, um die Befreiung ihres Lieblings aber in den rührendsten Ausdrücken flehte. Mürat befreite Letzteren, ihn vor der Volkswuth schützend, auch mit Gewalt der Waffen. Er erschien im Gefolge Mariens und Karls zu Bayonne Hilfe flehend und Ferdinand anklagend vor Napoleon. Die Folge davon war, daß auch Ferdinand dem Throne entsagen mußte und Spanien eine französische Provinz wurde. Alles das Werk Mariens und ihres Günstlings! Ferdinand wanderte als Gefangener nach Valenciennes, Karl trat sein Reich an Frankreich ab, erhielt eine lebenslängliche Pension und den Titel und Rang eines franz. Prinzen, und Joseph Bonaparte bestieg den Thron von Spanien. Die Zeit des Glanzes und der Macht war von diesem Augenblicke für Maria und ihren Liebling unwiederbringlich verloren. Zwar mit königlichem Pompe, aber doch Nichts weiter als Gefangene, wurden sie nach Compiegne abgeführt, und hielten sich später abwechselnd in Marseille und Nizza auf. Endlich gingen sie nach Rom. Nach Napoleon's Sturze bestieg Ferdinand den span. Thron. Maria, das Opfer ihrer Thorheiten und Leidenschaften, sank in Vergessenheit. Sie starb 1819 – ihr Tod erregte keine Sensation in der politischen Welt. Godoy, der Friedensfürst, der seiner Wohlthäterin, die ihm eine Zeit lang eine europäische Geltung gegeben, bis an ihre letzten Lebenstage dankbar und treu ergeben blieb, lebt noch; er hat es kürzlich in seinen Denkwürdigkeiten versucht, sich, Karl IV. und Maria Luise vor seinen Zeitgenossen und der neuen Generation zu rechtfertigen. – Nach Angabe seiner Gegner soll es ihm[93] gelungen sein, durch Guitarrespiel und eine sanfte Tenorstimme das Herz seiner Gönnerin und mit diesem den Admiralshut, den Marschallstab, das Portefeuille, den Herzogstitel, das goldene Vließ etc. zu erobern, welche Particularität er jedoch in seinen Memoiren mit Indignation zu rückweist.

B....i.

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 7. [o.O.] 1836, S. 91-94.
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