Spanien [2]

[3] Spanien1 – ein Reich, dessen Geschichte fast eben so weit hinauf reicht, als die von Rom, da Griechen und Römer, als die cultivirtesten Nationen voriger Zeiten, mit dessen Einwohnern bekannt waren, und ihre Geschichtschreiber, ein Livius, Julius Cäsar, Florus u. m. mit den Sitten, Gebräuchen, Thaten und überhaupt mit den wichtigsten Beschäftigungen derselben die Nachwelt bekannt gemacht haben – war 100 Jahre vor Christi Geburt mit den noch gegenwärtig berühmten Celten besetzt. Indessen war der Umfang und die Größe des damaligen Spaniens ungleich größer, denn es gehörte in den ältern Zeiten unter andern das ganze heutige Königreich Portugal und ein großer Theil Frankreichs dazu; und in diesem Umfange muß man auch dieß Reich sich denken, wenn die Römischen Schriftsteller von Spanien überhaupt sprechen, ohne eine Provinz desselben bestimmt anzugeben. Mit diesen ältesten Einwohnern Spaniens – den Celten – suchten wohl 800 Jahre vor Christi Geburt die Phönizier Bekanntschaft zu machen, um ihren Handel bei ihnen zu verbreiten; ja sie ließen sich sogar an den südlichen und westlichen Küsten Spaniens nieder, und bauten Häuser, um für ihren mehrjährigen Aufenthalt Wohnung zu haben und ihren Handel mit jenen Einwohnern desto besser und bequemer treiben zu können: hatten sie sich nun genug bereichert, so machten sie wieder andern ihrer Landsleute Platz. Auf diese Art waren lange Jahre hindurch die Spanischen Gold- und Silberbergwerke eine sehr ergiebige Quelle für die Phönizier, und vermehrten ihre an sich schon großen Reichthümer zum Erstaunen. Späterhin kamen auch die Karthaginienser, durch dieß Beispiel gereitzt, nach Spanien, um aus den ergiebigen Goldgruben ihre Reichthümer zu häufen; allein, minder mäßig, setzten sie gleich in der Mitte des Reichs sich fest, in [3] der Absicht, nie wieder wegzugehen und, wo möglich, die vorigen Einwohner, die Celten, zu vertreiben. Und in der That behandelten sie bald jene Schätze wie herrenlose Dinge, maßten sich dieselben: zum größten Nachtheil der vorigen Besitzer an, ja, sie unterwarfen sogar einen großen Theil des Reichs ihrer Herrschaft auf die ungerechteste Weise und behaupteten ihn mehrere Jahrhunderte hindurch. Und da nun zuletzt auch die Phönizier von gleicher Begierde nach Spaniens Schätzen sich hinreißen ließen; so suchten zwar die ältern Einwohner, die Celten, endlich alle diese ungebetenen Gäste, Phönizier und Karthaginienser, wieder los zu werden, aber zu spät. Leider waren diese Fremdlinge ihnen schon zu weit überlegen; ja, es war ihr Anhang unter den Celten selbst schon zu groß, als daß sie ohne Beihülfe einer fremden Nation aus Spanien hätten vertrieben werden können: und der übrige Theil der Celten mußte sie als seine Mitbürger oder vielmehr als seine Beherrscher anerkennen. Nur die Römer waren so glücklich, diese zwei Völkerschaften, unter denen die der Karthaginienser bei weitem die stärkste ausmachte, in Respect zu halten, indem sie solche in dem ersten bekannten Punischen Kriege gänzlich schlugen, auch einen guten Theil derselben aus Spanien zu wandern nöthigten, nachher aber, da die Karthaginienser sich wieder erholt hatten und von neuem in Spanien einzudringen suchten, dieselben in dem zweiten Punischen Kriege unter Anführung des Cornelius Scipio, des Afrikaners, völlig besiegten, so, daß jene gänzlich aus Spanien vertrieben und ihnen alle Hoffnungen, je wieder dahin zu kommen, benommen wurden. Dessen ungeachtet konnten die Römer sich noch nicht als vollkommene Beherrscher Spaniens betrachten; denn auch die Celten, welche bei den Siegen der Römer und bei den Züchtigungen ihrer Feinde ruhig geblieben waren, widersetzten sich lange Jahre den Römern, die nun gleich gefährliche Absichten hatten, bis diese nach vielen und langen Kriegen endlich unter Augusts Regierung dennoch durch den Marcus Agrippa die Oberhand behielten und sie unterjochten.

Länger als 400 Jahre genoß Spanien unter der Hoheit der Römischen Kaiser die vollkommenste Ruhe gegen das Ausland, indem keine Nation es wagte, so[4] lange das Römische Reich blühte, einen Einfall dahin zu thun. Auch wurden die Einwohner Spaniens mehr als irgend eines der occupirten Länder mild und großmüthig behandelt: ja, Spanien gab sogar in dem damahligen Zeitraume dem Römischen Throne Kaiser; denn so waren Trajan und Hadrian geborne Spanier, ohne derjenigen, welche zu andern großen Ehrenstellen in dem Römischen Staate gelangten, zu gedenken. Aber auch Spanien bewies wieder gegenseitig unter allen Römisch gewordenen Ländern die meiste Anhänglichkeit an Rom und dessen Regenten: so studirten sie z. B. dem Willen der Kaiser zu Folge die Lateinische Sprache, deren Erlernung und Verbreitung überhaupt Staatsmaxime der Rom. Kaiser ward; und Spanien konnte gewiß mehrere wirklich bedeutende Gelehrte, die den gebornen Römern nicht nachstanden, aufzeigen, z. B. die beiden Senecaʼs, Quinctilian u. m. Doch nicht allein in Ansehung der Geistesbildung suchte Spanien den Römern es gleich zu thun, sondern auch zu Annehmung der christlichen Religion fand sich dasselbe gar bald geneigt, die noch vor Ablauf des ersten Jahrhunderts fast allgemein daselbst bekannt wurde. Falsch ist aber die noch vor 50 Jahren für unumstößlich gehaltene Meinung, daß der Apostel Jacob selbst, welcher noch bis auf den heutigen Tag für den Schutzpatron Spaniens gehalten wird, die christliche Religion daselbst persönlich ausgebreitet und gelehrt habe.

Endlich mit Anfang des fünften Jahrhunderts nach Christi Geburt, wo bei der Schwäche der Römischen Regenten das Occidentalische Kaiserthum zu sinken anfing, und der Thron von andern fremden Völkern in Anspruch genommen wurde, hatte auch Spanien mit Rom gleiches Schicksal. Es zogen sich nehmlich viele Völkerschaften, die zeither mehrere östliche und nördliche Gegenden Europaʼs bewohnt hatten, durch Italien hierher, namentlich die Alanen in die Provinz Lusitanien (das heutige Portugal), die Vandalen in die jetzigen Provinzen Galizien, Asturien und Aragonien, endlich die Sueven in das übrige Spanien. Diese letztern aber, als die stärkste und zahlreichste Völkerschaft, wußten bald die beiden andern zu vertreiben, ja selbst gegen die Römer sich furchtbar zu machen, bis sie endlich von den Westgothen, welche schon im[5] Jahre 409 unter ihrem König Alarich Rom erobert und von da nach Spanien sich gewendet hatten, nach vielen Kriegen im Jahre 584 völlig überwunden und die Hoheit der Westgothen anzuerkennen genöthigt wurden. Kurz, den Westgothen gehörte von nun an ganz Spanien, und mit ihnen entstand daselbst eine ganz neue Nation: die vorigen Einwohner mußten als Besiegte dieser neuen Nation sich unterwerfen und ihre Könige auch für ihre rechtmäßigen Regenten anerkennen, deren Regierung indessen nicht unumschränkt war; vielmehr mußten sie die Vorzüglichern in der Nation an der Regierung Theil nehmen lassen. Die Residenz war Toledo in Neu-Castilien, am Flusse Tagus, unweit der heutigen Residenz Madrit; daher werden auch in den damahligen Zeiten die Könige Spaniens oft nur Könige von Toledo, so wie das Königreich Spanien selbst bei den Geschichtschreibern auch oft das Königreich Toledo genannt. Die Westgothischen Könige waren bis auf Recared I. sämmtlich Arianer (s. den Art. Arianer Th. I. S. 79); dieser aber rottete vermittelst des Concilii Toletani III. 594. die ganze Secte der Arianer in Spanien aus, und stellte die vorigen Grundsätze der christlichen Religion wieder her, weßhalb die Spanische Geistlichkeit ihm in der Folge den Beinamen Catholicus beilegte, indem er auch wirklich um die Beförderung der christlichen Religion in Spanien sehr große Verdienste hatte. Es wurden von nun an Bisthümer gestiftet, Synoden und National-Concilien gehalten etc. Doch auch die Regierung der Westgothischen Könige in Spanien war nicht von zu langer Dauer: denn schon 711 brachen die Mauren oder Saracenen, welche eigentlich nur von den beiden durch Rodrich vom Throne ausgeschloßnen und darüber mißvergnügten Prinzen, Evan und Sisibuth, zum Beistand herbei gerufen worden waren, aus Afrika mit Gewalt ein, wurden durch die berühmte Schlacht bei Xerez de la Frontera, wo Rodrich blieb und durch seinen Tod die Westgothische Monarchie aufhörte, Meister, sahen gleich den Theil, den sie bei ihrem Einbruche weggenommen hatten, als erobertes Land an; ja, nach Verlauf zweier Jahre hatten sie fast ganz Spanien, auch den Theil von Gallien, der damahls zu Spanien gehörte, in ihrer Gewalt, so, [6] daß ein jeder, der nicht auswanderte, auch ihre Hoheit anerkennen mußte. – Unter der Regierung der Saracenen2 nun, welche damahls der Caliph Walid XII. beherrschte, wurden die Spanier nicht nur bei ihrer Religion gelassen und geschützt, sondern auch nach ihren bestehenden positiven und Gewohnheitsrechten gerichtet: ja, es blieb selbst jene von Alarich II. im 6. Jahrhund. veranstaltete Sammlung kaiserlicher Constitutionen, Breviarium Alaricianum genannt, noch fernerweit gültig; und sogar ein jeder Spanier durfte nach diesen Gesetzen Recht leiden.

