Goldlegierungen

[101] Goldlegierungen, Mischungen und Verbindungen von Gold mit andern Metallen Gold wird durch Zusammenschmelzen mit andern Metallen meist härter, oft auch spröder. Nur mit Kupfer und Silber kann das für praktische Zwecke zu weiche reine Gold legiert werden, um ihm größere Härte zu geben, ohne seine Dehnbarkeit merklich zu beeinträchtigen. Die Legierung mit Kupfer heißt rote, die mit Silber weiße, die mit beiden Metallen zugleich gemischte Karatierung. Zur Darstellung von Legierungen schmelzt man zuerst das Gold in Graphittiegeln, setzt dann Silber oder Kupfer zu und rührt um, weil das schwere Gold sich gern am Boden des Tiegels ansammelt. Als Flußmittel dient Borax mit etwas Salpeter Das Kupfer muß sehr rein sein, und alte Goldwaren sind vor dem Einschmelzen von Zinnlot sorgfältig zu reinigen. Kupfer macht die Legierung härter als das gleiche Gewicht Silber, verändert aber die Geschmeidigkeit des Goldes wenig, Silber noch weniger. Das spezifische Gewicht der G. ist geringer als das mittlere der zusammensetzenden Metalle. Kupferlegierungen sind hochgelb bis rot, Silberlegierungen blaßgelb, grünlichgelb bis weiß. Gleichzeitiger Zusatz von Kupfer und Silber verändert die Farbe des Goldes weniger. Goldärmere Legierungen können als Lot für goldreichere benutzt werden. Zur Wertbestimmung der Legierungen nahm man früher 1 Mark = 0,5 Pfd. seines Gold als Einheit an, teilte diese in 24 Karat und gab bei der Feingehaltsbezeichnung einer Legierung die Zahl Karate reinen (seinen) Goldes an, die in 1 Mark enthalten sind. 14 karätiges Gold ist also eine Legierung, die in 1 Mark 14 Teile Gold und 10 Teile eines andern Metalls enthält. Gegenwärtig wird der Feingehalt der G. meist in Tausendsteln ausgedrückt, d.h. man gibt an, wieviel Milligramm reines Gold in 1 g der Legierung enthalten sind. 18karätiges Gold ist hiernach gleich jenem von 0,750 Feingehalt. Vgl. Feingehalt.

In den meisten deutschen Ländern wird zu bessern Arbeiten 14karätiges (0,583 seines), auch 18karätiges (0,750 seines) Gold (Kronengold) verwendet; zu leichtern Sachen benutzt man 6karätiges (Joujougold), selbst 2,5karätiges, das dann vergoldet wird. Das sogen. Nürnberger Gold besteht aus 5,5 Gold, 5,5 Silber und 89 Kupfer, die unter dem Namen Shakdo bekannte japanische Legierung aus 1–10 Gold und 99–90 Kupfer. Das feinste verarbeitete Gold ist das Dukatengold (23,5–23,66karätiges = 0,979–0,986 feines); Pistolengold ist 21,5–21,66karätig = 0,895–0,902 fein. Gold von dem zur Verarbeitung gesetzlich vorgeschriebenen Feingehalt wird Probegold (or au titre, standard gold) genannt. Goldmünzen bestehen aus Goldkupferlegierungen, und zwar beträgt der gesetzlich bestimmte Feingehalt bei:

