Antiŏchos [2]

[583] Antiŏchos, Name mehrerer Könige von Syrien aus dem Hause der Seleukiden:[583]

1) A. I., SoterRetter«), geb. 323 v. Chr., gest. 261, Sohn des Seleukos I. Nikator, der ihm 293 seine zweite Gemahlin Stratonike, des Demetrios Poliorketes Tochter, und als Mitregenten die Länder östlich vom Euphrat abtrat; nach der Ermordung des Vaters durch Ptolemäos Keraunos (281) beherrschte A. Syrien zusammen mit seinen Söhnen Seleukos und Antiochos (II.). Mit Eumenes von Pergamon kämpfte er erfolglos (262 Niederlage bei Sardes); dagegen nahm er wegen eines Sieges über die Gallier (277) den Beinamen Soter an.

2) A. II., TheosGott«), Sohn und Nachfolger des vorigen (261–246 v. Chr.), kämpfte unglücklich gegen Ptolemäos Philadelphos von Ägypten und erkaufte 250 den Frieden dadurch, daß er seine Gemahlin Laodike verstieß und des Ptolemäos Tochter Berenike heiratete; die Verschmähte vergiftete 246 A. und stiftete ihren Sohn Seleukos (II. Kallinikos) zur Ermordung Berenikes an. Des A. Tochter Stratonike heiratete 257 Ariarathes III. von Kappadokien, deren Schwester Laodike den König Mithradates IV. von Pontos. Den Beinamen Theos gaben dem A. die Milesier für die Befreiung vom Tyrannen Timarchos.

3) A. III., der Große, zweiter Sohn des Seleukos II. Kallinikos, geb. 242 v. Chr., gest. 187, bestieg nach dem Tode seines Bruders Seleukos Soter 223 den Thron. Er fand das Reich, von dem sich Baktrien und Parthien losgemacht, die Ptolemäer Palästina, Phönikien, Kölesyrien, Kilikien und Karien an sich gerissen hatten, in bedrängter Lage; der Abfall von Persien und Medien steigerte die Not. A. verlor zwar gegen die Ägypter 217 die Schlacht bei Raphia; auch Baktrien und Medien konnte er nicht wieder unterwerfen. Dagegen gelang es ihm, die innern Aufstände zu unterdrücken. Von einem Heereszug nach dem Osten (209) kehrte er 205 mit reichen Geschenken aus Indien und Arabien heim und nannte sich seitdem »der Große«. Als 205 Ptolemäos Philopator starb, verband sich A. mit Philipp von Makedonien gegen den unmündigen Ptolemäos Epiphanes. Während Philipp, dadurch mit Pergamon und Rhodos in Kampf geraten, den Römern unterlag, siegte A. 198 am Berge Panion an den Jordanquellen und eroberte Kölesyrien und Phönikien zurück. Als A. 196 die Thrakische Chersones besetzte, verlangten die Römer von ihm die Räumung Europas. Doch A. breitete sich in Thrakien aus und nahm den geflüchteten Hannibal auf (195), ohne dessen Rat, die Römer sofort in Italien selbst anzugreifen, zu befolgen. Nachdem er 192 mit 10,500 Mann in Griechenland gelandet war, Chalkis auf Euböa genommen und Thessalien teilweise besetzt hatte, wurde er 191 von M.'Acilius Glabrio bei den Thermopylen geschlagen. Darauf zweimal (bei Korykos 191 und Myonnesos 190) zur See besiegt und von seinem Bundesgenossen Prusias von Bithynien verlassen, ward A. bei Magnesia am Sipylos (190) durch L. Cornelius Scipio gänzlich besiegt und mußte 189 Kleinasien bis an den Taurus abtreten und 96 Mill. Mk. zahlen; Hannibal ließ er entfliehen. Des A. Macht war gebrochen; Armenien machte sich selbständig. Als er, um den Tribut für Rom aufzubringen, in Elymais den Belustempel plünderte, ward er erschlagen. Vgl. Tetzlaff, De Antiochi III. Magni rebus gestis (Münst. 1874); Brandis im 4. Band von Helmolts »Weltgeschichte« (Leipz. 1900).

4) A. IV., Epiphanes (»der Erlauchte«), zweiter Sohn des vorigen und der Laodike von Pontos, regierte 175–164 v. Chr. Seit 189 zu Rom als Geisel, bestieg er nach seines Bruders Seleukos IV. Philopator Ermordung durch Heliodoros den Thron. Er kämpfte 171–168 gegen Ägypten und nahm den König Ptolemäos Philometor gefangen; doch mußte er auf Verlangen des römischen Gesandten C. Popillius Laenas Ägypten räumen. Durch das Verbot der jüdischen Religion und die Einführung des Zeuskultus veranlaßte er den Aufstand der ägyptisch gesinnten Juden unter den Makkabäern (s. d.), den er 167–164 erfolglos bekämpfte. 164 zog A. gegen die Parther und starb zu Tabä in Persien. – Seine Tochter Laodike wurde durch ihre Heirat mit Mithradates V. von Pontos Mutter Mithradates' d. Gr.

5) A. V., Eupator (»der Edelgeborne«), Sohn und Nachfolger des vorigen, regierte 164–162 v. Chr. unter Vormundschaft des Philippos, dann des Lysias und ward mit diesem von Demetrios, dem in Rom bisher als Geisel gehaltenen, jetzt von den Römern als Gegenkönig aufgestellten Sohn des Seleukos IV. Philopator, gestürzt.

6) A. VII., Sidetes (von Sida in Pamphylien, dem Ort seiner Erziehung, benannt), jüngerer Sohn des Demetrios I. Soter, heiratete, als sein Bruder Demetrios II. Nikator 138 von den Parthern gefangen genommen wurde, dessen Gemahlin Kleopatra, stürzte den Usurpator Diodotos Tryphon, besiegte den Makkabäer Johannes Hyrkan und belagerte Jerusalem, schloß aber aus Furcht vor Rom einen billigen Frieden. Er fiel 129 gegen die Parther.

7) A. VIII., Grypos (»Habichtsnase«), ward nach der Ermordung seines Vaters Demetrios II. Nikator (125 v. Chr.) als König in einem Teil Syriens anerkannt, besiegte 123 den Gegenkönig Alexander Zabinas, zwang seine herrschsüchtige Mutter Kleopatra, das Gift zu trinken, das sie ihm bereitet hatte (daher ironisch Philometor, »der die Mutter liebt«), wurde aber von seinem Stiefbruder Antiochos IX. Kyzikenos Kölesyriens und Phönikiens beraubt und 96 ermordet.

8) A. X., Eusebes (»der Fromme«), Sohn des Antiochos IX. Kyzikenos, heiratete seine eigne Mutter Kleopatra Selēne, die erst die Frau des Antiochos VIII. Grypos, dann die des Kyzikenos gewesen war, nachdem sie sich vorher schon dem Ptolemäos X. Lathyros vermählt gehabt hatte; er fiel nach 94 v. Chr. gegen die Parther.

9) A. XIII., Asiaticus, Sohn des vorigen, erhielt 68 v. Chr. von L. Licinius Lucullus nach Besiegung des Trigranes Syrien zurück, wurde indes 64 von Pompejus entthront und bald danach ermordet. Er war der letzte König aus dem Hause der Seleukiden, während sich ein andrer Antiochos im Fürstentum Kommagene noch einige Jahrzehnte hielt.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1905, S. 583-584.
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