Páoli

[380] Páoli, 1) Pasquale, kors. Patriot, geb. 26. April 1725, gest. 5. Febr. 1807, Sohn des korsischen Generals Giacinto P., der gegen die Genuesen und Franzosen für die Unabhängigkeit der Insel kämpfte und 1756 in Neapel starb, trat 1739 als Fähnrich in ein neapolitanisches Reiterregiment, kehrte aber 1755 in sein im Aufstand gegen Genua begriffenes Vaterland zurück und ward durch den Großen Rat der Insel zum General mit unumschränkter Vollmacht ernannt. Er kämpfte glücklich gegen die Genuesen. Nachdem aber die Genuesen 1768 Korsika den Franzosen abgetreten hatten, verteidigte P. die Insel noch ein volles Jahr gegen die letztern und wich erst nach der Niederlage von Ponte Nuovo (8. Mai 1769) der französischen Übermacht, um ein Asyl in England zu suchen. Als 1789 die flüchtigen korsischen Patrioten auf Mirabeaus Antrag durch Beschluß der Nationalversammlung zurückgerufen wurden, ging P. nach Paris, erhielt von Ludwig XVI. den Titel eines Generalleutnants und das Kommando von Bastia und ward hier 1790 von seinen Mitbürgern an die Spitze der Nationalgarde gestellt und zum Präsidenten der Verwaltung erhoben. Nach Ludwigs XVI. Hinrichtung sagte er sich jedoch von der demokratischen Partei der Insel los. Deshalb beim Konvent als Verräter denunziert, pflanzte er offen die Fahne der Empörung gegen die Republik auf, rief die Engländer zu Hilfe, vertrieb mit ihrer Hilfe die Franzosen von der Insel, und eine Versammlung in Corte übertrug 19. Juni 1794 dem König von Großbritannien die Krone von Korsika und führte eine parlamentarische Verfassung ein. Da P. aber von Pozzo di Borgo verleumdet und von England nicht zum Vizekönig ernannt wurde, verließ er 1795 zum zweitenmal die Insel u. begab sich wieder nach London, wo er bis zu seinem Tode blieb. Vgl. Arrighi, Histoire de Pascal P. (Par. 1843, 2 Bde.); Klose, Leben Paskal Paolis (Braunschw. 1853); Bartoli, Histoire de Pascal P. (Bastia 1891); Lencisa, Pasquale P. e le guerre d'indipendenza della Corsica (Mail. 1890).

2) Cesare, ital. Historiker, geb. 10. Nov. 1840 in Florenz, gest. daselbst 20. Jan. 1902, studierte in Florenz, trat 1859 in den Archivdienst, ward 1865 Archivar in Siena, 1870 in Florenz und 1887 Professor der historischen Hilfswissenschaften an der Hochschule daselbst. Außer zahlreichen Abhandlungen über die Geschichte von Florenz und über einzelne Fragen aus seinem Lehrgebiet schrieb er namentlich »Programma scolastico di paleografia latina e di diplomatica« (Flor. 1888–98, 3 Bde.; deutsch von Lohmeyer, Innsbr. 1889–99). Seit 1888 redigierte er das »Archivio storico italiano« (in dessen 29. Bande, 1902, eine Bibliographie Paolis).

3) Betty, Pseudonym, s. Glück 3).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 15. Leipzig 1908, S. 380.
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