Dennoch besaßen die Caliphen den Thron nicht lange in Ruhe, indem theils die in das Spanische, Gothische oder Fränkische Gallien geflüchteten, theils die in den nord-östlichen Gebirgen Spaniens verschont gebliebenen Einwohner, theils auch die ganz unbegrenzte Begierde der Saracenen, durch ganz Gallien vorzudringen und solches zu unterjochen, beständige Veranlassung zu Kriegen gaben. Gleich in den erstern 21 Jahren nach ihrem Einbrechen in Spanien verloren sie gegen den Fränkisch-Gallischen Feldherrn, Carl Martell, bei Tour am Flusse Loir, mitten in Frankreich, ein entscheidendes Treffen; noch mehr aber züchtigte sie Pipin, der Sohn Carl Martells: und in kurzem mußten sie alle über den Pyrenäischen Gebirgen gemachte Eroberungen fahren lassen. Bald suchten nun auch die [7] in den nordöstlichen Gebirgen Spaniens wohnenden Christen, und endlich alle alten Einwohner des ganzen Reichs, welche sämmtlich Christen geblieben waren und an deren Spitze sich der unzufriedene Adel stellte, von ihrer Herrschaft sich los zu reißen und frei zu machen. Zwar gelang ihnen dieß nur nach und nach, und erst nach 400 Jahren ganz; auch trug die Sorglosigkeit und Unachtsamkeit der Caliphen gegen diese Unternehmungen der Christen viel dazu bei: daher bildeten sich auch, mitten unter der Regierung der Saracenen, nach und nach mehrere Reiche in Spanien, deren jedes seinen eignen Regenten hatte, und welche alle zur Unterdrückung der Mahomedanischen Regierung und zur endlichen Vertreibung der Saracenen aus Spanien mehr oder minder, mittel- oder unmittelbar wirkten. Kurz, die Saracenen mußten schon in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ganz Spanien räumen, nachdem sie vorher schon ein Reich nach dem andern verloren hatten. Das schöne und von Natur so sehr gesegnete Spanien, welches während des 500jährigen, aber immer unruhigen Besitzes der Saracenen sehr verwüstet worden, ward auch jetzt nicht sogleich wieder ruhig; denn nun führten die Fürsten selbst aus Eroberungs- und Vergrößerungssucht gegen einander fast unaufhörlich Krieg; und die Franken, ihre Nachbarn, welche schon mit den Deutschen in beständige Kriege verwickelt waren, konnten sich nicht einmischen.

Es hatten sich nun überhaupt, theils während der Herrschaft der Saracenen, theils kurz nach deren Vertreibung, auf dem Flächeninhalte des heutigen Königreichs Spanien in allen 14 Landschaften gebildet, nehmlich zehn kleine Königreiche, namentlich: Neu-Castilien, Alt-Castilien, Leon, Andalusien, Granada, Murcia, Valenzia, Galicia, Navarra und Aragonien, und vier Fürstenthümer: Estremadura, Asturien, Biscaya und Catalonien, wozu denn auch noch im Mittelländischen Meere die Balearischen und Pityusischen Inseln gehörten. Jedoch blieben diese Besitzungen nicht zu lange für sich bestehend, sondern wurden theils durch Erbgangrecht, theils durch Eroberungssucht endlich in einander geschmolzen, so, daß zuerst die sämmtlichen Spanischen Besitzungen vier Königreiche und ein Fürstenthum bildeten, nehmlich 1) das[8] Königreich Leon, 2) das Königreich Castilien, 3) das Königreich Aragonien, 4) das Königreich Navarra und das Fürstenthum Catalonien. Unter diesen Vier Königreichen war Leon bey weitem das größte und wichtigste, indem ganz Portugal und das große Fürstenthum Estremadura dazu gehörten. Allein es kam, nachdem schon lange vorher Portugal an die ältere Linie des Herzoglich-Burgundischen Hauses vergeben worden war, im Jahr 1217 durch Heirath an Castilien. Aber auch Aragonien, Navarra nebst Catalonien waren schon vorher nach und nach durch Heirath und Erbfolge vereinigt worden, so, daß zu Zeiten König Ferdinands und seiner Gemahlin Isabelle aus jenen Königreichen und Fürstenthümern zwei Königreiche, nehmlich Castilien und Aragonien, vorhanden waren3.

Diese beiden Spanischen Reiche, Castilien und Aragonien, nun bestanden in der letztern Hälfte des 15. Jahrhunderts aus folgenden Ländern: I. Castilien aus Neu- und Alt-Castilien, Leon, Galicien, Andalusien, Cordua, Murcia, Jaen, Asturien, einem Theil von Estremadura, Guipuzcoa, Alawa und Biscaya; II. Aragonien aber aus Aragonien selbst, Valencia, Catalonien, Majorca nebst den Balearischen und Pityusischen Inseln, und Navarra, wenn nehmlich dasselbe entweder keine eignen Regenten hatte oder nicht mit Frankreich vereinigt war. Einen Theil von Navarra, und zwar denjenigen, der an den Pyrenäischen Gebirgen zunächst an Spanien grenzt, riß eben dieser Ferdinand endlich 1512 ganz widerrechtlich an sein Aragonien Aber auch diese einzelnen Länder schmolzen 1474 in ein einziges zusammen, welches von nun an (nachdem alle jene kleinen Königreiche verschwunden waren) nach seinem ursprünglichen viel befassenden Namen das Königreich Spanien heißt.

Die Vereinigung Castiliens und Aragoniens geschah beim Tode Heinrichs IV. Königs von Castilien und Leon. Dessen Prinzessin Johanna war schon bei seinen Lebzeiten von den Ständen als unecht angefochten, und der König genöthigt worden, seinen 13jährigen [9] Bruder, Alphons, und da dieser starb, seine Schwester als Nachfolger zu erklären. Diese letztere, Infantin Isabelle. vermählte sich i. J. 1468 mit dem damahligen Kronprinzen von Aragonien, Ferdinand, ganz insgeheim, damit dieser mächtige Fürst gegen alle Prätendenten ihrer dereinst zu erwarten habenden königlichen Krone sie vertheidigen möchte. So gern nun auch der König, ihr Bruder, dieß alles hintertrieben hätte, so hatte doch Isabelle die Stände auf ihrer Seite, und wurde nach des Königs Tode, 1474, (mit Ausschließung der Prinzessin Johanna, welche sich in einem Kloster als Nonne einkleiden ließ) nebst ihrem Gemahl Ferdinand als Königin und König von Castilien und Leon ausgerufen.

Unter diesem Ferdinand nun, welcher schon seit 1467 König von Sicilien und Mitregent von Aragonien und Catalonien mit seinem Vater, Johann II. gewesen war, und 1479 allein zur Regierung gelangte, kam denn nun ganz Spanien zusammen, und ward zu einer vollständigen alleinigen Monarchie, was es auch von nun an beständig geblieben und noch gegenwärtig ist. Indessen nahm er an Castiliens Regierung, als welche Isabelle allein führte, keinen Theil, sondern beherrschte nur Aragonien und Sicilien nebst dem Fürstenthum Catalonien. Ferdinands Eigennutz und Ungerechtigkeit strebte nun auch nach den Reichthümern des Aragonischen und Castilianischen Adels; er wollte auch Granada, das einzige den Saracenen in Spanien noch übrige Königreich, nehmen. Er bekriegte die Saracenen, und zwang ihren König, Aboabdeli, sein Königreich zu räumen. Das den daselbst wohnenden Saracenen und Juden gegebene Versprechen, ihnen die vollkommenste Religionsfreiheit zu lassen, hielt er nicht, sondern beredete seine bigotte Gemahlin, ein geistliches Tribunal unter dem Titel der heiligen Inquisition in Sevilla und an andern Orten niederzusetzen; in seinen Reichen that er ein gleiches (M. s. hierüber näher den Art. Inquisition, Th. II. S. 232.). Zwar fielen dadurch den Staatscassen ungeheure Summen zu: aber dem Staate wurde ein großer Theil seiner fleißigsten Einwohner entzogen; und die übrigen, welche zum Schein die christliche Religion annahmen, wurden [10] Heuchler (M. s. der angezog. Art.). Indessen bewog dieses abscheuwürdige Verfahren den Pabst Alexander VI. dem Ferdinand und allen Nachfolgern auf dem Spanischen Throne i. J. 1495 den Titel des katholischen Königs, welchen vorher Recard I. und Alphons VI. nur für ihre Person aber nicht erblich erhalten hatten, zu ertheilen.

