[513] Englische Kunst. 1) Baukunst. Der mit Wilhelm dem Eroberer eingeführte wuchtige, aber reichgegliederte engl.-normann. Stil, eine Abzweigung des roman., herrschte bis zur Einführung der Gotik im 12. Jahrh. Diese wurde in England eigentümlich behandelt; man unterscheidet mehrere Perioden: a. Übergangs- oder halbnormann. Stil, 1150 bis Anfang des 13. Jahrh., der den Rundbogen neben gedrücktem Spitz- und Hufeisenbogen zeigt (Trinity Chapel in Canterbury); b. frühengl. Stil, 1216-80, von dem neben Spitzbogen auftretenden Lanzettbogen auch Lanzettstil genannt (Kathedralen zu Lichfield [Tafel:Gotik I, 4] und Salisbury); c. decorated Style, 1275-1380, den Spitzbogen mit Eselsrücken vereinigend (Kathedrale von Exeter); d. Perpendicular-, Flammen- oder Tudorstil, 1380-1540, bei dem eine Überladung der Gewölbe mit Zierrippen und Maßwerk, dazu herabhängende Schlußsteine, eintrat (Kapelle Heinrichs VIII. in der Westminsterabtei, Abtei von Melrose). Erst im 16. Jahrh. wich die Gotik dem Elisabethstil, einer Übergangsform zur Renaissance. Letztere siegte durch Inigo Jones, Wren (Pauls-Kathedrale) u.a., doch blieb bei Kirchen-, Schulen- und Schloßbauten bis heute der got. Stil herrschend.
2) Die Bildhauerkunst schuf nur Grabdenkmäler, wie bes. die Statuen Heinrichs III. und Eleonorens (um 1290) von Torell in der Westminsterabtei. Im 16. Jahrh. geriet sie in Verfall, wurde erst im 18. durch John Flaxman, der genaues Studium der Antike einführte, wieder gehoben; heute zeigt sie bes. in der Genreplastik [Tafel: Genrekunst II, 14] tüchtige Vertreter. Porträtbildner des 19. Jahrh. sind: Foley, Steell, Böhm, Onslow Ford u.a.
3) In der Malerei wurde bis ins 17. Jahrh. nur das Porträt gepflegt, und dieses nur durch berufene fremde Meister, wie Holbein, van Dyck u.a. Erst Mitte des 18. Jahrh. begann in diesem Fach mit Reynolds [Tafel: Porträtmalerei II, 3] und dessen Schüler Lawrence und im Sittenbild durch Hogarth eine E. K. Erst später wurde die Landschaftsmalerei durch Gainsborough und die Historienmalerei durch Romney und Benj. West begründet. Eifrig wurde neuerdings die Aquarellmalerei gepflegt. Namhafte Maler der 1. Hälfte des 19. Jahrh. sind: Eastlake (Historie), Wilkie (Genre), Landseer (Tiere), Turner (Landschaft), ferner Mulready, Elly, Armitage, Leighton, Maclise, [514] Frith, Goodall, Cope, Calderon, Stanfield, Philipp, Poynter. Zu den um die Mitte des 19. Jahrh. auftretenden Präraffaeliten gehören: Rossetti, Hunt, Millais, Watts, Madox Brown. Von Malern der neuesten Zeit sind zu nennen: Fildes, Herkomer, Ouleß, Salomon (Bildnis), Alma Tadema (archäolog. Genre), Seymour Lucas (histor. Genre), Leader, David Murray (Landschaft), Wyllie (Marine) sowie die Mitglieder der Edinburgher und Glasgower Malerschule und der Landschafterschule von Newlyn.
4) Die Kupferstechkunst, bes. die sog. Schwarzkunst, gelangte im 18. Jahrh. zu bedeutender Höhe durch Strange, Woollet, Reynolds, Smith u.a., wurde aber durch den Stahlstich immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Dagegen blüht noch die Holzschneidekunst, welche Th. Bewick um 1775 zuerst wieder emporbrachte. – Vgl. Cunningham, »Lives of British painters, sculptors etc.« (6 Bde., 1829-33); Waagen, »Kunstwerke und Künstler in England« (1837-38); Uhde, »Baudenkmäler in Großbritannien« (1891-95); Muthesius, »Die engl. Baukunst der Gegenwart« (1901 fg.); R. de la Sizeranne, »Engl. Malerei der Gegenwart« (franz. 1895; deutsch 1899); Muther, »Geschichte der engl. Malerei« (1903).
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