Mortier

[162] Mortier (spr. mortjē), Edouard Adolphe Casimir Joseph M., Herzog von Treviso (Trévise), Marschall von Frankreich, geb. 13. Febr. 1768 in Cateau Cambrésis (Nord), gest. 28. Juli 1835, trat 1791 in die Armee und focht in den Feldzügen 1792 bis 1795; 1798 focht er als Brigadegeneral in Süddeutschland und der Schweiz. 1803 besetzte er Hannover und ward 1805 zum Marschall befördert. Er ward aber vor Dürnstein (11. Nov.) von Kutusow geschlagen. In dem Kriege mit Preußen leitete er den Feldzug gegen die Schweden, die er bei Anklam (16. und 17. April 1807) schlug, worauf er den Waffenstillstand zu Schlatkow (18. April) mit ihnen schloß. In der Schlacht bei Friedland (14. Juni) kommandierte er den linken Flügel. Unterm 2. Juli 1808 zum Herzog von Treviso erhoben, befehligte er in Spanien, wo er die Schlacht bei Ocaña (19. Nov.[162] 1809) gewann. Im Feldzuge gegen Rußland erhielt er das Kommando über die junge Garde, an deren Spitze er auch 1813 focht. Am 30. März 1814 verlei digte er mit dem Marschall Marmont Paris. Am 8. April unterwarf er sich Ludwig XVIII. und wurde 4. Juni zum Pair von Frankreich ernannt. Im März 1815 schloß er sich wieder an Napoleon an und verlor deshalb nach der zweiten Restauration die Pairswürde. 1816 wurde er zum Mitglied der Deputiertenkammer erwählt, in der er bis Ende 1818 blieb, und endlich 5. März 1819 in die Pairswürde wieder eingesetzt. die am 16. Juli 1824 erblich wurde. 1833 ward er Großkanzler der Ehrenlegion und 1834 auf wenige Monate Kriegsminister und Präsident des Ministerrats. Er fiel an des Königs Seite auf dem Boulevard-du-Temple als ein Opfer der Höllenmaschine Fieschis. Denkmäler wurden ihm in seiner Vaterstadt und in Lille errichtet. – Sein Sohn Napoléon M., Herzog von Treviso, geb. 7. Aug. 1804, gest. 29. Dez. 1869, wurde 1845 zum Pair erhoben, im März 1853 Mitglied des Senats und 1. Nov. 1862 Kammerherr Napoleons III. Dessen ältester Sohn war Napoléon M., Herzog von Treviso, geb. 1. Mai 1835, gest. 13. Febr. 1892; gegenwärtiges Haupt des Hauses ist dessen zweiter Bruder, Eduard M., Herzog von Treviso, geb. 8. Febr. 1845.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 14. Leipzig 1908, S. 162-163.
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