Grünne

[466] Grünne (Grunne), alte burgund. Familie, die sich in eine niederländische und österreichische Linie teilt. Letztere wurde durch Nikolaus Franz Hemricourt de Mozet gegründet, der mit Franz I. nach Wien kam und 1745 in den Reichsgrafenstand erhoben wurde. Die namhaftesten seiner Nachkommen sind:

1) Philipp Ferdinand Wilhelm, Graf von G.-Pinchard, österreich. General der Kavallerie, geb. 15. Mai 1762 in Dresden, gest. 26. Jan. 1854 in Wien. Er trat 1782 in kaiserliche Dienste, wurde 1794 Flügeladjutant des Kaisers Franz II., 1797 Oberst und Generaladjutant des Erzherzogs Karl, 1800 Generalmajor und nahm 1804 an der Reorganisation der Armee wesentlichen Anteil. 1808 zum Feldmarschalleutnant, 1809 zum Chef der Kanzlei des Generalissimus ernannt, schied er nach der Schlacht bei Wagram aus dem aktiven Dienst und übernahm die Stelle eines Obersthofmeisters beim Erzherzog Karl, die er bis zu dessen Tode (1844) bekleidete. 1817 wurde G. General der Kavallerie, 1847 in den Ruhestand versetzt.

2) Karl Ludwig, Graf von, österreich. General, einziger Sohn des vorigen, geb. 25. Aug. 1808 in Wien, gest. daselbst 15. Juni 1834, trat 1828 in das Ulanenregiment seines Vaters, wurde 1839 Oberst und zugleich Vorsteher des Hofstaates beim Erzherzog Stephan. Im August 1848 trat er in dieselbe Stellung beim damaligen Erzherzog, jetzigen Kaiser Franz Joseph, dessen erster Generaladjutant er später wurde. Man schrieb ihm vielfach einen nachteiligen Einfluß, namentlich bezüglich der Ernennungen in der kaiserlichen Armee zu, z. B. jener Gyulays zum Kommandanten im Krieg von 1859. Nach des letztern Sturz wurde er auch 20. Okt. von der Leitung der Militärkanzlei[466] enthoben und zum Oberststallmeister ernannt, von welcher Stellung er im November 1875 zurücktrat. 1883 wurde G. in das Herrenhaus berufen.

3) Philipp, Graf von, österreich. General, Sohn des vorigen, geb. 4. Nov. 1833 in Wien, gest. 27. März 1902 auf seinem Gute Dobersberg, wurde 1860 als Hauptmann Adjutant des Erzherzogs Albrecht, 1861 Major und machte 1866 als Oberstleutnant den Feldzug in Südtirol mit. 1882 wurde er Feldmarschallleutnant, 1888 Kommandant des 9. Korps in Josephstadt, 1889 als Kommandant des 8. Korps und kommandierender General nach Prag berufen und zum Feldzeugmeister befördert.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 8. Leipzig 1907, S. 466-467.
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