Aristophanes

[116] Aristophănes, der berühmteste griech. Lustspieldichter, ein Athener, lebte zur Zeit der höchsten Blüte der griech. Literatur, zwischen 460 und 380 v. Chr. Seine Stücke sind in mancher Beziehung sehr anstößig; allein sie waren es nicht im Geiste seiner Zeit, welche den Lustspieldichtern die Freiheit gab, jede Zeitbegebenheit und jede öffentliche Person, namentlich jede Gebrechlichkeit des öffentlichen Lebens nicht nur in seinen Anspielungen, sondern auch in derben Witzen zu verhöhnen und dem Gelächter Preis zu geben. Ein geistreicher Muthwille, ein unversiegbarer Strom des Witzes und eine heitere Phantasie zeichnen die Lustspiele [116] A.'s aus, die einen um so größern Anklang beim Volke fanden, da ein hoher Ernst dem Scherze zum Grunde liegt und eine echt patriotische Gesinnung überall durchblickt. Unter seinen 11 vollständig erhaltenen Komödien sind am Berühmtesten: die Ritter, in welchen der Gerber und Gewalthaber Kleon in der Rolle eines Sklaven und die Athener selbst dem Gelächter Preis gegeben werden; die Wolken, in denen die Sophisten und Sokrates von einer lächerlichen Seite dargestellt werden; die Wespen, worin der Gang des Rechts und das Richterwesen in Athen verspottet und ein Gerichtshof eröffnet wird, vor welchem Hunde und Katzen erscheinen; die Vögel, in welchen zwei, des Lebens in Athen überdrüssige Bürger sich in das Reich der Lüfte flüchten und hier in Verbindung mit den Vögeln eine Stadt anlegen, welche über Götter und Menschen die Herrschaft erlangt und endlich die Frösche zur Verspottung des Trauerspieldichters Euripides.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1837., S. 116-117.
Lizenz:
Faksimiles:
116 | 117
Kategorien: