Notenschrift für Blinde

[814] Notenschrift für Blinde wurde von dem blinden Louis Braille (s. d. und Blindendruck) um 1836 erfunden und ist heute international. Mit ihrer Hilfe kann der Blinde zwar nicht vom Blatt spielen, wohl aber beim Erlernen den Vorspieler entbehren, kann Stücke, die er gelernt hat, abschreiben, und wenn er sie später nochmals braucht, wieder durchlesen. Ja er kann selbst eine größere Anzahl Sehender unterrichten, ohne die Stücke auswendig zu lernen. In dem nachfolgend abgedruckten Schema der C dur-Tonleiter (die übrigen Tonarten werden mit Hilfe der ♯ und ♭ [letzte Zeile des Schemas] genau wie bei den Sehenden gebildet) bezeichnet jedes der 32 Zeichen der[814] vier ersten Zeilen gleichzeitig den 16. Teil der Länge der betreffenden Note oder Pause. Da der Blinde hinter jedem Takt einen Zwischenraum läßt, wie der Sehende einen Taktstrich, so ist eine Verwechselung z. B. zwischen halben Noten und 321teln unwahrscheinlich. Von den sieben Schlüsseln der fünften Reihe, deren jeder eine Oktave umfaßt, setzt man einen zu Anfang des Stückes, ferner vor eine jede Note der Melodie, die mehr als eine Quint höher oder tiefer liegt als die vorhergehende. Bei Sekunden und Terzen fallen sie stets weg, bei Quarten und Quinten, sobald die zweite in einer andern Oktave liegt. (Demnach wird vor die zweite Note des Intervalls DA ein Schlüssel gesetzt, wenn es sich um eine Quint nach oben handelt, aber nicht, wenn eine Quart nach unten dadurch bezeichnet wird.)

Tabelle

Für Orgel und Klavier werden die beiden Hände getrennt geschrieben, und man gibt in der rechten nur die Melodie, in der linken den Baß durch Noten an. Die übrigen Noten des Akkordes werden durch Intervallzeichen (Zeile 6) dahinter gesetzt. Die Noten, deren Länge von der Hauptnote abweicht, werden ausgelassen und am Schlusse des Taktes angeschlossen dahinter gesetzt. Die 17 Zeichen, die von den 63 Zeichen des gesamten Systems noch übrigbleiben, benutzt der Blinde als Fingersatz, Triller und ähnliche Zeichen, genau wie der Sehende.

Der erblindete Musikalienhändler Sauerwald in Köln hat einen Katalog sämtlicher Noten für Blinde herausgegeben und besorgt auch aus Paris, London etc. alle Noten, deren Preise etwa ebenso hoch sind wie die der Noten für Sehende. Auch hat man mit der Hamburger Zentralbibliothek (s. Wanderbibliotheken) eine Abteilung für Noten verbunden. In Paris gibt es eine Leihbibliothek für ganz Frankreich, die jetzt über 2000 meist handschriftliche Hefte umfaßt. In Hamburg wird durch Walter Vogel, ähnlich wie in andern Ländern, eine deutsche Musikzeitung für Blinde herausgegeben. Auch ist da selbst eine Harmonielehre und eine Klavierschule erschienen. Die Pariser haben namentlich den Ansprüchen der Organisten, der Künstler und der Klavierlehrer entsprochen; ebenso die Engländer. Die Italiener, bei denen Blinde nicht selten als Mitglieder von Orchestern auftreten, sorgen auch für Tänze, Wien unter anderm für Zither.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 14. Leipzig 1908, S. 814-815.
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