Löffler [2]

[655] Löffler, 1) Ernst, dän. Geograph, geb. 28. Febr. 1835 in Kopenhagen, studierte hier 1854–59 Naturwissenschaften, bereiste Europa und ist seit 1866 Dozent für Geographie an der Universität Kopenhagen, seit 1888 Professor. Er veröffentlichte meist geographische Lehr- und Handbücher: »Handbog i geographien« (3. Aufl., Kopenh. 1883–85), »Omrids af geografien« (das. 1893–98, 2 Bde.) u.a.

2) Friedrich, Hygieniker, geb. 24. Juni 1852 in Frankfurt a. O., studierte seit 1870 Medizin in Würzburg und Berlin, wurde Truppenarzt in Hannover und Potsdam und 1879 zum kaiserlichen Gesundheitsamt kommandiert. 1884 wurde er Stabsarzt beim Friedrich Wilhelms-Institut, 1886 habilitierte er sich als Privatdozent in Berlin, 1888 ging er als Professor der Hygiene nach Greifswald, und 1899 wurde er zum außerordentlichen, 1900 zum ordentlichen Mitglied des kaiserlichen Gesundheitsamtes ernannt. L. studierte auf Kochs Anregung die Immunitätsfrage und prüfte die Methoden der Milzbrandabschwächung. Sodann unternahm er mit Koch und Gaffky breit angelegte Untersuchungen über die Verwertbarkeit der Wasserdämpfe zu Desinfektionszwecken. Durch diese Arbeiten wurden die Grundregeln für die jetzt allgemein übliche Desinfektion gewonnen. Er zeigte zuerst, daß durch das Überstehen einer Bakterienkrankheit (Bazillus der Mäuseseptichämie) Immunität gegen spätere Infektion mit demselben Bazillus erlangt werden kann. 1882 entdeckte L. mit Schütz den Rotzbazillus, 1884 den Diphtheriebazillus, und in der Folge leitete er aus seinen Versuchen und Beobachtungen eine neue örtliche Behandlungsweise der Rachendiphtherie ab. L. entdeckte auch den Erreger des Schweinerotlaufs und der Schweineseuche, die er zuerst vom Schweinerotlauf unterschied, ferner den Erreger der Diphtherie der Kälber und der Tauben sowie 1891 den Bazillus des Mäusetyphus, den er, zuerst in Thessalien, zur Ausrottung der Mäuse im großen benutzte. Mit Uhlenhuth arbeitete er ein Verfahren zur Immunisierung gegen Maul- und Klauenseuche aus. Die bakteriologische Technik förderte er durch seine Beize, durch die über die Geißeln einzelner Bakterien neue Aufschlüsse gewonnen wurden. Er schrieb: »Vorlesungen über die geschichtliche Entwickelung der Lehre von den Bakterien« (1. Teil, bis 1873, Leipz. 1887); »Das Wasser und die Mikroorganismen« (in Weyls »Handbuch der Hygiene«, Bd. 24, Jena 1896); »Die Malariakrankheiten« (in Leyden und Klemperers »Deutscher Klinik«, Wien 1903); »Die Schutzimpfung gegen Maul- und Klauenseuche« (in der »Festschrift zum 60. Geburtstag von R. Koch«, Jena 1903).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 12. Leipzig 1908, S. 655.
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