Die Eroberung Neapels (s. d. Art. Ferdinand V. Th. II. S. 19 fg.) gehört ebenfalls zu den ungerechten Anmaßungen, die Ferdinands Regierung auszeichneten, so wie auf der andern Seite die Entdeckung Amerikaʼs (1492) durch Christoph Columbo (s. d. Art. Amerika, Th. I. S. 45, und Columbo S. 282) seine Regierung merkwürdig machte. Den Zuwachs, den Spanien durch diese Entdeckung erhalten, und die Schätze, die dasselbe von dieser Zeit an von dort her gezogen, sind nicht zu berechnen. Zu wünschen wäre es jedoch, daß die Spanier eine gleiche Mäßigung, wie anfangs Columbo, befolgt hätten; gewiß, viele Millionen Menschen weniger würden damahls umgekommen sein. Man erstaunt und die Menschheit empört sich, wenn man in den glaubwürdigsten Nachrichten damahliger Zeit findet, wie überdacht boshaft die Spanier jene unschuldigen Amerikaner hinopferten, um ihre Reichthümer und Besitzungen zu erhalten, noch mehr, wie sie diese ihre Habsucht mit Gründen der sanften Christuslehre vertheidigten! – Die ungeheuern, auch durch Gold- und Silbergruben so höchst ergiebigen Besitzungen, welche Spanien in diesem neu entdeckten Welttheile nach und nach an sich gebracht und gegenwärtig noch hat, sind: I) im südlichen Amerika: das sogenannte feste Land, Tucuman, Peru, Paraguay, das Magellanische Land und Chili; II) im nördlichen Amerika: Mexico, Neu-Mexico, Californien und ein Theil von Florida, nebst den Inseln Cuba, Porto Ricco, ein Theil von Hispaniola, nebst den Caraibischen und Lucayschen Inseln. Doch auch in Afrika und Asien wollte Ferdinand durch Eroberungen sich bereichern. In Afrika wurden 1509 Ceuta, Oran und Marsalquivir erobert, ja, die Könige von Algier, Tripolis und Tunis ihm zinsbar gemacht. Auch in Asien gelang es ihm und seinem Enke! und Urenkel, Carl I. und Philipp II. die Latonischen [11] und Philippinischen Inseln nebst der Insel St. Lazarus zu erobern – alles Eroberungen, die Spanien auch gegenwärtig noch behauptet.

Ferdinand würde unter die vorzüglichsten Könige Spaniens gehören, wenn er minder treulos und mehr gerecht gewesen wär. Er verstand eben sowohl zu regieren, als Krieg zu führen, war bei allen Vorfällen sehr entschlossen, und mit den Geschäften durchaus vertraut. Seine Gemahlin, Isabelle, deren Charakter im Art. Ferdinand (Th. I. S. 20) näher geschildert worden, hatte von ihrem Gemahl mehrere Kinder, von denen aber nur noch die jüngste Prinzessin, Johanna, am Leben war, als Isabellens Tod (1504) erfolgte. Allein jene Johanna, welche nun das nächste Recht auf die Castilianische Krone hatte, und an Philipp den Schönen von Oestreich vermählt war, trug, da sie wahnsinnig ward, viel zur Beschleunigung jenes Todesfalles bei. Isabelle übertrug, eben wegen dieses Wahnsinns, durch letzten Willen ihrem Gemahl die Regentschaft so lange, bis der ältere Enkel, Carl, volljährig würde. Allein Philipp, der Vater dieses Carls, verwarf das Testament, und übernahm, unterstützt von den Ständen des Reichs gegen Ferdinand, die Regierung in Castilien statt seiner Gemahlin – ein Glück, das er aber nicht lange genoß, denn er starb schon 1506. Da nun bei dessen Tode sowohl die Geisteskrankheit seiner Gemahlin als die Minderjährigkeit seines ältern Prinzen Carls noch fortdauerte, so erhielt doch noch Ferdinand, dem Testament seiner Gemahlin gemäß, die Regentschaft über Castilien, und behielt sie bis an seinen Tod 1516. – Aus Haß gegen seine Enkel vermählte er sich auch wieder mit einer Französischen Prinzessin, der Schwester Ludwigs XII. mit welcher er Kinder zu zeugen hoffte, und zunächst Carln die Aussicht auf Aragonien zu benehmen gedachte. Allein diese Ehe blieb unfruchtbar, und Carl bekam nach Ferdinands Tode die ganze Spanische Monarchie.

Dieser nun, der als König den Namen Carl I. führte, und von dem im 1sten Th. S. 224 flgg. mehreres gesagt worden, war unstreitig einer der mächtigsten Regenten in Europa; denn außer dem ganzen heutigen Königreich Spanien, Neapel und Sicilien, [12] nebst den bereits zu Spanien gekommenen Afrikanischen, Asiatischen und Amerikanischen Besitzungen, erhielt er auch nach dem Tode seines väterlichen Großvaters, Maximilian I. 1518 die gesammten großen und weitläuftigen Oestereichischen Erblande, die er jedoch freiwillig an seinen Bruder, den nachherigen König von Böhmen, Ferdinand I. abtrat, und sich in Deutschland bloß mit den Niederlanden begnügte, indem er als Römisch-Deutscher Kaiser im Deutschen Reiche ansäßig sein mußte. Er war, als sein Großvater Ferdinand starb, mit seiner Mutter in den Niederlanden an dem Hofe seines väterlichen Großvaters, Maximilian I. Nach der Verfügung Ferdinands sollte er erst nach dem Tode seiner wahnwitzigen Mutter in den beiden Königreichen Castilien und Aragonien und in den sämmtlichen Spanischen Staaten zur Regierung gelangen, und bis dahin Ximenes de Cisneros die Regentschaft fuhren.

Dieser Ximenes, in der Spanischen Geschichte allerdings ein sehr wichtiger Mann, war aus sehr guter adlicher Familie, in seiner Jugend Franciscanermönch, und ein eben so gelehrter als rechtschaffner Mann, so, daß er sich auch bis zum Cardinal empor schwang und endlich das Erzbisthum Toledo (das größte und einträglichste in Spanien) erhielt. Als Erzbischof wandte er seine ungeheuern Einkünfte eben sowohl zum Besten des Staats an, als er, als ein sehr feiner und kluger Staatsmann, der an dem Hofe Ferdinands alles galt, seine Dienste, ohne auf irgend einen Dank von Seiten des Königs zu rechnen, ganz dem Besten des Reichs widmete. Er lebte übrigens bei den großen Einkünften seines Erzbisthums überaus mäßig, und war auch noch in seinem hohen Alter eben so streng gegen sich, als er es in seinen erstern Mönchsjahren hatte sein müssen, hing auch beständig und bis an seinen Tod an seinem Franciscanerorden.

Jetzt, nach Ferdinands Tode, führte Ximenes mit außerordentlicher Klugheit und Standhaftigkeit die Regentschaft, obgleich der schon lange unzufriedene Adel wider ihn war. Carl, welcher selbst gern noch bei Lebzeiten seiner Mutter regieren wollte, forderte ihn schon von Gent aus zu Niederlegung der [13] Regierung auf; und Ximenes, wiewohl er anfangs kein Gehör dafür hatte, gab, da es der Wille der Castilianischen Stände war, nach, und übertrug das Königreich Castilien Carln in dem besten Flor. In Aragonien hörten die Stände auf den König gar nicht, wenn er von seinem Regierungsantritt sprach, sondern er erhielt solche erst nach dem Tode seiner unglücklichen Mutter. Gleich nach der Ankunft des jungen Königs in Spanien starb Ximenes, vermuthlich durch Gift.

Daß Carl unter dem Namen Carl V. auch die Deutsche Kaiserwürde, und dadurch an Franz I. von Frankreich einen heftigen Rival erhielt, ist bereits in dem angezogenen Art. (Th. I. S. 225) erwähnt worden. – In Spanien war er in den ersten Jahren seiner Regierung wenig beliebt, indem er oft zu willkührlich verfuhr und ganz ungewöhnliche Auflagen einführte, hauptsächlich aber, weil er bloß geborne Niederländer zu den Spanischen Landes- und Hofstellen beförderte: denn so erhob er nach des Ximenes Tode einen Niederländer zu dem Erzbisthum Toledo; einem andern, Namens Adrian, übertrug er während seiner Abwesenheit die Reichsverwesung etc. Ein solches Benehmen mußte freilich die Nation beleidigen, die überdieß nicht einmahl wünschte, daß ihr König die Kaiserkrone suchte, indem sie voraus sahen, daß er nur die wenigste Zeit bei ihnen sein und das Reich in unendliche Kriege mit Frankreich verwickeln würde. Es entstand sogar eine Art Empörung gegen ihn, welche jedoch der Adel nicht ganz allgemein werden ließ. Doch ward in der Folge Carl viel nachgiebiger, auch mäßiger gegen seine Spanier; und dieß söhnte ihn völlig mit ihnen aus.

Carl, der, zwar selbst ein guter Feldherr, doch auch gute Generale in seiner Armee hatte, verstand die große Kunst, Kriege auf fremdes Gebiet zu spielen, daher er auch die meisten seiner Kriege in Europa entweder in Italien oder Frankreich, oder in Deutschen ihm nicht gehörenden Ländern zu führen wußte. Eben so verlor er bei seinen häufigen Kriegen nichts von seinen weitläuftigen Staaten, brachte aber vieles dazu, z. B. in Afrika und Asien, auch in Italien das Herzogthum Mailand, das er an seinen [14] Prinzen Philipp als Lehn übertrug. – Als König von Sicilien gab er dem Johanniterorden 1530 die Insel Maltha als ein Venetianisches Lehn (S. den Art. Johanniterritter, Th. II. S. 271.).

