Hagen [3]

[845] Hagen, 1) Gottfried (Godefrit Hagene), deutscher Dichter um die Mitte des 13. Jahrh., Stadtschreiber in Köln; er schr.: Reimchronik der Stadt Köln (von 1250–1270), von späterer Hand angehängt ist die Weberschlacht (1369–70); herausgeg. von C. von Groote, Köln 1834. 2) Joh. van H., Landschaftsmaler aus dem Haag, blühte um die Mitte des 17. Jahrh.: da er viel blaue Asche anwendete, so haben seine Bilder sehr nachgedunkelt. 3) Joh. Philipp, geb. 1734 in Tuntzenhausen bei Weißensee; wurde im Siebenjährigen Kriege Compagniechirurg, studirte dann Chirurgie u. wurde 1766 erster Leibchirurg des Erbprinzen von Kurland, kehrte aber 1772 nach Berlin zurück, wurde 1774 daselbst Rathschirurg, 1777 Assessor des Coll. med. u. 1779 Hebammenlehrer, 1789 Professor der Entbindungskunst u. st. 1795; er schr.: Neues Lehrgebäude der Geburtshülfe, Berl. 1781 f., 2 Thle.; Hebammenkatechismus, ebd. 1784, 4. Aufl. 1797; Erläuterungen u. Berichtigungen seines Versuches etc. zur Entbindungskunde, ebd. 1790; Selbstbiographie, Jena 1793. 4) Karl Gottfried, geb. 1749 in Königsberg; war erst Hofapotheker daselbst, wurde 1788 Professor der Medicin, 1808 Professor der Physik daselbst uft. 1829; er schr.: Grundriß der Experimentalchemie, Königsb. 1790, 4. Aufl. ebd. 1816; Lehrbuch der Apothekerkunst, ebd. 1778, 2 Bde., 7. Aufl. 1821; Preußens Pflanzen, ebd. 1818, 2 Bde. 5) Theod. Alex. von H., geb. 1778 in Verden; war erst Privatdocent in Heidelberg, dann Arzt in Moskau u. wurde 1810 Professor der Medicin in Charkow; er schr.: Methodologie der gesammten Medicin, Würzb. 1806: Kosmologische Geschichte der Natur, Heidelb. 1808; Conspectus morborum gen. humani, ebd. 1828; Über die Cholera, Moskau 1832, 2. Aufl. Heidelb. 1837. 6) Friedr. Heinrich von der H., Germanist, geb. 19. Febr. 1780 zu Schmiedeberg in der Uckermark; wurde 1801 Referendar bei der kurmärkischen Kammer in Berlin, privatisirte seit 1807 daselbst, wurde 1810 Professor der Deutschen Sprache u. Literatur in Berlin, 1811 in Breslau, 1821 wieder in Berlin u. starb daselbst 11. Juni 1856; er sehr u. gab heraus: Das Nibelungenlied, Berl. 1807, 4. Aufl. ebd. 1842; Narrenbuch, ebd. 1811; Das Heldenbuch, ebd. 1811–1855, 2 Bde.; Altdeutsche u. altnordische Lieder u. Sagen, ebd 1812, 2 Bde, 2. Aufl. 1855; Nordische Heldenromane, ebd. 1814–16: Die Eddalieder vor den Nibelungen, Bresl. 1815; Niederdeutsche Psalmen aus der Karolinger Zeit, ebd. 1816; Die Nibelungen, ihre Gegenwart u. ihre Bedeutung für immer, Berl. 1819; Heldenbilder aus den Sagen Karls des Großen, Arthurs, der Tafelrunde etc., Bresl. 1819–21, 2 Bde.: Der Nibelungen Not, ebd. 1820; Monumenta medii aevi, ebd. 1821; Gottfried von Straßb. Werke, ebd. 1824, 2 Bde.; Erzählungen u. Mährchen, Prenzl. 1824–26, 2 Bde., 2. Aug. 1838; Sammlung der Minnesinger, Lpz. 1838–56, 3 Bde.; Anmerkungen zu der Nibelungen Not, Frkf. a.M. 1824; u. Ausg. der Manessischen Sammlung, Lpz. 1840, 4 Bde.; Vom ungenähten Rocke Christi, Berl. 1844; Kreuzfahrt des Landgrafen Ludwig bes. Heiligen, Lpz. 1854; mit Büsching: Sammlung deutscher Volkslieder, Berl. 1807; Literarischer Grundriß zur Geschichte der deutschen Poesie, ebd. 1812; mit Primisser: Das Heldenbuch in der Ursprache, ebd. 1820–21, 2 Bde.; mit Habicht u. K. Schall: Tausend u. eine Nacht (übersetzt), ebd. 1824 f., 15 Bde., 5. Aufl. 1825, u. übersetzte m. a. 7) Ernst August, Sohn von H. 4), geb. 1797 in Königsberg; studirte dort seit 1816 anfangs Medicin, dann Kunst- u. Literaturgeschichte, eröffnete 1824 seine Vorlesungen über Kunst- u. Literaturgeschichte, wurde 1825 außerordentlicher u. 1831 ordentlicher Professor in beiden Lehrfächern u. Aufseher über die Kunstsammlungen in Königsberg, stiftete 1831 den Königsberger Kunstverein, auch später das dortige Stadtmuseum u. 1844 die Alterthumsgesellschaft Prussia; er schr.: Gedichte, Königsb. 1822; Otfried u. Lisena (romantisches Gedicht), ebd. 1830; Künstlergeschichten (welche die Resultate seiner an Ort u. Stelle gemachten Kunststudien mit novellistischem Hintergrunde geben, sie sind): Norica (Bresl 1827, ins Englische 1851 übersetzt); Die Chronik seiner Vaterstadt vom Florentiner Ghiberti (Lpz. 1833, 2 Bde., italienisch Flor. 1845); Wunder der Sta. Katharina von Siena (Lpz. 1840) u. Leonardo da Vinci in Mailand (ebd. 1840); mit Gebser: Beschreibung des Doms in Königsberg. Königsb. 1833; Oberst u. Matrose, Trauerspiel, 1842; gibt seit 1844 heraus: Neue preußische Provinzialblätter. 8) u. 9) Charlotte u. Auguste von H., s. Hagn.[845]

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 7. Altenburg 1859, S. 845-846.
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