Tabelle

Reine Goldsilberlegierungen werden selten angewendet, da sie zu blaß sind; in den gemischten Karatierungen, die meist zu Schmucksachen verarbeitet werden, wechselt das Verhältnis des Goldes zum Silber, je nachdem man eine mehr rötliche oder mehr gelbe Farbe zu erzielen wünscht. Besondere Legierungen werden angewendet, um Gold von verschiedenen Farben zu Verzierungen auf Goldarbeiten hervorzubringen, und zwar: grünes Gold: 2–6 feines Gold, 1 feines Silber oder 75 Gold, 16,6 Silber oder 75 Gold, 12,5 Silber, 12,5 Kadmium oder 74,6 Gold, 11,4 Silber, 9,7 Kupfer, 4,3 Kadmium; blaßgelbes Gold: 1 Gold, 2 Silber; hochgelb: 4 Gold, 3 Silber, 1 Kupfer oder 147 Gold, 7 Silber, 6 Kupfer; rotes Gold, blaßrot: 3 Gold, 1 Silber, 1 Kupfer oder 10 Gold, 1 Silber, 4 Kupfer; hochrot: 1 Gold, 1 Kupfer oder 1 Gold, 2 Kupfer; graues Gold: 30 Gold, 3 Silber, 2 Stahlfeilspäne oder 4 Gold, 1 Stahl oder 29 Gold, 11 Silber; blaues Gold: 1–3 Gold, 1 Stahl. Federgold, das, zu Draht gezogen oder zu Blech ausgewalzt, so hart und elastisch wird, daß man daraus Federn machen kann, die den stählernen wenig nachgeben, ist 16karätig und besteht aus 16 Gold, 2,66 Silber und 5,33 Kupfer oder 2 Silber und 6 Kupfer. Eine Legierung aus 7 Gold und 1 Kupfer ist die härteste. Sehr dehnbare und geschmeidige Legierungen, die sich gut zu Draht ausziehen lassen, bestehen aus: 750 Gold, 166 Silber, 84 Kadmium (grün); 750 Gold, 125 Silber, 125 Kadmium (gelblichgrün); 746 Gold, 114 Silber, 97 Kupfer, 43 Kadmium (grün). Diese Legierungen können zum Plattieren verwendet werden. Legierungen von nicht weniger als 14 Karat Feingehalt kann man färben, indem man sie 5–6 Minuten in eine kochende Mischung aus 2 Teilen Kochsalz, 4 Teilen [101] Salpeter und 3 Teilen Salzsäure (Goldfarbe) taucht, bis die gewünschte Farbe erschienen ist, und dann wiederholt in kochendem Wasser spült. Die Färbung beruht darauf, daß die Chlor entwickelnde Flüssigkeit die Metalle löst und aus der Lösung das Gold wieder auf die Legierung niedergeschlagen wird, während Silber- und Kupferchlorid gelöst bleiben. Die dünne Schicht von reinem Gold nuanciert die Farbe der Legierung und verdeckt sie schließlich vollständig. Zur Erzielung bestimmter Farbentöne werden verschiedene geheim gehaltene Goldfarben benutzt, bei deren Anwendung es oft auch auf genaues Einhalten der Zeit ankommt.

Zur Prüfung einer Goldlegierung auf ihren Feingehalt (Goldprobe) genügt oft die Strichprobe mit Probiernadeln auf dem Probierstein. Hierbei benutzt man Nadeln aus roter, weißer und gemischter Karatierung von 6–18 Karat Feingehalt, von denen jede um 1 Karat von der andern abweicht. Man macht mit dem zu prüfenden Gegenstand auf dem Probierstein 4–5 Striche und sucht dann eine Probiernadel aus, deren Strich mit dem Strich der Legierung möglichst dieselbe Farbe besitzt. Die beiden am meisten übereinstimmenden Striche werden mit Probesäure (98 Salpetersäure spez. Gew. 1,34,2 Salzsäure spez. Gew. 1,17 und 25 Wasser) betupft. War die Wahl der Nadel richtig getroffen, so müssen die Striche auch nach der Behandlung mit Säure gleiches Ansehen haben. Man darf aber die ersten Striche auf dem Probierstein nicht beachten, weil die Legierungen oft durch Färben oberflächlich goldreicher gemacht sind. Diese Probe ist auf Gold unter 6 oder über 18 Karat Feingehalt nicht anwendbar. Zur genauern Untersuchung der G. schmelzt man dieselben mit Silber und Blei zusammen, treibt die Legierung ab, wobei das Kupfer oxydiert wird und das geschmolzene Kupferoxyd mit dem Bleioxyd in die poröse Unterlage einzieht. Das zurückbleibende Goldsilberkorn wird ausgeplättet und mit Salpetersäure gekocht, die reines Gold zurückläßt. Vgl. Baudry, Alliages d'or (Besançon 1875); Riche, Monnaie, médailles et bijoux. Essai et contrôle des ouvrages d'or et d'argent (Par. 1889).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 8. Leipzig 1907, S. 101-102.
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