Theils durch Strapazen, theils durch Geschäfte ermattet und geschwächt, legte er, nachdem er schon mehrere Jahre zuvor es dahin gebracht hatte, daß sein Bruder, König Ferdinand, von den Deutschen Reichsständen zum Römischen König war gewählt worden, noch bei seinen Lebzeiten die Regierung, sowohl als Deutscher Kaiser als auch als König, nieder, trat seine Erbreiche an seinen einzigen Prinzen, den zeitherigen Herzog von Mailand, ab, legte nicht lange darauf auch die kaiserliche Regierung nieder, und ging nach Spanien, wo er zwar noch einige Zeit regierte, aber im folgenden Jahre, 1556, alle seine übrigen Reiche und Lande an Philipp abtrat, sich selbst aber in das prächtige Hieronymitenkloster St. Just in der Provinz Estremadura begab, in welchem er nach zwei Jahren, 1558, starb. – Wohl möglich ist es, daß Carln, wie man sagt, die Abtretung seiner Erbstaaten wieder gereuet habe, zumahl da sein Sohn, Konig Philipp, die mäßige Pension von zwanzigtausend Spanischen Ducaten nicht richtig an ihn auszahlen ließ. Gewiß aber ist es, daß es ihn reuete, nicht seinen Sohn Philipp, sondern seinen Bruder Ferdinand zum Römischen Könige befördert zu haben, den er auch vor seinem Abgange aus den Niederlanden zur Verzichtleistung auf die Kaiserkrone zu vermögen suchte, wiewohl vergebens; denn Ferdinand kam nun zur kaiserlichen Regierung.

Noch nie war Spanien so groß gewesen, als zu der Zeit, wo Carl dasselbe an seinen Sohn Philipp abtrat. Man nannte daher auch in den damahligen Zeiten Spanien bloß wegen seiner ungeheuern Besitzungen in Europa Imperium Europae, ja, man hätte es Imperium mundi nennen können. Jede Europäische Macht fürchtete Spanien: denn es hatte überall die Ueberlegenheit; und sein mächtiger Nachbar, Frankreich, welches der Größe Spaniens zeither immer sich zu widersetzen strebte, mußte am Ende bloß auf seine Selbsterhaltung gegen Spanien bedacht sein. Hätte nun Philipp – unter den Königen [15] Spaniens insgemein Philipp II. –4 mit eben solchen Maximen regiert wie sein Vater, so würde, da er die großen Bergwerke in Mexico und Peru, außer denen in Spanien, in seiner Gewalt hatte, Europa haben zittern müssen. Sein Vater übergab ihm alle Besitzungen in einem blühenden, auch ziemlich ruhigen Zustande, und hatte nicht lange vor deren Abtretung noch die Verheirathung mit Marien, regierenden Königin von England, vermittelt, welche ihm, wenn auch nicht Aussicht auf diese Krone, doch zum wenigsten Hoffnung einer künftigen Allianz oder doch eines friedlichen Verhältuisses gewährte. Allein sein unbändiger Stolz, seine Härte, Rachsucht und Religionswuth ließen gleich beim Antritt seiner Regierung den künftigen Verfall der Spanischen Monarchie voraussehen; und wirklich war er es, der den ersten Grund zu dem Herabsinken legte. Vergl. Art. Philipp II Th. III. S. 416. flg.

Philipp II. nachdem er in den ersten Jahren seiner Regierung von den Niederlanden aus seine Staaten beherrscht hatte, ging nach dem Tode seiner Gemahlin, Marie, nach Spanien, und richtete Madrit statt des zeitherigen Toledo zur Residenz ein. Seine Härte und Bedruckungen gegen die Niederländer, so wie den Erfolg davon zeigt der angezogene Art. ingl. der Art. Niederlande, Th. III. S. 251 flgg. – Mit welchem Rechte die Spanischen Geschichtschreiber Philipp den Beinamen Prudens beilegen, ist nicht einzusehen, da sein eben an dem angezogenen Orte geschilderter Charakter vielmehr jeden andern Härte und Grausamkeit bezeichnenden Beinamen verdiente. – Daß er bei seiner großen Strenge, bei seiner Härte und Grausamkeit den Haß seiner Unterthanen auf sich laden mußte, war natürlich, und dieß um so mehr, wenn sie sich in ihrer Religion gekränkt sahen, wie es besonders der Fall mit den Niederländern war, die er durch den Herzog Alba, bisherigen Vicekönig von Neapel, auf das tyrannischste verfolgen ließ (m. s. Th. III. S. 417 flg.) so sehr [16] sich auch seine Schwester, Margarethe, welche schon einige Zeitlang als Gouvernante bei den Niederländern gestanden hatte, bemühete, ihm, dem Könige, gelindere Gesinnungen beizubringen, auf welche er aber nicht achtete. Eben so schreiend war seine Grausamkeit gegen die Moriskos (s. a. angef. O. S. 418) die er durch seinen natürlichen Bruder, Don Juan (der zuletzt noch in völliger Raserei starb), bekämpfen ließ. Daß er aber nicht bloß seine Unterthanen, sondern auch seine eignen nächsten Verwandten mit gleich großer Härte und Grausamkeit behandelte, dieß erfuhr sein eigner Kronprinz, Don Carlos, und seine dritte Gemahlin, Isabelle. (S. Don Carlos Th. I. S. 232 f.) Indessen wurde dennoch sein Stolz gebeugt, theils durch die Zerstörung seiner unüberwindlichen Flotte (s. Th. III. S. 418), theils durch die völlige Empörung, welche gegen den Wüthrich, Alba, ausbrach, so daß endlich unter seinem Enkel Philipp IV. die Niederlande als völlig freie, unabhängige Staaten mußten erklärt wer den.

Philipp II. starb im J. 1604, indem er seinem Sohne, Philipp III. zwei sehr lästige und kostspielige Kriege, den wider England (dessen Veranlassung Th. III. S. 418 angeführt worden), und den mit seinen Niederländern, hinterließ. Jener wurde indessen bald durch den Frieden, den beide Könige, Philipp III. und Jacob I. abschlossen, geendet; und dieser zwar einige Zeit fortgesetzt, allein Philipp III. sah sich doch nachher genöthigt, mit seinen Niederländern einen zwölfjährigen Waffenstillstand zu machen, und sie inzwischen in der Ausübung ihrer Religion ungekränkt zu lassen. – Philipp III. nun, zwar weniger hart und stolz wie sein Vater, aber auch weniger talentvoll, war bloß ein Spiel seines allgewaltigen, herrschsüchtigen und geitzigen Staatsministers, des Cardinals Lerma, und seiner hohen Geistlichkeit, und schadete mithin bei dem mindern Grade von Härte seinen Staaten weit mehr, als jener. Die unschuldigen Saracenen wurden von der Geistlichkeit als böse und für den Staat gefährliche, den Umsturz des königlichen Throns beabsichtigende Unterthanen verschrieen, und der König ließ sie, so sehr es ihm auch einige Minister widerriethen, insgesammt aus seinen Staaten [17] bringen, ihre Kinder aber, die man noch für unverdorben hielt, mit Gewalt wegnehmen und in Christen umwandeln. Auf diese Art entzog er seinen Ländern auf eine Million der besten und arbeitsamsten Unterthanen. – War Philipp III. auch nicht kriegsüchtig, so konnte man ihn doch leicht zur Theilnahme an einem Kriege vermögen: dieß beweist die Allianz mit Oestreich, die in der Folge mehrern Staaten, besonders aber den protestantischen Ständen in Deutschland, sehr verderblich ward. Er starb 1621 mit der Reue, daß er (wenn er auch gleich während seiner sechzehnjährigen Regierung nichts von seinen Besitzungen eingebüßt hatte) doch durch seinen blinden Religionseifer dieselben sehr entvölkert habe. Sein Sohn und Nachfolger, Philipp IV. von weit mehrern Fähigkeiten als sein Vater, überließ sich, voller Abneigung gegen Regierungsgeschäfte, vielmehr Ausschweifungen jeder Art. Dies mißbrauchte der Graf Olivarez, sein erster Staatsminister und Liebling zugleich. Dieser Mann, nicht ohne natürliche Talente und Kenntnisse, führte eigentlich die Regierung, war aber dabei so streng und übermüthig, daß am Ende alle übrige Minister ihre Stellen aufgaben.

Philipp IV. mußte gleich nach seiner Thronbesteigung den Krieg mit seinen Niederländern anfangen. Der oben erwähnte 12jährige Waffenstillstand ging zu Ende; auch hatte seine Großtante, Isabelle, vermählt an den Erzherzog Albert von Oestreich, an welche jene treu gebliebenen Provinzen unter der Bedingung waren überlassen worden, daß, wenn sie kinderlos stürben, sie wieder an Spanien zurückfallen müßten – mit ihrem Gemahl kein Kind erzeugt. Da nun nach Absterben dieser Oestreichischen Nebenlinie die gesammten Niederlande vertragsmäßig wieder an sein Haus zurückfallen sollten; so mußte jetzt, da eine gütliche Vereinigung jener Provinzen nicht zu erwarten war, nach Ablauf des Waffenstillstandes, der Erzherzog Albert, durch Spanische Truppen unterstützt, den Krieg wieder gegen sie erneuern. Allein die Niederländer, auf Frankreichs Unterstützung rechnend, konnten bei der Schwäche Philipps, der auch noch in andre Kriege sich verwickeln ließ, wohl berechnen, daß man nichts wider sie ausrichten würde; kurz, es kam [18] beim Westphälischen Frieden so weit, daß er sie als freie und unabhängige Staaten anerkennen mußte; aber leider! verlor an ihnen auch zugleich das Deutsche Reich einen bedeutenden ansehnlichen Stand. – Gleiches Unglück hatten Philipps Waffen in dem Kriege in Italien, in dem Kriege gegen Frankreich und in dem gegen England. Verlust und Beschimpfung war allenthalben sein Loos. So kam es, daß endlich selbst seine eignen Unterthanen, theils durch seine Bedrükkungen und schweren Auflagen, theils durch das Beispiel der Niederländer gereizt, sich wider ihn empörten, zum Theil aber auch von ihm gänzlich losrissen. Das letztere war der Fall mit Portugal, welches an den Herzog von Braganza, den nachherigen König Johann IV. fiel, bei dessen Stamm es noch gegenwärtig ist. Das Königreich Neapel, Catalonien und Andalusien wurden mit Mühe wieder besänftigt.

