Harmonie

[339] Harmonie ist der Zusammenklang mehrer musikalischer Töne, die nach denjenigen Regeln verbunden sind, welche sich aus der Natur des Tons ergeben. Die Lehre von der Harmonie, die Harmonik, macht daher einen sehr wesentlichen Theil der Tonkunst aus, indem nach ihren Gesetzen allein es möglich ist, wohlklingende mehrstimmige Musikstücke zu setzen. Anfangs wendete man in der mehrstimmigen Musik nur Consonanzen an, später aber auch Dissonanzen, und es ergab sich hieraus für die Harmonie die Aufgabe, die Auflösung der Dissonanzen zu bewirken. In einem ganz beschränkten Sinne hat man eine nur für Blasinstrumente gesetzte Musik Harmoniemusik genannt. Da die Griechen und Römer mehrstimmige Musik nicht hatten, so kannten sie auch die Harmonie in der angegebenen Bedeutung nicht, sondern bezeichneten mit diesem Worte jede Art von Übereinstimmung unter den Tönen, durch welche sich diese zum schönen, musikalischen Ganzen verbinden lassen. Da nun Pythagoras ähnliche Zahlenverhältnisse, wie zwischen den Tönen der Tonleiter stattfinden, auch in der Weltordnung aufzeigen zu können glaubte, so sprachen er und nach ihm seine Schüler viel von einer Harmonie der Sphären (d.h. Weltkugeln). Das Ohr der Sterblichen sollte nur zu schwach sein, diese Musik des sich bewegenden Weltalls zu vernehmen. Das Wort Harmonie ist endlich in alle Künste und in das gemeine Leben übergegangen, indem es in jenen die eigenthümliche Übereinstimmung (der Gestalten in ihrer Anordnung, der Farben u.s.w.) bezeichnet, auf denen das Wesen der Schönheit beruht, in diesem jede Übereinstimmung, z.B. auch zu dem gemeinsamen Zweck des Vergnügens, in welchem Sinne man manchen gesellschaftlichen Verein Harmonie genannt hat. – Speciellere Bedeutung haben die Worte Harmonie und harmonisch in einzelnen Wissenschaften, namentlich in der Mathematik. So z.B. sagt man, eine Linie sei harmonisch getheilt, wenn sie aus drei ungleichen Theilen besteht, von denen sich der mittelste zu einem äußern, wie der andere zur ganzen Linie verhält.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1838., S. 339.
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