Silber

[705] Silber (lat. Argentum, chem. Zeichen Ag), edles Metall, kommt gediegen und in Verbindungen vor, gediegen meist mit Gold legiert als sog. güldisches S., in Würfeln oder Oktaedern, in zähnigen, draht- oder haarförmigen, gestrickten Gebilden, im Erzgebirge, Harz etc.; Silbererze: Silberglanz, Rotgüldigerz, Sprödglaserz, Antimon-S., Arsen-S., Silberhornerz, Bromit, Jodit, Silberkupferglanz; silberhaltig sind die Fahlerze, die meisten Bleiglanze, Kupferkiese etc. Die Gewinnung des S. geschieht bei reinem Silberglanz durch Rösten oder Einschmelzen mit Eisen (Niederschlagsarbeit), ist aber bei Gegenwart anderer Metalle sehr kompliziert und erfolgt entweder auf trocknem Wege, oder auf nassem Wege, oder durch Amalgamation. Amalgamation wird nur noch in brennstoffarmen Gegenden Amerikas ausgeübt; man erhitzt die Erze gemengt mit Kochsalz und Kupfervitriol (sog. Magistral, durch Rösten von Kupferkies gewonnen), wobei sich Chlorsilber bildet; das Röstgut wird in rotierenden Fässern oder Mühlen mit Wasser, Eisenfeile und Quecksilber verrührt; letzteres nimmt das durch Eisen reduzierte S. auf und bildet Silberamalgam, das abgelassen und durch Destillation in S. und Quecksilber geschieden wird. Die Verarbeitung auf trocknem Wege erfolgt meist bei den silberhaltigen Bleierzen (Bleiarbeit); man erzeugt durch Rösten und reduzierendes Schmelzen mit Kohle Werkblei, das die Hauptmenge des S. aufnimmt, und ein Gemenge von Schwefelmetallen (Bleistein), das von neuem in den Prozeß zurückgeht. Das Werkblei wird geschmolzen und langsam erkalten gelassen; dabei kristallisiert zuerst reines Blei (Armblei), das so lange herausgeschöpft wird, bis die zurückbleibende flüssige Legierung 1/2-1 Proz. S. enthält (Pattinsonieren). Das Reichblei wird durch Zink entsilbert (Parkesieren); Zink legiert sich leicht mit S., schwer mit Blei. Man rührt die geschmolzenen Metalle gut durcheinander; bei ruhigem Stehen scheidet sich dann an der Oberfläche ein silberreiche und bleiarme Zinklegierung aus (Reichschaum), die durch überhitzten Wasserdampf von Zink befreit wird, worauf man das Silberblei durch Treibarbeit (Kupellation) scheidet. Das Abtreiben besteht im Erhitzen unter Luftzutritt; Blei oxydiert sich zu Bleiglätte, die seitlich abläuft. S. bleibt unverändert, ist schließlich nur noch von einer dünnen Schicht Bleioxyd überzogen, deren Durchbrechen (Silberblick) das glänzende S. zu Tage treten läßt. Auf nassem Wege (Extraktionsverfahren) verarbeitet man silberhaltige Kupfererze, indem man den Kupferstein (s. Kupfer) im Chlorstrom röstet und dann mit Kochsalzlösung extrahiert (Kochsalzlaugerei) oder mit Luft erhitzt; dabei bilden sich die Sulfate des Eisens, Kupfers und S. Bei höherm Erhitzen zersetzen sich die beiden erstern ziemlich leicht zu Oxyden und entweichender schwefliger Säure, während Silbersulfat beständiger ist, nach dem Erkalten mit Wasser ausgezogen (Wasserlaugerei) und durch eingelegtes Kupferblech oder Elektrolyse unter Silberabscheidung zersetzt wird. Das bei den meisten Prozessen noch unrein gewonnene S. (Werk-S.) wird durch Verschmelzen mit Blei und erneutes Abtreiben (Feinbrennen) gereinigt (Fein-S., Brand-S.); zur Scheidung von Gold (Silberscheidung) löst man in den Affinieranstalten das Fein-S. in konzentrierter Schwefelsäure, die das Gold unangegriffen zurückläßt, und fällt das S. aus der Sulfatlösung durch den elektr. Strom oder Kupfer. Hauptsitze der Silberproduktion waren im Altertum die Gegend des Altai und Ural, Ägypten, Attika, Spanien, später Dazien (Karpathen), im Mittelalter Tirol, Böhmen, Ungarn, der Harz und das Erzgebirge; seit der Entdeckung von Amerika überwiegt