Jellachich de Buszim

[784] Jellachich de Buszim, eine der Katholischen Confession folgende in Österreich angesessene freiherrliche u. gräfliche Familie; 1) Freiherr Franz, trat früh in österreichische Dienste u. wurde zeitig Obrist. 1793 wurde er General u. führte eine Brigade beim Angriff der Linien von Weißenburg, 1794 wohnte er mit derselben dem Gefecht von Chateau-Cambresis bei u. zeichnete sich dort, so wie 1796 bei Kronach, Würzburg u. Aschaffenburg aus. Als Feldmarschalllieutenant war er 1799 Anfangs glücklich gegen Massena, später wurde er aber von demselben geschlagen. 1805 war er mit einem Armeecorps mit der Vertheidigung von Vorarlberg beauftragt, sein Corps wurde aber dort aufgerieben u. mit J. selbst vom Marschall Angerau gefangen. 1809 erhielt er kein Commando u. st. 1810 in Agram. Jetziger Chef ist: 2) Freiherr Georg, Sohn des Vor., geb. 1805, ist k. k. wirklicher Kämmerer, Feldmarschalllieutenant u. Truppendivisionär in Krakau, u. seit 1845 mit Hermine geb. Reichsgräfin Christalnigg von u. zu Gillitzstein vermählt. 3) Graf Joseph, Bruder des Vor., geb. am 16. Oct. 1801 in Peterwardein, kam 1809 in die Theresianische Militärakademie, trat 1819 in das Dragonerregiment Knesevich, wurde 1825 Oberlieutenant u. war zwei Jahre Adjutant bei Geramb in Wien. Zum Capitänlieutenant 1830 im Oguliner Grenzregiment befördert, befehligte er die Dreskiner Compagnie am Cordon. Bei den Manövers in Italien 1831 zog er die besondere Aufmerksamkeit von Radetzky auf sich u. that sich im Oct. d. I. im Treffen von Kladusch in Bosnien hervor. 1837 wurde er Major u. Adjutant beim Gouverneur von Dalmatien, Grafen von Lilienberg, kam 1841 als Oberstlieutenant zum ersten Banalgrenzregiment. Im März 1848 wurde er Generalmajor, Banus von Kroatien, Slavonien u. Dalmatien, u. bald darauf zum Feldmarschalllieutenant u. commandirenden General in Agram ernannt. Als solcher bestrebte er sich, die Nationalität seines Vaterlandes zu befördern u. dasselbe in ungelockerter Verbindung mit Österreich zu erhalten. Als sein Einfluß auf die Südslawen größer u. er dadurch den Magyaren gefährlich zu werden anfing, so verleumdete ihn das ungarische Ministerium bei dem Kaiser, als ob er den Aufstand der Serben u. Raizen angeregt habe u. mit den panslawistischen Bestrebungen in Böhmen in Verbindung stände, u. erlangte vom Kaiser die Entsetzung J-s; doch wurde das Absetzungsmanifest nicht vollzogen, nachdem er sich persönlich vor dem Kaiser in Innsbruck gerechtfertigt hatte Nachher ging er nach Wien zu einer Conferenz wegen Ausgleichung der Differenzen Kroations mit Ungarn, die jedoch keinen Erfolg hatte. Auf Seiten der Österreicher focht er dann in der Ungarischen Revolution u. lebte End 1849, nach Unterdrückung derselben, in Wien u. wurde im März 1850 zum Obersthofmeister des Kaisers, im Februar 1853 zum Oberbefehlshaber des Observationscorps an der türkischen Grenze ernannt u. im April 1854 in den erblichen Grafenstand erhoben; er starb am 20. Mai 1859 als Gouverneur von Kroatien u. Slavonien. Er war vermählt seit 1850 mit der Gräfin von Stockau. J. war auch Dichter (Gedichte, Wien 1850).

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 8. Altenburg 1859, S. 784.
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