Argentinien

Südamerika. I. (Karten)
Südamerika. I. (Karten)
Südamerika. II. (Karten) 1. Geolog. Übersicht und Mineralfundstätten. 2. Physikalische Übersicht. 3. Die wichtigsten Kulturpflanzen. 4. Tiergeograph. Übersicht. 5. Volksdichte. 6. Die wichtigsten Entdeckungsfahrten und Forschungsreisen.
Südamerika. II. (Karten) 1. Geolog. Übersicht und Mineralfundstätten. 2. Physikalische Übersicht. 3. Die wichtigsten Kulturpflanzen. 4. Tiergeograph. ...
111. Argentinien.
111. Argentinien.
Flaggen.
Flaggen.

[94] Argentinĭen oder Argentinische Republik (República Argentina), südamerik. Staat [Karten: Südamerika I, I, 4, 8 u. II], bestehend aus dem Bundesgebiet der Hauptstadt Buenos Aires, 14 Provinzen und 10 Territorien (Gobernaciones), zusammen 2.806.400 qkm. Das Land gehört meist zu dem Strombecken des La Plata oder Paraná und seiner riesigen Nebenströme. Reiche Fauna, darunter Jaguar, Puma, Hirsche, Pampashasen, Strauße, verwilderte Rinder und Pferde. Viele Mineralien, so Gold, Silber, Kupfer, Blei und Marmor. Die Bevölkerung (1906) 6.000.000 Köpfe: span. Kreolen, Indianer, Neger, Mischlinge (Cholos, Chinos, Mulatten, Zambos); eingewanderte (über 1 Mill.; s. auch Beilage: Auswanderung) Italiener, Spanier, Amerikaner, Franzosen, Engländer, Schweizer, Deutsche etc. haben bes. am Paraná und Uruguay blühende Ackerbaukolonien gegründet. Hauptprodukte der Landwirtschaft: Paraguaytee, Weizen, Mais, Flachs, Zuckerrohr, Wein und Rosinen [s. auch Beilage: Getreide]. Wichtiger die Viehzucht (Rinder, Pferde, Esel, Schafe, Ziegen, im W. das Lama [s. auch Beilage: Vieh]). Über den Handel s. Beilagen: Südamerika und Handel und Handelsmarine; Eisenbahnen [94] 1904: 19.238 km (s. auch Beilage: Eisenbahnen), Telegraphenlinien 1902: 45.076 km. Nach der Verfassung vom 15. Mai 1853, revidiert 6. Juni 1860, ist A. eine repräsentative Föderalrepublik, der Kongreß (Senat und Deputiertenkammer) die gesetzgebende, ein auf 6 Jahre gewählter Präsident die vollziehende Gewalt. Militärmacht (seit 1901 allgemeine persönliche Dienstpflicht vom 20. bis 45. Jahre): im Frieden 1570 Offiziere, 16.697 Mann; Marine: 48 Fahrzeuge mit 406 Geschützen und 5184 Mann. Wappen zeigt Abb. 111; Flagge Tafel: Flaggen.

Geschichte. Die Länder am La Plata, die 1515 von Juan Diaz de Solis zuerst entdeckt, seit 1527 von den Spaniern besiedelt wurden, gehörten bis 1776 zum Vizekönigr. Peru, zu dem neubegründeten Vizekönigr. Buenos Aires. Den übrigen span.-südamerik. Kolonien folgend, erklärten 9. Juli 1816 die »Vereinigten Staaten vom Rio de la Plata« ihre Unabhängigkeit. Doch konstituierten sich Paraguay und Uruguay bald als besondere Republiken. Nach vielen innern Kämpfen trennte sich 1852 auch Buenos Aires, wurde aber infolge des Treffens bei Cepada (23. Okt. 1859) durch die 6. Juni 1860 zu Paraná geschlossene Union wieder in die Konföderation aufgenommen. 1863 wurde die mit Brasilien und Uruguay verbündete Argentin. Republik in einen Krieg gegen Paraguay verwickelt, der erst 1870 mit der Niederlage des letztern endete. 1880 brach ein Bürgerkrieg zwischen Unitariern und Föderalisten wegen der Präsidentenwahl aus. Die Föderalisten blieben siegreich, und ihr Kandidat Roca wurde gewählt. Ein Grenzstreit mit Chile wegen Patagoniens wurde durch Vertrag vom 23. Juli 1881 vorläufig geschlichtet. 1886 wurde Juarez Celman zum Präsidenten gewählt. Ungesunde Spekulationen veranlaßten 1890 eine Finanzkrisis und einen Aufstand, infolgedessen Celman 6. Aug. zurücktrat. Neue Grenzstreitigkeiten mit Chile führten 1896 zu einem Vertrage, worin England die schiedsrichterliche Entscheidung übertragen wurde, und 1898 zu einem Abkommen zwischen beiden beteiligten Staaten, dem 1899 ein weiteres zwischen A., Chile und Brasilien folgte. Präsident ist seit 1904 Manuel Quintana. – Vgl. Burmeister (2 Bde., 1875 u. 1876), Märtens (1898), Urien und Colombo (span., 1905).

Quelle:
Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 1. Leipzig 1911., S. 94-95.
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