Como [3]

[245] Como, Hauptstadt der gleichnamigen ital. Provinz (s. oben), liegt malerisch am Südende des westlichen Armes des Comersees (s.d.), zwischen rings aufsteigenden, mit Weinreben, Oliven- und Kastanienwäldern bedeckten Anhöhen, an den Eisenbahnlinien Mailand-Chiasso (Gotthardbahn), Mailand-Saronno-C., C.-Lecco und C.-Varese, hat alte Mauern und Türme, einen 1396 im gotischen Stil begonnenen, in schöner Frührenaissance fortgeführten Dom mit reichen Portalen, Skulpturwerken (Pliniusstatuen an der Fassade) und Gemälden, zwei alte, restaurierte Kirchen (Sant' Abbondio und San Fedele), ein gotisches Rathaus (Broletto) aus dem 13. Jahrh., ein Theater und (1901) ca. 13,000 (als Gemeinde 38,895) Einw., die bedeutende Seiden- und Samtmanufaktur, Fabrikation von Handschuhen, Strümpfen und Seife, Metallgießerei, Bildhauerei, lebhaften Handel (auch Hausierhandel im Auslande) betreiben. C. ist Sitz eines Bischofs und der Provinzialbehörden und hat ein Lyzeum, eine 50,000 Bände starke Bibliothek, ein Antikenkabinett (im Palazzo Giovio), Gymnasium, bischöfliches Seminar, technische Schule und technisches Institut, Webschule, Handelskammer etc. C. ist die Vaterstadt des ältern und jüngern Plinius, der Päpste Clemens XIII. und Innocenz XI., des Historikers Giovio sowie des Physikers Volta, dem die Stadt 1838 eine Marmorstatue (von Marchesi) errichtete. Auch Garibaldi hat hier ein Denkmal. Auf einer Anhöhe (431 m ü. M.) südlich der Stadt thronen die Ruinen der zerstörten Burg Baradello; am westlichen Seeufer ziehen sich längs der Strada Regina (mit Straßenbahn nach Cernobbio) schöne Villen mit Gärten hin. – C., im Altertum Comum, war eine Stadt der Insubrer. Die Römer, namentlich Cäsar, der 5000 Kolonisten dahin verpflanzte, bemühten sich, C. zu einem starken Posten gegen die gefährlichen Alpenvölker zu erheben. Im frühen Mittelalter war C. Stapelplatz für den Handel nach der obern Donau und hatte im 12. Jahrh. als eine Hauptstütze der Ghibellinen und »das offene Tor Italiens für die deutschen Kaiser« besonders gegen das mächtigere Mailand zu kämpfen. Später fiel es unter die Signorie der Rusca, dann 1335 der Visconti, von wo an es die Geschicke Mailands teilte. Die Geschichte der Stadt schrieben Rovelli (Mail. 1789–1808, 5 Bde.), Cantù (3. Aufl., Como 1900, 2 Bde.) und Giovio (das. 1892).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1906, S. 245.
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