Dieß war die unglückliche drei und vierzigjährige Regierung Philipps IV. unter welcher das große, und, seit Ferdinand dem Katholischen, allgewaltige Spanien auf eine ganz unerwartete Weise gesunken, und so sehr geschwächt war, daß es nicht einmal das kleine Portugal durch eigne Kräfte besiegen konnte, zugleich aber auch sein ganzes Ansehen unter den Europäischen Mächten verlor. Für seinen einzigen Prinzen, Carl, erst 5 Jahr alt, mußte die Mutter, Maria Anna, Kaiser Ferdinands III. Tochter, die Regentschaft übernehmen; allein der Einfluß, den der von ihr aus Deutschland mitgebrachte Jesuit, Neidhardt, auf sie hatte, erregte, zumahl da auch verschiedene Plätze in den noch übrigen Spanischen Niederlanden an Frankreich verloren gingen, gegen die Königin Mutter bei der Nation ein so großes Mißvergnügen, daß der junge erst 17jährige Prinz die Regierung als König unter dem Namen Carl II. wider Willen seiner Mutter annehmen mußte. Allein auch dieser Wechsel konnte die blühende Monarchie nicht wieder herstellen: Menschenleer, wie es war, in drükkender Armuth der Kleinste wie der Größte, ein eben nicht talentvoller Fürst – unter solchen Umständen konnte ein zerrüttetes Reich unmöglich wieder emporkommen. Ja, beim Tode Carls II. im J. 1700 war der Mangel des baaren Geldes so groß, daß zu seinem [19] Begräbnisse – ein Fall, unter den Europäischen Regenten einzig in seiner Art! – Darlehne aufgenommen werden mußten.

Nach Carls II. Tode – er starb, obgleich zweimahl verheirathet, ohne männliche Descendenten – traten zwei Kronprätendenten auf einmahl auf, nämlich Philipp, Herzog von Anjou, zweiter Enkel König Ludwigs XIV. in Frankreich, und Erzherzog Carl von Oestreich, zweiter Prinz Kaiser Leopolds 1. Beide brachten es dahin, daß sie von der Spanischen Nation als Könige ausgerufen wurden, ersterer unter dem Namen Philipp V. und letzterer als Carl III. Dieser hatte auf jeden Fall ein besseres Recht, als jener; allein die Waffen des Großvaters ersetzten, was dem Enkel an seinem Rechte abging. Hieraus entstand denn der bekannte Spanische Erbfolgekrieg (dem wir einen besondern Art. widmen), und welcher endlich 1713 wider Vermuthen zu Philipps Vortheil ausfiel. Philipp V. würde das so tief gesunkene Spanien gewiß wieder emporgebracht haben, wenn er der Regierungsgeschäfte sich thätiger angenommen, und weniger seinem Projektsüchtigen Minister, Alberoni, einem gebornen Italiäner, Gehör gegeben hätte. Dieser spiegelte dem Könige die Wiedererlangung der sonst bei Spanien gewesenen Italiänischen Staaten, Mailand, Neapel, Sicilien und Sardinien, die dieser nicht vergessen konnte, sehr leicht vor, und überredete den König, daß er ganz in der Stille eine Expedition anordnete, seinem Admiral, dem Marquis de Lele, 1717, zum Einschiffen Befehl, und die schriftliche Ordre, die dieser erst auf der Höhe der See öffnen durfte, ertheilte, vor allen Sardinien, dann Neapel und endlich Sicilien zu erobern. Allein, obgleich de Lele die Hauptstadt Cagliari, da der Ueberfall so unvermuthet kam, eroberte, so nahm sich doch sogleich England Sardiniens an, und schlug durch den Admiral Pink die Spanier, eben so brach Oestreich durch Italien ein – kurz, Philipp zog den Kürzern, und mußte nun auf jene im Utrechtischen Frieden verlornen Länder förmlich Verzicht leisten; indessen mußte dagegen auch Kaiser Carl VI. dem Don Carl, Philipps älterm Sohne, die Herzogthümer Parma und Toskana, als Reichs-Mannlehne versprechen, und – [20] was bisher noch nicht geschehen war – selbst auf die Spanische Monarchie renunciren. Jedoch erhielt Carl erst 1729 die Eventualbelehnung, und 1731 den Besitz.

Ganz unvermuthet trat Philipp V. 1724 die Regierung an seinen ältern Prinzen erster Ehe, Ludwig, ab; einen vortrefflichen Fürsten von Talenten und Geschicklichkeit, der sich die Liebe jedes Spaniers zu erwerben wußte, leider! aber zu früh starb. Jetzt nahm Philipp V. wiewohl ungern die Regierung wieder an. Seine zweite Gemahlin, Elisabeth, die ihn am meisten dazu bewog, ward die Veranlassung, daß Philipp 1732 durch seinen Feldherrn, den Herzog von Montemar, die Algierer, auch das Jahr darauf den Kaiser Carl VI. nochmahls bekriegte; wiewohl diese zwei Kriege das Ansehen Spaniens wieder in etwas erhöheten, indem in dem ersteru die schon 1708 verlornen zwei Spanischen Festungen in Afrika, Oran und Masarquivir, wieder erobert wurden, der letztere aber dem Don Carl, gegen Abtretung der beiden Herzogthümer Parma an Oesterreich, und Toskana an Lothringen, die beiden Königreiche Neapel und Sicilien verschaffte, die er als ein einziges zusammen vereinigtes Königreich unter dem Titel beider Sicilien erhielt. Auf Elisabeths Antrieb nahm auch ihr Gemahl 1740 an dem sogenannten Oesterreichischen Erbfolgekrieg Theil, wodurch er denn für den jüngsten Prinzen, Don Philipp, die Herzogthümer Parma, Piazenza und Guastalla erhielt, welche Maria Theresia an ihn abzutreten genöthiget wurde.

Philipp dem V. (er starb 1746) folgte sein zweiter Prinz erster Ehe, Ferdinand VI. ein sehr braver Fürst und guter Regent, der auch seiner Stiefmutter Elisabeth nicht den mindesten Einfluß in die Geschäfte erlaubte, vielmehr mit England und Oestreich 1748 zu Aachen auf eine vortheilhafte Weise Frieden machte, alsdann unter beständigem Frieden regierte, und sein Reich, das er leider nur 13 Jahre beherrschte, bei seinem Tode in einem blühenden Zustande hinterließ. Sein Tod erfolgte aus Gram, der am Ende in Raserei überging, über den Verlust seiner trefflichen Gemahlin, Maria Barbara, einer Portugiesischen Prinzessin, im J. 1759.

Sein Stiefbruder, Carl, der bisherige König beider [21] Sicilien, folgte sowohl nach Successionsrecht, als auch nach Ferdinands Testamente, unter dem Namen Carl III. Um nun die beiden Königreiche, Neapel und Sicilien, welche schlechterdings mit Spanien nicht vereint werden durften, bei seiner Descendenz zu erhalten, da sie eigentlich vermöge des Präliminarvergleichs zu Wien 1735, und des Friedens 1748 nunmehr an seinen Bruder, Don Philipp, bisherigen Herzog von Parma, kommen sollten, erklärte er, ehʼ und bevor er nach Spanien ging, seinen zweiten Prinzen Carl zum Prinzen von Asturien, das heißt, zum Kronprinzen und künftigen König von Spanien, und seinen dritten und jüngsten, erst 8 Jahr alten, Ferdinand zum Könige beider Sicilien; dem ältesten, Philipp, der wegen seiner Geistesschwäche zur Regierung unfähig war, gab er eine standesmäßige Pension. Carl III. (dessen Gemahlin Maria Amalia, des Königs von Pohlen und Churfurstens von Sachsen, Friedrich Augusts III. Prinzessin war, aber schon 1760 starb) wurde, nachdem er schon 1775 einen nicht vortheilhaften Krieg gegen Algier erregt hatte, 1779 in den Amerikanischen Revolutions-Krieg gegen England mit verwickelt, in welchem er, in Verbindung mit Frankreich, die Amerikaner sehr unterstützte. Uebrigens veranlaßten Er, sein Sohn Ferdinand IV. König beider Sicilien, und Ludwig XV. König von Frankreich den Pabst Clemens XIV. (Ganganelli), daß er den Jesuiterorden aufhob, wodurch nachher durch Einziehung der Güter dieses Ordens seine Cinkünfte sehr vermehrt wurden; er selbst aber schränkte in seinem Reiche die Inquisition, die bisher, zur Schande der gesunden Vernunft, so sehr gewüthet hatte, in etwas ein. Sein Tod erfolgte erst 1788 nach einer beinahe 55jährigen Regierung, unter welcher der Wohlstand Spaniens nicht wenig erhohet worden war. Auch sein Sohn, der gegenwärtige König von Spanien, Carl IV. liebt eigentlich nicht den Krieg, wenn er nicht bei der jetzigen unglücklichen Katastrophe durch Englands Eigennutz dazu vermocht würde; und es ist gewiß, daß er, unter günstigern Umständen, zur Beforderung des Glücks seines Reiches nicht wenig beitragen könnte.

