Seeschlacht

[271] Seeschlacht, der Entscheidungskampf zwischen den Schlachtflotten oder Geschwadern kriegführender Seestaaten im Seekrieg (s. d. und Seekriegswesen). Zweck der S. ist die Niederkämpfung (Vernichtung oder starke Schädigung) des Gegners, um selbst die Seeherrschaft zu erringen und den Gegner von der See zu vertreiben, ihn in seine Häfen zurückzuwerfen. Die Eigenart des Seekriegs bringt es mit sich, daß sowohl der Angreifer als der Verteidiger in der S. zur taktischen Offensive, zum gegenseitigen Angriff gezwungen sind (vgl. Seestrategie). In der Schlacht bei Tsuschima (27. Mai 1905) hatte der Admiral Togo die vorher gewonnene japanische Seeherrschaft gegen den russischen Admiral Rojestwenski zu verteidigen; um dies erfolgreich zu tun, griff Togo die russische Flotte an und vernichtete sie, nachdem er, in günstiger Stellung abwartend, sie an sich hatte herankommen lassen. Der Erfolg der S. ist abhängig von der Kriegstüchtigkeit der Flottenführer und Besatzungen, der Stärke der Linienschiffe und ihrer Bewaffnung, den strategischen Vorbereitungen zur S. durch guten Aufklärungsdienst der Kreuzer, gründliche Versorgung der Flotte mit Kohlen, Schießbedarf und andern Vorräten. Während die schlecht geübte russische Flotte auf langer Seefahrt in Marschordnung ohne eigentlichen Aufklärungsdienst vorrückte, hatten die japanischen Kreuzer schon Wochen vor der Schlacht Fühlung mit den Russen, so daß durch Funkspruch und Fernsignale der japanische Admiral vor der Schlacht genau über den Gegner Bescheid wußte und demgemäß seine Vorbereitungen für den Angriff traf. Als Hauptgrundsatz für die S. gilt das Bestreben, mit gesammelter eigner Kraft den Feind zu zersplittern, oder von Anfang an die Sammlung der feindlichen Streitkräfte zu verhindern, um an entscheidender Stelle stets stärker zu sein als der Gegner; da die Artillerie die Hauptwaffe der S. ist, kommt es darauf an, schon im Fernkampf so zu manövrieren (vgl. Seetaktik), daß möglichst viele eigne Linienschiffe und Panzerkreuzer einen Teil, z. B. die Spitze oder Nachhut der feindlichen Flotte, gleichzeitig unter Feuer nehmen und niederkämpfen. Die günstige Anfangsstellung zur S. ist von der Güte der Aufklärung durch die Kreuzer, von der Schnelligkeit und Zweckmäßigkeit der taktischen Manöver abhängig. Admiral Togo gelang es, die feindliche Spitze durch gesammelten Angriff mehrerer Flottenteile schon zu Beginn der S. zu vernichten, wobei die überlegene Treffsicherheit der japanischen Geschützführer schnell die Entscheidung herbeiführte. Neben den Geschwadern der Linienschiffe, deren Kampfform meist die Linie ist, sind auch Geschwader von schnellern Panzerkreuzern nützlich, um die feindliche Linie zu umgehen und in Kreuzfeuer zu nehmen. Die Torpedoflottillen greifen bei Tage nur da in die S. ein, wo es sich darum handelt, einem geschwächten Gegner den Todesstoß zu geben. Ihre Hauptaufgabe ist die Beunruhigung des Gegners vor und nach der S. durch Nachtangriffe. Die leichten Aufklärungskreuzer beteiligen sich während der S. bei der Abwehr von Torpedobootsangriffen und decken nachts die Flanken der Linienschiffslinien. Auf den Nahkampf mit dem Sporn ist kaum mehr zu rechnen, es sei denn, daß ein schon stark beschädigtes und manövrierunfähiges feindliches Schiff durch einen Gegner, der seine Torpedos schon verschossen hat, vernichtet werden soll; im allgemeinen wird der Gefechtsabstand der feindlichen Schlachtlinien etwa 2000–3000 m betragen, um außerhalb der Wirkung der Torpedowaffe zu bleiben. Vgl. auch die Artikel »Kreuzer, Marine, Panzerschiff, Torpedo, Unterseeboote«.

Die wichtigsten Seeschlachten der Weltgeschichte.

480 v. Chr., 27. oder 28. Sept. Themistokles besiegte bei Salamis mit 70,000 Griechen auf Trieren 150,000 Perser auf 700 Schiffen.

260 v. Chr. Cajus Duilius besiegte bei Mylä mit 103 römischen Triremen 500 phönikisch-griechisch-ägyptische Schiffe.

1571, 7. Okt. Don Juan d'Austria besiegte bei Lepanto mit 212 venezianisch-spanisch-päpstlichen Galeeren 264 türkische Schiffe.

1588, 31. Juli bis 8. Aug. Lord Howard besiegte im Englischen Kanal mit 129 englischen und 100 holländischen Schiffen die spanische Armada (130 Gallionen, 30 Galeeren).

1666, 11.–14. Juni. de Ruiter besiegte in der Straße von Dover mit 100 holländischen Schiffen 80 größere englische und bedrohte London.

1797, 14. Febr. Jervis besiegte beim Kap St. Vincent mit 15 englischen Linienschiffen 26 spanische Linienschiffe.

1798, 1. Aug. Nelson besiegte bei Abukir mit 13 englischen Linienschiffen 13 französische Linienschiffe.

1801, 1. April. Nelson bekämpfte bei Kopenhagen mit 12 englischen Linienschiffen 20 dänische Linienschiffe und schwimmende Batterien und erzwang dann Übergabe durch Drohung mit Parkers Flotte.

1805, 21. Okt. Nelson besiegte bei Trafalgar mit 27 englisch-französisch-russischen Linienschiffen 33 französisch-spanische Linienschiffe.

1827, 20. Okt. Codrington besiegte bei Navarino mit englisch-französisch-russischen Geschwadern die ägyptische Flotte.

1853, 30. Nov. Nachimow besiegte bei Sinope mit der russischen Flotte die türkische Flotte.

1866, 20 Juli. Tegetthoff besiegte bei Lissa mit der österreichischen Flotte die italienische.

1894, 14. Sept. Ito besiegte vor der Yalumündung mit der japanischen Flotte die chinesische.

1905, 27. Mai. Togo besiegte bei Tsuschima mit der japanischen Flotte die russische.


Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 18. Leipzig 1909, S. 271.
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