Moritz, Graf von Sachsen

[174] Moritz Graf von Sachsen. Dieser große Feldherr war der Sohn des Königs August II. von Pohlen und der schönen Gräfin Aurora Maria von Königsmark (einer Schwedischen Gräfin, welche wegen der Verlassenschaft ihres Bruders, der in Sächsischen Diensten gestanden, nach Sachsen kam und 1728 als Pröbstin zu Quedlinburg starb), die ihn i. J. 1696 auf einem Dorfe unweit Magdeburg gebar. Er zeigte früh überaus viel Feuer und eine ungemeine Stärke, die er von seinem Vatter geerbt hatte. Im J. 1711 ertheilte ihm August II. als Reichsvicarius den Titel eines Grafen von Sachsen, und machte ihn nachher zum Obristen über ein neu errichtetes Cürassierregiment, das aber nach einigen Jahren reducirt wurde. Er heirathete 1714 eine von Löben, von der er sich aber 1721 scheiden ließ. Im J. 1720 ging er in Französische Dienste, in welchen er beständig blieb, aber von Zeit zu Zeit Reisen nach Sachsen machte. Im J. 1726 wählten ihn die Stände in Curland zum künftigen Herzog; und Moritz hoffte seine Absichten auf diese Würde gegen die übrigen Competenten vornehmlich damit durchzusetzen, daß er sich mit der verwitweten Herzogin Anna[174] (nachherigen Kaiserin von Rußland), welche auch eigentlich seine Wahl bewirkt hatte, zu vermählen gedachte. Allein sowohl Pohlen als Rußland setzten sich gegen diese Wahl, und die projectirte Vermählung ging zurück. Moritz ging wieder nach Frankreich und erhielt bald – in dem Kriege über die Pohlnische Königswahl – Gelegenheit, sich als Feldherr hervorzuthun. Am glänzendsten zeigte er jedoch seine militairischen Talente in dem Kriege, der sich 1740 nach dem Tode Kaiser Carls VI. entspann. Im J. 1744 erhielt er die Würde eines Marschalls von Frankreich, ob er gleich ein Protestant war (doch konnte er nicht in dem Marschalls-Tribunal sitzen); und 1745 bekam er das Ober-Commando über die gesammte Armee in den Niederlanden, bei welcher sich Ludwig XV. selbst einfand. Den 11. Mai erfocht er den wichtigen Sieg bei Foutenoi, welcher die Eroberung des ganzen Oestreichischen Flandern zur Folge hatte. In dem Feldzuge von 1746 eroberte er Brüssel und fast alles, was das Haus Oestreich in den Niederlanden besaß, gewann auch den 11. Oct. die Schlacht bei Raucoux unweit Lüttich. Der König überhäufte ihn mit Gnadenbezeugungen, erklärte ihn zu Anfange des Jahres 1747 zum General-Marschall, und ließ sein Bildniß in dem Louvre aufrichten. In diesem Jahre focht er eben so tapfer als in Holland, und gewann den 2 Jun. die Schlacht bei Laffeld unweit Mastricht. Im folgenden Jahre war er eben mit der Belagerung von Mastricht beschäftigt, als die Nachricht anlangte, daß zu Aachen Friede geschlossen sei; worauf zwar die Uebergabe der Festung, aber zugleich die Publication des Waffenstillstandes erfolgte. Moritz war indeß General-Gouverneur der eroberten Niederlande, bis dieselben zuruckgegeben wurden. Er lebte indeß nur noch einige Jahre nach dem Frieden; er starb 1750 auf seinem schönen Schloß Chambord, das ihm der König geschenkt hatte, an einem Blutsturz, und setzte den Sächsischen General Grafen von Bellegarde zum Universalerben ein. Moritz besaß nicht nur Muth und Kühnheit, sondern auch Klugheit, Erfahrung und Aufmerksamkeit; nicht minder wurde er vom Glücke begünstigt. Die Soldaten liebten ihn wie ihren Vater. Uebrigens war er sehr leidenschaftlich und zur Verschwendung geneigt. – Ludwig XV. hat ihm [175] durch Pigal ein prächtiges Grabmahl verfertigen lassen, das 50,000 Laubthaler kostete und 1777 in der St. Thomaskirche zu Straßburg aufgestellt wurde.

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Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 3. Amsterdam 1809, S. 174-176.
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