Forchheim

[756] Forchheim, unmittelbare Stadt im bayr. Regbez. Oberfranken, an der Mündung der Wiesent in die Regnitz und am Ludwigskanal, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien München-Bamberg-Hof, F.-Ebermannstadt und F.-Höchstadt, hat eine evangelische und 4 kath. Kirchen, unter letztern die gotische Kollegiatsstiftskirche (mit Gemälden von Michael Wolgemut und Skulpturen von Veit Stoß), eine alte karolingische Königspfalz, Progymnasium, Waisenhaus, Bezirksamt, Amtsgericht, Forstamt, bedeutende Weberei, Spinnerei, Zwirnerei, Bleicherei und Färberei, Gerberei, eine Papierfabrik, eine optische Glasschleiferei, Fabrikation von Ölfarben, Knochenpräparaten, Leim und Maschinen, ein Hammerwerk zur Herstellung von Zinnfolie und Rauschgold, Bierbrauerei, einen Kanalhafen und (1900) 7591 meist kath. Einwohner. Nordöstlich von der Stadt auf einem Hügel das ehemals fürstlich Schönbornsche Jagdschloß Jägersburg, früher Besitzung der Reisenden Gebrüder v. Schlagintweit. – F. kommt bereits im 9. Jahrh. als karolingische Pfalz Foracheim vor, in der Karl d. Gr. sowie spätere Kaiser öfters verweilten. Auch wurden seit dem 9. Jahrh. viele Reichstage hier gehalten. In F. wurden Ludwig das Kid 900 und Konrad I. 911 zu deutschen Königen gewählt. Auf dem hier 1077 abgehaltenen Reichstag wurde Kaiser Heinrich IV. entsetzt und an seiner Stelle Rudolf von Schwaben gewählt. Heinrich II. hatte die Reichsdomäne F. 1007 dem Bistum Bamberg geschenkt, dem sie Heinrich III. wieder entzog, Heinrich IV. 1062 jedoch zurückgab. 1552 litt die Stadt durch die Brandschatzungen des Markgrafen Albrecht [756] Alkibiades. Im Dreißigjährigen Krieg verteidigte sie sich mit Glück. 1802 kam sie an Bayern. Die Festungswerke wurden 1838 geschleift. Bei F. 7. Aug. 1796 siegreiches Gefecht der Franzosen gegen die Österreicher. Vgl. Hübsch, Chronik der Stadt F. (Nürnb. 1867).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 6. Leipzig 1906, S. 756-757.
Lizenz:
Faksimiles:
756 | 757
Kategorien:
Ähnliche Einträge in anderen Lexika