[22] Ob nun wohl seit Philipp IV. vieles von der Spanischen Monarchie nach und nach abgerissen worden ist, so gehört dennoch dieses Reich noch heutiges Tages mit unter die größten Königreiche. Der Flächeninhalt desselben beträgt bloß in Europa beinahe an die 9000 geographische Quadratmeilen, und bildet eine ordentliche Halbinsel. Gegen Morgen grenzt es an Frankreich, von welchem es durch die Pyrenäischen Gebirge getrennt wird; gegen Norden an das Atlantische oder Biscaysche Meer; gegen Abend theils an den Ocean, theils an Portugal; und gegen Mittag an das Mittelländische Meer, welches mit dem großen Ocean durch eine Meerenge zusammenhängt. Trotz des großen Flächeninhalts ist Spanien doch bei weitem nicht hinlänglich genug bevölkert; und sicher könnte dasselbe, mit der Größe und der Volksmenge des benachbarten Frankreichs verglichen, beinahe noch zweimahl mehr Menschen fassen, als es gegenwärtig hat. Die Volkszahl Spaniens, welche von den meisten der heutigen Statistiker gegen 8 Millionen geschätzt wird, ist zuverlässig zu niedrig, da man bei der allgemeinen Volkszählung 1757, 1 Million 987, 800 Familien heraus brachte, und, jede von diesen zu fünf Personen angenommen, schon beinahe 10 Millionen herauskommen. Ueberdieß geschah damahls die Zählung, als bloße Finanzspeculation, nicht mit zu großer Genauigkeit; ja, es blieb auch die ganze Geistlichkeit – deren Anzahl in Spanien Legion heißt – von dieser Zählung ausgeschlossen; mithin kann man die jetzige Volksmenge ohne Uebertreibung auf 10 Millionen ansetzen. – Die Ursachen der minder großen Bevölkerung Spaniens liegen theils in den bei dem hitzigen Klima zu stark erfolgenden Ausschweifungen der jungen Leute, theils in der unter Ferdinand dem Katholischen erfolgten Vertreibung der Saracenen und Juden, und nachher der Moriskos und Maranen; auch die Inquisition, deren Verfolgung so viele Fremde, insbesondere Protestanten, sich hier zu domiciliren zurückschreckt, hat ihren Antheil eben so wie der zu zahlreiche ehelose geistliche Stand daran; daß endlich die Regierung Manufakturen und Fabriken zu wenig unterstützt, giebt eben sowohl als die zu großen Abgaben, die in jeder Art ungeheuer sind, Grund genug zu der geringen Bevölkerung ab, besonders da in Ansehung [23] der letztern die Eigenthümer weltlicher Besitzungen den durchaus freien Clerus übertragen, und Fabrikanten die verfertigten Waaren bei der Ausfuhr ins Ausland ganz übermäßig verzollen müssen.

Die Spanier, welche – dieß ist ihr eigenthümlicher Charakter – sehr auf äußerlichen Glanz sehen, und höchst ceremoniös sind, auch nicht selten mit Stolz und Verachtung auf andere Nationen herabsehen, sind tapfer, und lieben auch sehr die Zweikämpfe; eben so finden sie an den Stiergefechten viel Vergnügen, welches eigentlich nicht die beste Idee von der Sanftmuth ihres Charakters giebt; und doch sind sie äußerst galant gegen das schöne Geschlecht, aber auch zugleich so eifersüchtig, daß nur selten der Gatte seine Gattin, wenigstens nicht ohne Begleitung, ausgehen läßt.

Spanien liegt unter einem sehr heißen Himmelsstriche; daher weiß man auch wenig vom Winter, ja es ist nichts seltenes, die Felder in manchen Gegenden, z. B. in Castilien, Valencia und Murcia, mitten in den Wintermonathen grünen zu sehen. Indeß so unerträglich im Sommer die Hitze am Tage ist, so kalt sind dagegen die Nächte. Es gehört aber zu den gesegnetsten Ländern in Europa; das zeigt schon die Schilderung des Römischen Dichters Claudian: Dives equis, frugum facilis, pretiosa metallis. Fast an allem, was die Natur den Menschen geben kann, hat dasselbe Ueberfluß. Baumfrüchte jeder Art, Zitronen, Pomeranzen, Corinthen, Oliven, Mandeln, Kastanien u. s. m. bringen jährlich große Summen in das Land. Auch der Getraidebau würde in den meisten Gegenden Spaniens gut fortkommen, wenn er besser betrieben würde; allein der Spanier ist in Bearbeitung seiner Felder zu nachlässig und zu bequem, und er erbaut nicht mehr, als seine Bedürfnisse erheischen. An Gehölzen überreich, zieht es von den hohen Gebirgen sein Schiffsbauholz; das übrige wächst allenthalben in hinlänglicher Menge. Der Seidenbau ist bei dem Gedeihen der Maulbeerbäume sehr bedeutend, besonders in Castilien, Andalusien, Granada, Murcia und Valencia; und es wird jedes Jahr eine große Quantität roher Seide auswärtig verfahren, da die Spanischen Seidenfabriken selbst unbedeutend sind. In eben diesen Gegenden giebt es auch das vortrefflichste [24] Obst in unsäglicher Menge. Die Viehzucht zeichnet sich blos in Hinsicht der Pferde und Schaafe aus. Andalusien und Asturien geben vortreffliche und dauerhafte Pferde, welche ins Ausland, besonders nach Frankreich und England, für schweres Geld verkauft werden. Die Schaafzucht aber ist hier mehr, als in irgend einem Europäischen Reiche im Flor. Fast der größte Theil des Vermögens des Adels und andrer bedeutenden Privatleute besteht in Schaafheerden; und nicht selten hält mancher Aoliche auf seinen großen Gütern 40 und mehrere tausend Schaafe: so wie man überhaupt die Anzahl der Schaafe in Spanien über 5 Millionen schätzt. Diese Schaafheerden, welche ehedem blos die Krone hielt, sind das ganze Jahr hindurch in freier Luft, welches der Wolle sehr zuträglich ist. Und ob zwar gleich alle Wolle von den Spanischen Schaafen gut ausfällt; so ist doch die, welche in der Mitte des Reichs, z. B. in Castilien und Andalusien, gewonnen wird, die feinste, beste und im Ausland geschätzteste. Durch die Ausfuhr der Wolle nun nach England, Frankreich, Deutschland und der Schweiz kommen jährlich über 8 Millionen Thaler nach Spanien, wovon 2 Millionen an die Krone fallen; und noch einträglicher würde dieses Product sein, wenn es in Spanien selbst verarbeitet würde; welches bei der geringen Anzahl der Manufakturen- und Fabriken nicht der Fall ist, so leicht es auch wäre, diesen aufzuhelfen, wenn die Regierung sich entschließen wollte, Unternehmungen der Art zu unterstutzen, und besonders fremde Fabrikanten unter günstigen Bedingungen ins Reich zu ziehen. – Bei dem so warmen Himmelsstriche Spaniens gedeihen auch hier die meisten und besten Weine, besonders in Castilien, Valencia, Aragonien und Navarra. Doch sind die meisten Spanischen Weine süß, obgleich in einigen Gegenden, welche ehedem Kaiser Carl V. mit Reben aus den Deutschen Rheinlanden versorgte, auch Weine von säuerlichem Geschmacke erbaut werden. Die höchst bedeutende Weinausfuhre in die meisten fremden Länder und Reiche geschieht, so lange er über Spanisches Gebiet geschafft wird, durch Schläuche, welche, so oft es nöthig ist, in die Flüsse gelassen werden, um ihn dadurch frisch zu erhalten. – Auch das in Menge ausgeführte Seesalz macht einen [25] bedeutenden Artikel für Spanien aus. – Sehr wichtig aber sind seine Bergwerke, die vor allen Europäischen Reichen hier am reichsten und ergiebigsten sind. Wie viel Gold und Silber ehedem aus Spanien geschleppt wurde, ist bereits erwähnt worden. Ja, es ist gewiß, daß bis zur Entdeckung Amerikaʼs dieses Reich fast ganz Europa mit dem benöthigten Gold und Silber versorgte. Allein seitdem haben die Spanier mit Schonung ihrer Vergwerke, alles Gold und Silber aus Chili, Merico und Peru geholt (man rechnet auf 9000 Mill. Piaster, welche Spanien bis 1740 von dort gezogen hat; ja noch jetzt soll der Ertrag von den dortigen Bergwerken jährlich über 5 Mill. betragen): mithin könnte Spanien einen etwaigen Verlust seiner Amerikanischen Besitzungen wohl dereinst verschmerzen. Eisen aber bricht man heut zu Tage in Spanien beständig und viel.

Das Königreich Spanien ist ein Erbreich; und zwar succedirten bis zu Philipp V. Prinzen und Prinzessinnen nach der Nähe der Verwandtschaft durch einander. Unter Philipp V. aber wurde die Succession dahin bestimmt, daß, ehʼ und bevor eine Prinzessin auf den Thron gelangen kann, alle Prinzen sämmtlicher Linien abgestorben sein müssen, und daß selbst unter diesen allemahl der Erstgeborne durch alle Linien vor den übrigen den Vorzug hat: kurz, es wurde nunmehro die Primogenitur festgesetzt. – Die Könige aller jener kleinen Reiche, aus welchen ehedem Spanien bestand, waren in ihren Regierungsrechten durch Reichsstände sehr eingeschränkt; diese wurden aber von Ferdinand dem Katholischen zuerst geschwächt, und ihre Freiheit von Philipp II. ganz und gar vernichtet. Diese Reichsstände hat auch jetzt Spanien noch; aber ihr Ansehen ist von gar keiner Bedeutung, und der König nicht im mindesten an ihren Willen gebunden. – Der allgewaltige Justiza war bis zu Philipp II. eine sehr erhabene Person, die blos im Range dem Könige nachstand, aber weit mehr Gewalt als selbst der König hatte. Er repräsentirte die Stände gegen den König außer den Reichsversammlungen, konnte alle königliche- und Landescollegien untersuchen, Abänderungen nach seinem Gefallen in solchen vornehmen, auch sogar Glieder ein- und absetzen, und war wegen seiner Handlungen [26] nicht dem Könige, sondern blos den Reichsständen, als seinen Committenten, verantwortlich, bei welchen auch nur der König ihn verklagen konnte. Ferdinand der Katholische fing zuerst an, ihn einzuschränken, und Philipp II. schaffte ihn gänzlich ab.

