Paträ

[505] Paträ (Patras, ital. Patrasso), drittgrößte Stadt Griechenlands, Hauptstadt des Nomos Achaia, liegt (seit der Zerstörung während des Befreiungskrieges 1821 neu aufgebaut) amphitheatralisch an der südöstlichen Küste des gleichnamigen Meerbusens (s. unten), den Eingang in den Busen von Korinth beherrschend, an der peloponnesischen Küstenbahn, in fruchtbarer Gegend, ist Dampferstation, hat eine Anzahl breiter, geradliniger Straßen, die sich vom Strand hügelan oder ihm parallel hinziehen, mehrere öffentliche Plätze und Kais, eine venezianische Burg, ein Gymnasium, Appellationsgericht, Theater, viele Springbrunnen und (1896) 37,958 (als Gemeinde 50,158) Einw. Es besitzt eine Handelskammer, 3 Bankfilialen, einen schönen, geräumigen Hafen mit Molo, mehrere Fabriken, ist bekannt durch Weinbau, den die deutsche Aktiengesellschaft für Weinerzeugung »Achaia« eifrigst fördert, und treibt lebhaften Handel. Insbesondere ist es Hauptausfuhrplatz für Korinthen und Wein (jährlich 1,5–2 Mill. Lit.), ferner für Felle und Öl. Die Einfuhr wertete 1903: 14,233,170 Fr. (1884. 25,4 Mill.), die Ausfuhr 26,601,264 Fr. gegen 15,8 Mill. in 1884; die Steigerung ist vor allem der Korinthenausfuhr zuzuschreiben, die 1903 einen Wert von 23,460,029 Fr. erreichte (meist nach Großbritannien, dann nach Deutschland und den Vereinigten Staaten). P. ist Sitz eines Nomarchen, eines griechischen Erzbischofs und mehrerer Konsulate, darunter eines deutschen. Der Meerbusen von P., ein Teil des Ionischen Meeres, zwischen dem nördlichen Festland Griechenlands und dem Peloponnes, reicht westlich bis zum Vorgebirge Papas und hängt im O. durch eine schmale Meerenge mit dem Korinthischen Meerbusen zusammen. Den Eingang zu dem letztern bezeichnen zwei verfallene Kastelle (Rion und Antirrion), die sogen. Kleinen Dardanellen (s. d.). – Die Stadt P. wurde der Überlieferung nach vom Achäer Patreus gegründet durch Vereinigung von drei Städten, Aroe, Antheia und Mesatis; doch deuten orientalische Kulte darauf hin, daß zuerst wahrscheinlich Phöniker hier ansässig waren. Als Hafenstadt ward P. bald eine der ersten unter den zwölf achäischen Städten. Aus ihrem Bündnis mit drei andern achäischen Städten um 280 v. Chr. entstand der Achäische Bund. Augustus gewährte den Paträern, deren Stadt damals ziemlich herabgekommen war, allein unter den Achäern die Freiheit sowie die Rechte und Immunitäten einer römischen Kolonie. Seit dieser Zeit führte die Stadt auf den Münzen den Namen Colonia Augusta Aroe Patrensis. P. besaß auch eine der ersten Christengemeinden im Land und war neben Korinth der Ausgangspunkt für die Christianisierung der Halbinsel. 1205 wurde die Stadt durch Wilhelm von Champlitte, Grafen von Champagne, erobert und zum Sitz des Herzogtums Achaia erkoren. 1408 verkaufte Johann II. sein kleines Reich an die Venezianer, denen P. 1463 von den Türken entrissen wurde. 1770 eroberten die Russen und Mainoten P., mußten es aber noch in demselben Jahre wieder räumen, worauf es von den Türken verbrannt wurde. 1820 litt P. bedeutend durch ein Erdbeben. In P. begann die griechische Erhebung mit dem Ausruf des Erzbischofs Germanos 12. Febr. 1821. Militärisch wichtig, ward die Stadt ein Hauptkampfplatz, aber 15. April 1822, nachdem Jussuf Pascha die Zitadelle entsetzt hatte, von den Türken eingeäschert. Ibrahim Pascha leitete von P. aus die Belagerung von Missolunghi. 1828 nahmen es die französischen Hilfstruppen unter Schneider für Griechenland in Besitz; 1833 wurden die Franzosen dui ch die Bayern abgelöst. Vgl. Gerland, Neue Quellen zur Geschichte des lateinischen Erzbistums Patras (Leipz. 1903).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 15. Leipzig 1908, S. 505.
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