Gallas [2]

[864] Gallas, weitverbreitetes Volk in Afrika, über dessen Ursprung u. anfängliche Heimath völliges Dunkel herrscht. Am wahrscheinlichsten haben sie in den weiten Hochebenen, welche vom Südrande der Abessinischen Gebirge an das ganze Innere des Continents erfüllen, ihre Ursitze gehabt u. sind erst in den letztverflossenen Jahrhunderten bei der immer zunehmenden Schwäche des altabessinischen Reiches weiter nach Norden vorgedrungen, haben einzelne Provinzen Abessiniens, wie Damot, Foarea, Schoa in Besitz genommen u. sich endlich mitten in das nördliche Hochland eingedrängt. Doch auch weiter nach Süden u. Osten sind sie vorgedrungen u. haben sich im Innern des Somauli- u. des Suaheli-Landes bis hinab zum Kilimanse festgesetzt. Der Name Galla soll in der Volkssprache so v.w. Angreifer bedeuten, doch nennt das Volk selbst sich Orma, d.h. Männer, seine Sprache Illm'orma u. das Land Ormania. Das Volk ist eine der schönsten Racen Afrikas, hat kaffeebraune Hautfarbe, zum Theil gekränseltes Haar, kräftigen Wuchs, hohe Stirn u. meist adlerartige Nase. Besonders ist das weibliche Geschlecht der G. in Abessinien durch Gesichts wie Körperformen ausgezeichnet. Der Charakter der G. wird als energisch, intelligent u. ehrlich gerühmt, daher sind sie als Sklaven sehr gesucht. Die G. sind gute Reiter u. unerschrockene Krieger, dabei jedoch häufig grausam u. räuberisch. In den Savannen des Innern treiben sie ausschließlich Viehzucht u. erfüllen die grasreichen Hochebenen vom Weißen Nil u. dem Yabus an bis jenseits des Äquator mit ihren Heerden. Im nördlichen Hochlande jedoch, in Lasta, Yedschou u. Godscham, haben sie meist die Sitten, Religion u. Sprache der Nachbarn angenommen u. treiben neben Viehzucht auch fleißig Ackerbau; im südlichen Abessinien jedoch reden sie ebenfalls noch ihre eigene Sprache, die sich in einem verwandten Dialekt bei den Danakil u. Adal wiederfindet. Trotz der Größe dieses Volkes u. seiner Kriegslust bildet es doch kein größeres Reich, sondern zerfällt in viele größere u. kleinere Stämme, die sich häufig gegenseitig selbst bekriegen, um an Sklaven u. Vieh Beute zu machen. Die Religion ist bald Feuer bald Fetischdienst, sie beten die Gestirne, Feuer u. Bäume an, doch haben sie auch zum Theil den Muhammedanismus angenommen. Vielweiberei ist gestattet, kommt aber gleichwohl selten vor.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 6. Altenburg 1858, S. 864.
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