In Spanien giebt es einen hohen und niedern Adel. Der hohe Adel, wozu auch die Prinzen des Hauses gehören, zerfällt in 3 Classen, in Herzoge, Marquis und Grafen. Sämmtliche Personen des hohen Adels nennt man Titulados, die des niedern aber heißen Cavalleros oder Hidalgos. Erstere, die Titulados, haben großen Rang in und außer dem Königreiche, noch weit höhern aber die Grandes, wozu jedoch eben nicht der hohe Adel erforderlich ist. Die Würde eines Grand (Grandeza) ertheilt allein der König nach Gefallen, meist erblich, auf männliche und weibliche Descendenten; und von dieser Spanischen Grandeza hängen große Vorzüge ab, die jedoch blos auf Ehre und äußerliches Ansehen abzwecken; z. B. daß so ein Grand vor dem Könige, ehe dieser spricht, sein Haupt bedecken, daß derselbe neben seinem Wagen einen Lauser haben, und in der Stadt Madrit mit 4 Maulthieren fahren darf; daß er bloß vor dem Könige verklagt werden; daß er in seinem Hause einen Thron mit einem Himmel haben kann etc. Ueberdieß nennt der Konig diese Grandes, so oft er an sie schreibt, oder mit ihnen sich mündlich unterhält, Väter. – Ein jeder vom hohen Adel hat das Recht, seinem Namen den Titel Don (Dominus) vorzusetzen, welchen selbst auch der König und die Prinzen vom Hause zu führen pflegen.

Der König von Spanien heißt Katholische Majestät, und jeder königliche Prinz des Hauses Infant, der Kronprinz auch noch, seit Johann II. Prinz von Asturien, jedoch muß er vorher von den Ständen als solcher proclamirt, und vom Könige bestätigt worden sein. Mithin ist dieser Titel für ihn nicht erblich, wohl aber das Recht zur Thronfolge, weil die Primogenitur gilt. Die Volljährigkeit des Kronprinzen und deren Bestimmung hängt einzig und allein von dem Willen des Königs ab, den er durch Testament, oder irgend eine feierliche Urkunde, erklären kann. Wäre dieß auch nicht geschehen, so kann [27] sich der junge König selbst nach Gefallen für volljährig erklären. Ueberhaupt ist die Gewalt der Könige von Spanien heut zu Tage überaus groß, indem sie niemanden verantwortlich sind.

Die jährlichen Einkünfte der Könige von Spanien rechnet man an 46 Millionen Piaster (nach unserm Gelde fast eben so viel Millionen Rthlr.), welche aus mehreren und verschiedenen Quellen herfließen, aber noch beträchtlicher sein würden, wenn hauptsächlich die Regierung den Fleiß der Unterthanen aufmunterte, und die Landesproducte im Reiche verarbeiten ließe. So groß nun aber auch diese Einkünste sind, so gehen sie dennoch jährlich auf, und es kommt nichts davon in den Schatz; ja, seit langer Zeit schon, so oft Spanien in einen Krieg verwickelt worden, ist es zu baaren Anleihen in dem Auslande genöthiget gewesen. Eben so erregt es Erstaunen, daß Spanien, welches unter allen Europäischen Mächten die reichsten und ergiebigsten Gold- und Silberbergwerke hat, sogar seine Zuflucht zu Kupfermünzen nehmen muß, und sein Gold und Silber den Fremden in Barnen zukommen läßt. Gewiß eine nicht zu lobende Staatswirthschaft! – Auch wundert man sich mit Recht, daß Spanien seine Colonialwaaren den Ausländern nicht selbst zufuhrt, sondern zuläßt, daß sie solche selbst holen, ja sogar nach Spanien einführen dürfen, da doch seine Marine bisher immer noch, wenigstens zum Transport der Waaren und deren Eskortirung, bedeutend genug ist.

Die vornehmsten Collegien in Spanien sind: 1) der Staatsrath, aus 6, auch mehreren Ministern bestehend, nach unserer Art, das Cabinett für die ausländischen Affairen; 2) der höchste königliche Rath für die inneren Regierungsgeschäfte des Königreichs. Jedoch gehören die Geschäfte, welche Castilien betreffen, für 3) die Kammer von Castilien; 4) die Kammer der Alcaides, unter welcher das Hofpersonale steht; 5) der Kriegsrath; 6) der königliche Rath von Indien, vor welchem alle die Colonien betreffende Angelegenheiten; so wie 7) vor dem Finanzrath die sämmtlichen königlichen Einkünfte betrieben werden.

Ritterorden giebt es in dem Königreiche Spanien folgende Sieben, und zwar: 1) den Orden von [28] St. Jago zu St. Compostel, dem Apostel Jacob zu Ehren von Ferdinand II. Könige von Castilien, in der Absicht, die Mohren zu dämpfen, gestiftet. Dieser Orden, der geehrteste und reichste, besteht aus einem rothen schwertförmigen Kreuze, hat 5 Dignitäten, zwei Prioreien, und beide zusammen haben 87 Commenthureien; die Ritter beobachten die Regel des heiligen Augustins, genießen sehr große Präbenden, und dürfen sich verheirathen; 2) den Orden von Calatrava, von Sanctius III. Könige von Castilien, im J. 850 gestiftet. Das Zeichen ist ein rothes Kreuz. Der Orden hat 6 Dignitäten, mehrere Prioreien, 52 Commenthureien, auch 2 Mönchs- und 2 Nonnenklöster; die Ritter, welche nur einmahl sich verheirathen dürfen, übrigens die Regel der Cistercienser befolgen, genießen große Präbenden; 3) der Orden von Alcantara, von Ferdinand II. Könige von Leon gestiftet, hat ein lilienförmiges Kreuz zum Ordenszeichen, übrigens 5 Dignitäten, 2 Prioreien, welche aus 35 Commenthureien, 2 Mönchs- und eben so viel Nonnenklöstern bestehen. Die Ritter, von der Regel des heil. Benedicts, können ebenfalls heirathen. Diese Drei Orden waren wegen ihrer sehr großen Güter und Besitzungen von jeher die mächtigsten und bedeutendsten Reichsstände, die ehedem den Königen nicht selten widersprachen, auch wohl Anträge geradezu abschlugen. Wegen dieser Verweigerungen und Widersprüche suchte Isabelle bei allen drei Ordenscapiteln es dahin zu bringen, daß sie ihrem Gemahl, Ferdinand, die Ordensmeisterstellen übertragen; das beste Mittel, das Ansehen und den Einfluß des Adels herabzusetzen, und die königliche Macht mehr zu erhöhen. Carl I. brachte es gar dahin, daß die Meisterstellen aller Drei Orden beständig und auf immer mit der königlichen Krone verbunden wurden; – 4) der Orden von Monteza, eigentlich ein Aragonischer Ritterorden, hat 5 Ehrenämter, 2 Prioreien (aus 19 Commenthureien bestehend); 5) zwei Zungen des Johanniter- oder Maltheserordens, welche sehr große Besitzungen durch ganz Spanien und Portugal haben, die für jedes Jahr auf 500,000 Rthlr. eintragen. (Die Abtheilung solcher Zungen, deren jede von einem Großmeister regiert wird, s. m. in d. Art. Johanniterritter, Th. II. [29] S. 271.) Sie haben überhaupt 113 Commenthureien, 5 Monchs- und 8 Nonnenklöster, mithin auch sehr viel Ehrenämter (Dignitäten). Indessen wußte bei den durch den Revolutionskrieg erlittenen großen Abänderungen des Johanniterordens der jetzige König von Spanien, Carl IV. 1802 mit Genehmigung des Papstes, in Ansehung der beiden Spanischen Zungen dieses Ordens es dahin zu bringen, a) daß allemahl der regierende König, ohne Gelübde, der Großmeister beider Zungen werden, und die Aufnahme der Glieder in dem Orden von ihm allein abhängen solle; b) daß der König allein über die Revenüen des Ordens disponiren könne; c) daß keine Ordensgelder mehr an auswärtige Ordensglieder gehen, vielmehr für die Militär-Collegien, Hospitäler, Krankenhäuser u. s. w. verwendet werden; d) die Direction des Ordens der Kirche, und in der höhern Instanz dem Papste verbleiben; e) die Glieder, wie zuvor, an ihr zwiefaches Gelübde, des Gehorsams und der Keuschheit, gebunden sein sollen; – 6) der Orden des goldnen Vließes, von Philipp dem Guten, Herzog von Burgund und Brabant, zu Brügge in Flandern 1430 gestiftet, und vom Papst Eugen IV. 1434 bestätigt. Die Kette dieses Ordens besteht aus goldnen Gliedern (wie Feuersteine), an welchen unten ein Lamm – (eigentlich nur ein Lammsfell) mit dem Motto: Pretium non vile laboris, hängt. Eigentlich soll jeder regierende Herzog von Burgund Großmeister dieses Ordens sein; als aber Burgund an Oestreich kam, so wurde Maximilian I. auch Großmeister des Ordens. Kaiser Carl V. mit welchem Burgund an Spanien kam, vergab den Orden sowohl an Deutsche, als Spanier. Ob nun gleich nach Abtretung der Spanischen Niederlande an Oestreich (1713) der Orden einzig nur von Oestreich vergeben werden kann, so ertheilt dennoch Spanien denselben, freilich unter Oestreichs Widerspruch, und es giebt sonach sowohl Spanische, als Oestreichische Ritter des goldnen Vließes, obgleich eigentlich nur die Oestreichischen die ächten Ritter sind. Dieser Orden ist sowohl in Spanien, als in Deutschland, weil dort der König, und hier der Kaiser Ordensmeister, und sämmtliche Prinzen beider Häuser Ordensritter werden, sehr geehrt. Endlich 7) der Carks-Orden, von Carl III. [30] im J. 1771 bei der Niederkunft der Prinzessin von Asturien (der jetzigen Konigin) gestiftet. Dieser Orden, am himmelblauen Bande mit weißer Einfassung, enthält auf der einen Seite das Bildniß der Mutter Gottes, Maria, auf der andern das des Königs, Carl III. mit der Umschrift: Virtuti et Merito. Der jedesmahlige König ist Großmeister, und alle Prinzen des Hauses sind Ritter. Kein Ritter kann, die Prinzen allein ausgenommen, außer diesen Orden einen andern, als höchstens den des goldnen Vließes haben, und der niedrigste Ritter bekommt den Titel Excellenz.

