Rohrwerkzeuge, -maschinen

[497] Rohrwerkzeuge, -maschinen, Einrichtungen zum Abschneiden, Anbohren, Biegen, Dichten, Umbördeln u.s.w. von Röhren.

Zum Abschneiden der Röhren von außen dienen die Rohrabschneider, welche entweder (Fig. 14) als Werkzeug ein bezw. mehrere gehärtete, scharfkantige Stahlscheiben besitzen, die allmählich in das Rohr eingedrückt werden, oder welche (Fig. 6 und 7) Stahlmesser besitzen, welche die Durchtrennung durch Spanabnahme besorgen. Die Rohrabschneider mit Stahlscheibe Fig. 13 dienen zum Handbetrieb; bei dem in Fig. 3 dargestellten sitzen die Stahlscheiben an Kettengliedern, seine bewegliche Backe läßt sich hinter die Zapfen des letzten, vorletzten oder drittletzten Gliedes einhaken, so daß die Weite der Oeffnung sich dem zu schneidenden Rohr anpassen läßt. Die Rohrabschneider mit mehreren Stahlscheiben haben den Nachteil, daß die einzelnen Scheiben sich nicht leicht in dieselbe Ebene bringen lassen. Die Rohrabschneidmaschine Fig. 4 besitzt nur eine mechanisch angetriebene Schneidscheibe, gegen die das sich drehende Rohr mittels des Handhebels angedrückt wird. Zum Entfernen des durch die Stahlscheiben aufgeworfenen Grats dienen die Rohrfräser Fig. 5 oder eine am Rohrabschneider befindliche Schneide. Die Fig. 4 zeigt einen Rohrfräser, an der Maschine vor der Schneidscheibe angebracht. Die Rohrabschneider mit Stahlmessern arbeiten besser als die mit Stahlscheiben. Der in Fig. 6 dargestellte besitzt ein einfaches oder doppeltes Messer. Der Rohrabschneider Fig. 7, welcher Aehnlichkeit mit einer Schneidkluppe hat, besitzt drei Messer, die sich momentan öffnen und zurückziehen lassen, mit selbsttätigem Vorschub. Zum Schneiden großer, namentlich gußeiserner Rohre benutzt man Apparate (Fig. 8), die einen das Rohr mit Spielraum umgebenden und auf ihm mittels Schrauben befestigten ringförmigen Spannrahmen besitzen, in welchem sich ein Ring mit dem Messer drehen läßt. – Ueber Rohrabstechbänke[497] s. Drehbank, Bd. 3, S 67, Fig. 23. – Zum Abschneiden von Rohren von innen (z.B. bei Siederohrkesseln) dienen die Rohrausschneider (Fig. 9). Der Apparat wird in das Rohr eingeführt und mittels eines am Sechskant b aufgehellten Schlüssels in dem Rohre herumgedreht. Durch Anziehen der Mutter a kommen die Stahlscheiben s s zum Angriff. Die Mutter a ist nach jeder Umdrehung etwas anzuziehen.

Zum Anbohren von Rohren dienen die Anbohrvorrichtungen, s. Bd. 1, S. 187, und [1].

Zum Biegen von Rohren werden Pressen oder Apparate mit Walzen benutzt. – Fig. 10 zeigt den Rohrbieger »Cyklop« (D.R.P. Nr. 159719), mit dem eiserne Gasröhren bis 5'' ohne Füllung (bis 1'' kalt) gebogen werden können. – Eine hydraulische Rohrbiegepresse ist in Fig. 11 (Paul Homann, Dessau) dargestellt. Die kalt zu biegenden Rohre sind mit Harz auszufüllen. Die Maschinen werden stehend oder liegend, feststehend oder fahrbar ausgeführt. – lieber die wenig gebräuchlichen Rohrbiegeapparate mit Walzen vgl. [2].

