Wöhler

[715] Wöhler, Friedrich, Chemiker, geb. 31. Juli 1800 in Eschersheim bei Frankfurt a. M., gest. 23. Sept. 1882 in Göttingen, studierte seit 1819 in Marburg Medizin, dann in Heidelberg auch Chemie und Mineralogie, arbeitete ein Jahr lang in Berzelius' Laboratorium zu Stockholm und begleitete diesen und Ad. Brongniart auf einer zweimonatigen geognostisch-mineralogischen Reise durch Skandinavien. 1825 ward er Lehrer und 1827 Professor an der neubegründeten Gewerbeschule in Berlin, 1831 in Kassel. 1836 wurde er Professor der Medizin, Direktor des chemischen Instituts und Generalinspektor der hannoverschen Apotheken in Göttingen. Schon 1827 und 1828 entdeckte er das Aluminium, Beryllium und Yttrium, und in derselben Zeit beschäftigte er sich mit der Cyansäure und entdeckte nicht nur neue Cyanverbindungen, sondern auch die Bildung des Harnstoffes aus cyansaurem Ammoniak (1828), wodurch die Grenze zwischen anorganischer und organischer Chemie verwischt wurde. Er fand auch die Isomerie der Cyansäure und der Knallsäure und entdeckte die Cyanursäure und mit Liebig das Cyamelid. Seine Arbeiten mit Liebig über die Benzoylverbindungen bezeichnen den Beginn der eigentlich rationellen Behandlung der organischen Chemie und trugen wesentlich zur Ausbildung der Radikal- und Substitutionstheorie bei. Mit Liebig entdeckte er auch die zahlreichen Derivate der Harnsäure, die Zusammensetzung der Mellithsäure, die Zersetzung des Amygdalins unter Abscheidung von Zucker, die Darstellung von Chromrot etc. Von seinen andern Arbeiten sind besonders noch die über die Titan-, Wolfram- und Kieselverbindungen und die Entdeckung des kristallisierten Bors und Siliciums (mit Sainte-Claire-Deville) erwähnenswert. Er schrieb: »Grundriß der unorganischen Chemie« (Berl. 1831, 15. Aufl. von Kopp, 1873); »Grundriß der organischen Chemie« (das. 1840; 11. Aufl. von Fittig, 1887); »Mineralanalyse in Beispielen« (2. Aufl., Götting. 1861) und »Praktische Übungen in der chemischen Analyse« (Berl. 1854). Er gab auch eine deutsche Bearbeitung von Berzelius' »Lehrbuch der Chemie« (Dresd. 1825, 4 Bde.; 5. Aufl. 1843–48, 5 Bde.) und seit 1838 mit Liebig die »Annalen der Chemie und Pharmazie« heraus. 1890 wurde ihm in Göttingen ein Erzstandbild errichtet; sein Bildnis s. Tafel »Chemiker II«. Vgl. Hofmann, Zur Erinnerung an Friedr. W. (Berl. 1883) und Aus Justus Liebigs und Fr. Wohlers Briefwechsel (Braunschw. 1888, 2 Bde.); Kahlbaum, Friedrich W., ein Jugendbildnis in Briefen an Hermann v. Meyer (Leipz. 1900). Den Briefwechsel mit Berzelius gab Wallach heraus (Leipz. 1901, 2 Bde.).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 20. Leipzig 1909, S. 715.
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