[747] Englische Gärten, sind in englischem Geschmack angelegte parkartige Anlagen, welche in Verbindung mit Wohnhäusern stehen; sie haben in neuerer Zeit die steifen französischen Gärten fast ganz verdrängt. Der eigentliche Erfinder der E-n G. war aber nicht ein Engländer, sondern der Franzos Dufresny; dessen aus Frankreich von Ludwig XIV. verbanntes System fand in England eine günstige Aufnahme. Das System Dufresnys bestand darin, daß er den Boden ließ, wie er war, u. einen völlig unregelmäßigen Garten herstellte, in dem sich keine gerade Allee zeigte, in dem aber hier u. da Rasenplätze u. Baumgruppen vertheilt waren, so daß er eine kleine Landschaft bildete. In England hegte u. pflegte man dieses System so, daß es später als von England selbst hervorgegangen angesehen wurde,[748] Verbessert wurde dieses System von Kent; derselbe ging von dem Grundsatz aus, die ganze Natur sei ein großer Garten u. das alleinige Muster für alle Lustgärten; wolle man also künstliche Gärten anlegen, so gäbe es dazu nur einen Weg, man müsse nämlich die Natur copiren, u. zwar Zug um Zug, ohne irgend eine Auswahl zu treffen. Daher ging Kent in der Nachahmung bis zu den geringsten Kleinigkeiten; er begnügte sich nicht, in seinen Gartenanlagen Sandstrecken, unbebaute Felder, Haideflecken, halbzerstörte Häuser u. halbverbrannte Hütten anzubringen, sondern er pflanzte auch abgestorbene Bäume, um den Gärten einen desto größeren Anschein der Wahrheit zu geben. Wenn man nun auch nicht durchweg eine so strenge Nachahmung der Natur beibehielt, so folgte man doch im Allgemeinen Kents Regeln. Je einfacher das Haus ist, desto einfacher soll auch der Garten sein; je prächtiger aber ein Gebäude ist, desto mehr muß durch Anlage von Blumen, Bäumen u. Gebüsch, die sich durch ihre Formen u. Farben auszeichnen, ein passender Übergang hervorgebracht werden. Die E-n G. charakterisiren sich durch Verbindung der Kunst mit der Natur; fremd ist ihnen die geometrische Regelmäßigkeit u. künstliche Teiche, Wasserfälle, Grotten, Tempel, Gitterwerke, Laubcabinette, Statuen, Brücken, Meiereien ohne Vieh etc.; vielmehr herrscht in ihnen der rein landschaftliche Charakter vor.
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