Die allein herrschende Religion in Spanien ist die katholische; jeder andern ist nicht einmahl die Ausübung, höchstens die Hausandacht erlaubt. Die Inquisition (!) hat, außer dem hohen Tribunal zu Madrit, nicht weniger als 14 untergeordnete Inquisitionsgerichte; und der Clerus überhaupt ist hier am zahlreichsten. Nach einer Berechnung des Grafen Aranda faßt Spanien allein 157,805 Geistliche aller Art! Es giebt eine ungeheuere Anzahl Mönchs- und Nonnenklöster, viel Erz- und Hochstifte u. s. w. Erzbisthümer sind Acht, und Bisthümer 44. – Bei der großen Anzahl der Universitäten – es giebt deren 23, worunter die zu Salamanka (in Leon) die berühmteste ist – und der noch größern Menge der Schulen in den Klöstern, steht es dennoch in Spanien um die Wissenschaften und die Aufklärung nicht zum Besten; leider füllt ein wenig Theologie und aristotelische Philosophie den ganzen Studienplan der Spanier aus, und bloß das canonische Recht ist noch fast die einzige wissenschaftliche Branche, welche durch die Bemuhungen der Spanischen Gelehrten einige nicht unbedeutende Erweiterungen erhalten hat. Sieht man auf die vielen Inquisitionstribunglien, auf die unbegrenzte Büchercensur, wodurch mündliche und schriftliche Vorträge eingeschränkt werden: so darf man weniger darüber erstaunen, und es ist fast unmöglich, so viele Anlage und Neigung auch die Spanier zu den Wissenschaften von Natur haben mögen, daß sie in der Gelehrsamkeit berühmt werden können, und der Abstand des heutigen gelehrten Spaniens gegen das Alterthum, wo ein Quincrilian, beide Senekaʼs, Florus, Columella, Silius Italicus, Martialis u. m. lebten, ist um so auffallender; [31] und wenn auch die Inquisitionsgerichte (wir beziehen uns über ihre Abscheulichkeit nochmals auf diesen Art. Th. II. S. 232.) einiger Maßen eingeschränkt worden sind, so giebt es doch noch so manche unschuldige Opfer, die dem Hasse und der Rache durch jene aufgeopfert werden. Bei solchen Hindernissen der Aufklärung herrscht denn auch noch gegenwärtig in Spanien unter Vornehmen und Geringen viel Aberglaube, wovon man die auffallendsten Beweise häufig findet.

Was die Gesetze anlangt, so galten anfangs die Gewohnheitsgesetze der Westgothen. Alphons X. aber ließ sie ausdrücklich publiciren, und Ferdinand der Katholische dieser Gesetzsammlung die bisher erlaßnen Constitutionen einverleiben, und 1505 zusammen publiciren, deren Fortsetzung alsdann von Philipp II. bekannt gemacht würde. Diese Gesetze gelten auch noch heut zu Tage in Spanien, welche jedoch, wie die Deutschen, von dem Römischen und canonischen Rechte ünterstützt werden.

Spaniens Militär bestand bisher in Ansehung der Landmacht in Friedenszeiten ungefähr aus 100,000 Mann, meist Infanterie; in Kriegszeiten ist sie erhöht worden. Der Spanische Soldat ist brav, tapfer und mäßig, nur war die Anführung seit beinahe zwei hundert Jahren nicht immer gut; auch wurde der Militärstand bisher weder gehörig belohnt, noch geehrt. Alles dieß dürfte jedoch gegenwärtig, da Frankreichs heutiges Militärsystem auch in Spanien großen Eingang gefunden hat, sich ändern. Die Marine, welche unter Ferdinand, Carl I. und Philipp II. die erste in der Welt war, fing unter dem letzt genannten Könige an zu sinken, und kam immer mehr herab; doch läßt sich ihre allmählige Wiederverbesserung bei einem zum Seehandel so sehr geeigneten Reiche wohl mit Recht erwarten, zumahl da Spaniens viele und schöne Häfen, so wie die vielen zum Schiffsbau nöthigen Producte die schönste Gelegenheit darbieten. Auch ganz Europa würde dabei gewinnen, wenn Spaniens Marine und Handel zur See erhöhet und verbessert würde, damit nicht das ganze Continent sein baares Geld an das übermächtige und – übermüthige England hingeben dürfte.

[32] Unter den vielen und großen Flüssen, welche Spanien hat, sind die vorzüglichsten: 1) der Minho, entspringt in den Gebirgen zwischen Gallicien und Asturien, und ergießt sich an den Portugiesischen Grenzen ins Atlantische Meer; 2) der Tajo (Tejo), der größte unter den Flüssen Spaniens, welcher in Neu-Castilien, und 3) der Douro (Douero), der in Alt-Castilien entspringt, fließen beide durch Portugal ins Atlantische Meer; 4) der Guadiana (Lat. Anas); 5) der Guadalquivir (Lat. Baetis), ein sehr großer, Gold mit sich führender, Fluß, welcher an den Grenzen von Murcia und Andalusien entspringt, und auch ins Atlantische Meer fließt; 6) der Ebro (Lat. Iberus), zwischen Alt-Castilien und Asturien entspringend, ergießt sich unter Tortosa ins Mittelländische Meer; nach ihm wurde auch ganz Spanien Iberia genannt. – Bei so schönen und ansehnlichen Flüssen hat denn nun das gesegnete Spanien auch an Fischen, so wie bei den vielen Waldungen an Geflügel und Wildbret ebenfalls einen großen Ueberfluß; und es könnte sonach dieses Reich, wenn mehr Fleiß und Thätigkeit unter den Einwohnern wär, und überhaupt von Seiten der Regierung mehr gethan würde, bei seinen natürlichen Reichthümern eines der vorzüglichsten Reiche in der Welt werden – eine Aussicht, für welche der jetzige Zeitpunkt sehr günstig zu sein scheint, da das mit Spanien jetzt so genau verbundene Frankreich jenes immer mehr und mehr auf seine Vortheile aufmerksam macht.

Zum Schlusse sei es noch erlaubt, ein klassisches Werk über Spanien anzuführen, nehml. J. F. Bourgoing (Envoyé extr. de la rep. franc. en Suede, cidevant Ministre plenipot. a la cour de Madrid etc.) Tableau de lʼEspagne moderne, 3 Vol. a Par. 1803 (die 3te Ausg.).


Fußnoten

1 Wir hatten zwar an seinem Orte diesen Artikel zu Ende des fünften Theils zu liefern versprochen; allein die Starke, zu welcher dieser schon angewachsen war, verbunden mit dem Andringen des Herrn Verlegers, bei der bereits eingetretenen Ostermesse abzuschließen, nöthigte uns, diesen Artikel bis hierher zu verschieben. Wir bitten daher unsere Leser wegen dieser Unterlassungssünde – die wir lieber auf uns nehmen, als den ganzen wichtigen Artikel erst bis zu den zu liefernden Nachträgen aussetzen wollten – um Verzeihung.


2 Diese Saracenen, unter welchen Mahomed im J. 622 nach Chr Geb. eine neue Religion und ein neues Reich in Arabien stiftete, und dessen Regenten sich Caliphen nannten, wohnten anfangs in Arabien: als aber ihre Religion großen Beifall fand, so suchten sie sich zu erweitern und eroberten einen großen Theil von Asien und Afrika; ja, nachdem sie auch in Spanien eingedrungen waren, setzten sie sogar ihre Eroberungen bis nach Italien fort, indem sie den ganzen südlichen Theil desselben, auch Sardinien und Sicilien wegnahmen und ihrer Gewalt unterwarfen. In der Folge sind ihnen alle Europäische Besitzungen wieder durch andere Völker entrissen worden; und der Name Saracenen ist gänzlich aus der Geschichte verschwunden, statt dessen aber der Name Mahomedaner oder Türke diplomatisch geworden, obwohl ursprünglich Saracenen und Türken zwei ganz verschiedene Völkerschaften, jene Arabischer und diese S@ythischer Abkunft, waren, jene ihre eigene nach Mahomeds Grundsätzen geformte, und diese eine denselben widersprechende Religion hatten. Endlich aber vereinigten sie sich beide sowohl in religiöser als politischer Hinsicht, setzten aber auch ihre gemeinschaftliche Absicht in Rücksicht auf Eroberungen und Ausbreitung der Mahomedanischen Religion fort.


3 Navarra, welches von 1234 bis 1572 häufig mit seinen Königen wechselte, und endlich 1589 mit Heinrich dem Vierten grösten Theils auf immer an Frankreich kam, erhält von nun an in der Geschichte von Spanien keine besondere Erwähnung.


4 Wiewohl er richtiger Philipp der Erste heißen sollte, indem sein Großvater, Philipp der Schöne, Erzherzog von Oestreich, nie König, sondern bloß Regent oder Verweser des Königreichs Castilien war.

Quelle:
Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 6. Amsterdam 1809, S. 3-33.
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