Zum Dichten von Rohren in Kesselwänden, Flanschen u.s.w. durch Aufwalzen dienen die Rohrdichtmaschinen (Siederohrdichtmaschine, Flanschenaufwalzmaschine). Das Prinzip der Apparate besteht darin, daß kleine Stahlwalzen in einem von Hand oder auch mechanisch, z.B. mit Preßluft, gedrehten Körper sitzen, über diesen herausragen und durch einen kegelförmigen Bolzen nach außen gedrückt werden, das Rohr an der Dichtungsstelle erweiternd. Die Walzen sind entweder glatt oder profiliert, so daß Rillen in die Rohre eingewalzt werden können. Der kegelförmige Bolzen wird durch Schläge mit dem Hammer oder durch Schrauben (ohne oder mit selbsttätigem Vorschub) vorwärts getrieben. Fig. 12 zeigt eine Siederohrdichtmaschine mit zwei Sätzen von Walzen hintereinander (für verschiedene Rohrdurchmesser), Fig. 13 eine solche mit expandierbarem Körper, Fig. 14 eine solche mit langen, schräg (oder auch parallel) zur Drehachse liegenden Walzen (besonders für Dampfkessel mit gewölbten Böden) und Fig. 15 eine Flanschenaufwalzmaschine.

Zum Umbördeln der (etwa 4–5 mm vorgehenden) Enden von Siederohren (Fig. 16) benutzt man den in Fig. 17 dargestellten Siederohrbördelapparat, der innerhalb des Rohrs festgespannt wird und dessen drehbarer Körper a drei kleine profilierte Walzen trägt, welche die Umbördelung bewirken.[498]

Die Rohrschlüssel und Rohrzangen dienen zum Festhalten der Rohre und Verbindungsstücke bei Herstellung von Verschraubungen. Um das Festhalten zu erleichtern, sind die Backen mit Riffeln versehen. Fig. 18 Rohrschlüssel mit seiten Backen, Fig. 19 mit Schraubenschlüssel (s.d.) kombinierter Rohrschlüssel; Fig. 20 Rohrzange mit gleichlangen Schenkeln und Backen; Fig. 21 Rohrzange mit hakenförmigen Backen, in welchen das Rohr infolge der großen Hebelübersetzung des Druckbackenschenkels kräftig eingepreßt werden kann; Fig. 22 Rohrzange für (in bestimmten Grenzen) verschiedene Rohrdurchmesser; Fig. 23 desgleichen mit Schraubenverstellung; Fig. 24 bis 26 Rohrzange (Schach & Rutenbeck in Altenburg, S.-A.), deren Schenkel (Schaft) einen Zahnbogen trägt, an dem die größere Backe drehbar befestigt ist, während die kleinere Backe eine Zahnstange besitzt, mit der sie in die Zahnbogen des Schenkels eingreift und in eine Führung der größeren Backe gleitet (Fig. 24 zeigt die kleinste, Fig. 25 die mittlere, Fig. 26 die größte Maulweite); Fig. 27 Kettenrohrzange.


Literatur: [1] Lueger, O., Die Wasserversorgung der Städte, 2. Abt., Leipzig 1908. – [2] Fischer, H., Die Werkzeugmaschinen, 2. Aufl., Berlin 1905, Bd. 1, S. 744.

A. Widmaier.

Fig. 1., Fig. 2., Fig. 3., Fig. 4., Fig. 5., Fig. 6., Fig. 7.
Fig. 1., Fig. 2., Fig. 3., Fig. 4., Fig. 5., Fig. 6., Fig. 7.
Fig. 8., Fig. 10., Fig. 11.
Fig. 8., Fig. 10., Fig. 11.
Fig. 9.
Fig. 9.
Fig. 13.
Fig. 13.
Fig. 12., Fig. 14.
Fig. 12., Fig. 14.
Fig. 15.
Fig. 15.
Fig. 16 und 17.
Fig. 16 und 17.
Fig. 18., Fig. 19., Fig. 20., Fig. 21., Fig. 22., Fig. 23., Fig. 24–26.
Fig. 18., Fig. 19., Fig. 20., Fig. 21., Fig. 22., Fig. 23., Fig. 24–26.
Fig. 27.
Fig. 27.
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 7 Stuttgart, Leipzig 1909., S. 497-499.
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Faksimiles:
497 | 498 | 499
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