Mode

[161] Mode, ein dem Lateinischen entlehnter Ausdruck, mit dem im Allgemeinen die in einem Lande oder an einem Orte vorherrschende Art des geselligen Verkehrs, der häuslichen Einrichtungen, kurz die übliche Weise zu leben, vorzüglich aber die wechselnde Art sich zu kleiden und zu schmücken bezeichnet wird. Man spricht in dieser Beziehung von Modezeuchen, Modefarben, altmodischen und neumodischen Hausgeräthen, Kleiderformen, Kopfputzen u.s.w., und eigne Zeitschriften, die sogenannten Modezeitungen und Modejournale, von denen die erste 1758 in Erfurt herauskam, machen es sich zum Geschäft, die in den größten europ. Städten, namentlich in Paris, London und Wien neu aufgekommenen Moden durch Abbildungen und Beschreibungen rasch allgemein bekannt zu machen. Jedes Zeitalter und auch die rohesten Völker haben in gewisser Hinsicht ihre Moden, allein rascher Wechsel derselben wird nur bei denen gefunden, welche einen höhern Grad allgemeiner Bildung, der Betriebsamkeit und des Wohlstandes besitzen, in lebhaftem Verkehr mit nahen und fernen Theilen der Erde stehen und keinen Beschränkungen durch despotische Regierungen unterworfen sind, durch welche, mit feindlicher Abweisung alles Ausländischen, ein starres Beharren bei herkömmlichen Einrichtungen herbeigeführt wird, wie es z.B. in China der Fall ist. Der Wechsel der Mode belebt die Industrie und wird vom Speculationsgeiste der Handelsleute vielseitig ausgebeutet; Urtheil und Geschmack werden ihr jedoch oft untergeordnet, obgleich im Deutschen auch zuweilen »Geschmack« für Mode gesagt wird. Sich den Foderungen der wechselnden Mode hartnäckig zu widersetzen, würde unter vielen Beziehungen wenigstens sonderbar herauskommen und könnte leicht zu falscher Beurtheilung von Seiten Anderer Veranlassung geben; dagegen ist es unbedingt zu tadeln, wenn sich Jemand ganz von der Mode beherrschen läßt und ihr bis zur stutzerhaften Narrheit huldigt, Wichtigeres derselben nachsetzt und wol gar die Zerrüttung seiner Verhältnisse durch seine Modesucht herbeiführt. – Modern wird im gewöhnlichen Leben gleichbedeutend mit modisch Das genannt, was der eben herrschenden Mode gemäß ist; in höherm Sinne wird aber auch die der christlichen Zeit eigenthümliche Richtung von Poesie und Kunst im Gegensatze des Antiken (s.d.) überhaupt eine moderne genannt und als Haupteigenschaft derselben die im Mittelalter und vorzüglich mit dem 12. Jahrh. sich geltend machende Romantik angenommen, für die aber am Ende des Mittelalters durch das erneuerte Studium der Literatur und Kunst der Alten und die unbefangenern Bestrebungen des menschlichen Geistes eine neue Periode anhob, welche auch vorzugsweise als die moderne und dann die vorhergehende als die romantische bezeichnet wird.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 3. Leipzig 1839., S. 161.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien: