Toth

[640] Toth, 1) Koloman, ungar. Dichter, geb. 30. März 1831 zu Baja im Bács-Bodroger Komitat, gest. 3. Febr. 1881 in Pest, veröffentlichte 1852 die erste Sammlung seiner Gedichte, der dann mehrere ähnliche Sammlungen folgten. »Paul Kinizsi« (1853) ist eine Nachahmung von Aranys »Toldi«. Er schrieb auch verschiedene Dramen, von denen »Egy királyné« (»Eine Königin«) 1857 einen Preis der Akademie davon trug und »A nök az alkotmányban« (»Frauen im konstitutionellen Leben«) zuerst 1871 mit großem Erfolg ausgeführt wurde. T. wurde 1860 von der Kisfaludy-Gesellschaft und 1861 von der Akademie zum Mitglied gewählt. 1860 gründete T. das Witzblatt »Bolond Miska« (»Der närrische Michel«).

2) Wilhelm von, ungar. Politiker, geb. 28. Aug. 1832, gest. 15. Juni 1898 in Ivánka (Neutraer Komitat), wurde als Deputierter von Neutra auf den 1861 er Reichstag gesandt, wo er sich Deák anschloß. Auch hier erregte er durch seine geschickte Feder und Rednergabe Aufmerksamkeit. 1865 wieder gewählt, war er eine der stärksten Spitzen der Deákpartei. Vom Februar 1871 bis März 1873 war er Minister des Innern, 1879–95 Präsident des gemeinsamen Staatsrechnungshofes in Wien. Nach der Abdankung Szlávys wurde er 1896 Präsident des Oberhauses.

3) Eduard, ungar. Dramatiker, geb. 14. Okt. 1844 zu Putnok im Gömörer Komitat, gest. 27. Febr. 1876, widmete sich dem Kaufmannsberuf, wirkte später als Schauspieler und Theaterdichter bei Provinzialbühnen, wurde jedoch erst bekannt, als er 1871 mit seinem Volksstück »A falu roszsza« (»Der Dorflump«, deutsch von A. Sturm) einen vom Pester Nationaltheater ausgeschriebenen Preis gewann. Er erhielt infolgedessen eine Anstellung an diesem Theater. Andre namhafte Stücke von ihm sind das zweite preisgekrönte Volksstück »A kintornás családja« (»Die Familie des[640] Leiermanns«), und das erst nach seinem Tod ausgeführte Drama »A tolonc« (»Der Schübling«), dessen Stoff gleichfalls dem Volksleben entnommen ist. T. zeichnete sich durch originelle Erfindung und poetisches Gemüt aus, drang aber nicht zur vollen Beherrschung der dramatischen Form durch.

4) Béla, ungar. Schriftsteller, Sohn von T. 1), geb. 20. Okt. 1857 in Budapest, gest. daselbst 3. April 1907, studierte in Budapest und wandte sich nach großen Reisen im Orient der literarischen und publizistischen Laufbahn zu. Ein überaus seiner, poetischer Erzähler, hat T. namentlich das Genre der Feuilletonnovelle, deren er über 1000 schrieb, auf ein vornehmeres Niveau zu heben geholfen. Er veröffentlichte mehrere kritisch revidierte Sammelwerke (»Von Mund zu Mund«, »Vom Hörensagen«); eine noch umfangreichere Arbeit: »Ungarischer Anekdotenschatz«, blieb unvollendet.

5) Johann von, Politiker, geb. 1864 in Túrkeve, studierte die Rechte, wurde 1892 in den Reichstag gewählt, war seit 1905 Quästor des Parlaments und wurde im September 1906 Staatssekretär im Ministerium für Kultus und Unterricht.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19. Leipzig 1909, S. 640-641.
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