die dortige Silbergewinnung (Peru, Mexiko, Ver. Staaten) alle andern. Über die Produktion s. Beilage: Währung.S. ist reinweiß, stark glänzend und politurfähig, weicher als Kupfer, härter als Gold, sehr geschmeidig, vom spez. Gewicht 10,5, Atomgewicht 107,93. Es oxydiert sich auch in geschmolzenem Zustand nicht, absorbiert aber 22 Volumina Sauerstoff, die beim Erkalten unter Umherschleudern des S. entweichen (Spratzen des S.), schmilzt bei 954° und destilliert bei Weißglut, ist der beste Leiter für Wärme und Elektrizität. Es dient, zu dünnen Blättern ausgeschlagen (Blatt-S.), zum Versilbern; die Abfälle verreibt man mit Leim und bringt sie, in Muscheln eingetrocknet, als Muschel-S. (Silberbronze) in den Handel. S. wird von konzentrierter Salzsäure und verdünnter Schwefelsäure nicht angegriffen, während es von Salpetersäure gelöst wird (zu Silbernitrat); die Halogene verbinden sich mit ihm direkt. Schwefelwasserstoff und Sulfide liefern sehr leicht Schwefel-S., so daß sich S. in Berührung damit braun bis schwarz färbt (Anlaufen des S.). Aus salpetersaurer Lösung wird es durch Zink in ästig zusammenhängenden Kristallen abgeschieden (Silberbaum); durch Reduktion von Chlor-S. wird es als außerordentlich feines, graues Pulver (sog. molekulares S.) abgeschieden, durch Reduktion von zitronensaurem S. als braunschwarzes, in Wasser mit tiefroter Farbe lösliches Pulver (kolloidales S.). Da S. zu weich für die Verwendung zu Münzen und Geräten ist, wird es mit Kupfer verschmolzen zu Legierungen, deren Gehalt früher in Lot (16 Lot = 1 Mark Fein-S.) ausgedrückt wurde, jetzt nach Tausendsteln bezeichnet wird; Gerät-S. ist meist 12lötig (750/1000); deutsche Reichsmünzen, französische, österreichische haben einen Feingehalt von 900/1000, englische von 925/1000 (Standard-S.). In seinen Verbindungen ist S. einwertig; durch Reduktion oder durch Licht werden sie leicht unter Silberabscheidung zersetzt (Verwendung der Silbersalze in der Photographie). Silberoxyd scheidet sich aus Silberlösungen durch Alkalien als schwarzbraunes Pulver ab, zerfällt beim Erhitzen in S. und Sauerstoff und gibt, mit starkem [705] Ammoniak übergossen, schwarzes, sehr explosives Silberamid (Berthollets Knall-S.); Silbersulfid (-sulfuret, Schwefel-S.), das in der Natur als Silberglanz vorkommt und als schwarzer Niederschlag aus Silberlösungen durch Schwefelwasserstoff fällt; Silberhaloide werden in der Photographie verwendet: Chlor- und Brom-S., s. Chlor und Brom; Jod-S. (Silberjodid) fällt aus Silberlösungen durch Jodverbindungen als gelber, käsiger Niederschlag, ist in Ammoniak unlöslich. Silbersalze kristallisieren gut und sind farblos: Silbernitrat, salpetersaures S. (Silbersalpeter), rhombische Kristalle, in Wasser und Weingeist löslich, schwärzt sich mit organischer Substanz (Haut, Leinwand); dient als Höllenstein (s.d.) zum Ätzen, zum Zeichnen von Wäsche (unverlöschliche Tinte) und zur Darstellung anderer Silberverbindungen; schwefelsaures S. (Silbersulfat), in Wasser nicht sehr lösliche Kristalle; essigsaures S. (Silberazetat), schwer lösliche Kristallnadeln; Cyan-S. (Silbercyanid), käsiger, weißer Niederschlag, dem Chlor-S. ähnlich, aber gegen Licht beständig, löst sich leicht in Cyankalium zu Kaliumsilbercyanid, das zum Versilbern auf galvanischem Wege und zur Herstellung galvanoplastischer Silberniederschläge dient. – Vgl. Sueß, »Die Zukunft des S.« (1892), Bamberger (1892); Percy-Wedding, »Metallurgie des S.« (1881), Kröhnke, »Entsilberung von Erzen« (1900).

Quelle:
Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 2. Leipzig 1911., S. 705-706.
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